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Die Top 30 bis 30 des Jahres 2009

Neue Hoffnungsträger für den Journalismus: 30 vielversprechende Nachwuchstalente, die uns 2009 aufgefallen sind (s.a. mediummagazin 9/2009):
Katja Auer, Jean Pierre Bassenge, Melanie Bergermann, Benjamin Bidder, Malte Borowiack, Bernhard Böth, Nicolas Büchse, Kerstin Bund, Janos Burghardt, Nikolai Fichtner, Pierre-Christian Fink, Johannes Gernert, Andre Görke, Rebecca Gudisch, Oliver Havlat, Jan Hollizer, Tim Klimes, Chris Köver, Christian Limpert, Mareike Ludwig, Charlotte Potts, Karin Prummer & Dominik Stawski, Jens Radü, Luise Sammann, Katrin Schmiedekampf, Eva Schulz, Karl Sippel, Mathias Stamm, Greta Taubert, Jakob Vicari.
Ihre Ansichten und Visionen im O-Ton als Antworten auf die mediummagazin-Fragen von Daniel Bouhs und Daniel Kastner:

Katja Auer (30), Redakteurin Süddeutsche Zeitung

Vita und Auszeichnungen: Geboren in der Oberpfalz, nach dem Abitur Studium der Diplom-Germanistik, Journalistik, Philosophie in Bamberg. Nebenher natürlich viele, viele Praktika. Dann Volontariat beim ifp (Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses) in der Redaktion der Bamberger Kirchenzeitung „Heinrichsblatt“. Während des Volontariats habe ich ein vierwöchiges Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung gemacht und daraufhin das Angebot bekommen, dort anzufangen. Das war im April 2006, seit November 2006 bin ich Landtagskorrespondentin im bayerischen Landtag.
Im Volontariat ausgezeichnet mit dem Pater-Wolfgang-Seibel-Preis, seitdem nie wieder um einen beworben.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz ist das falsche Wort. Zufrieden bin ich, wenn ich das Gefühl habe, den Geschichten auf den Grund und den Menschen möglichst nahe gekommen zu sein.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Reporterin, Korrespondentin; irgendwas, wobei guter Journalismus gefragt und auch noch genug Zeit dafür ist.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Es gab immer hilfsbereite Mentoren und Kollegen. Vor allem Sebastian Beck, der damalige Chef der SZ-Bayernredaktion.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil ich schreiben kann und will. Weil ich alles genau wissen will. Weil ich die Geschichten festhalten will. Weil die Leute einfach so viel zu erzählen haben.

Kontakt: katja.auer@sueddeutsche.de

Jean Pierre Bassenge (20), Volontär „Berliner Zeitung“

Vita und Auszeichnungen: Alles begann in der 10. Klasse, im Februar 2004, als ich das Glück hatte, ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Wissenschaftsredaktion der Berliner Zeitung zu verbringen. Damals war ich wohl eher eine Last als eine Hilfe, aber zumindest wurde mir am Ende gesagt, ich sei dort jederzeit gern wieder gesehen. Es folgte ein zweites Kurzpraktikum in der 12. Klasse, und nach dem Abitur im Sommer 2007 entschied ich mich für eine erneute Rückkehr. Nach einigen weiteren Wochen Praktikum stand fest, dass ich als Volontär länger in der Wissenschaftsredaktion bleiben würde.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz bin ich vor allem auf die Artikel, in denen ich schwierige Forschungsthemen anschaulich vermitteln konnte. Dazu zählen aus meiner Sicht zum Beispiel die Beiträge zur Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (Magnetische Aktienhändler, 1. März 2008), zu den Physik-Nobelpreisen (Und übrig blieb das Universum, 8. Oktober 2008) und zur Reparatur des Hubble-Teleskops (Tagesthema der Berliner Zeitung, 11. Mai 2009), die jeweils in sehr kurzer Zeit entstanden sind.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Wenn in der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaft auch in zehn Jahren noch Platz für sauber recherchierte und spannend geschriebene Wissenschaftsartikel ist, würde mich das sehr freuen – und ich hoffe sehr, daran mitwirken zu können, in welcher Position auch immer.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Unterstützung erhielt ich vor allem von Lilo Berg, der Leiterin des Wissenschaftsressorts der Berliner Zeitung, die in mir schon vor einigen Jahren mehr gesehen hat, als ich mir damals selbst zugetraut habe. Ihr Vertrauen hat mich immer wieder in meinem Tun bestärkt. Auch zu Dank verpflichtet bin ich Bettina Urbanski, Matthias Loke, Christian Bommarius und Thorkit Treichel, die mir jeweils auf ihre Art durch die verstrichenen eineinhalb Jahre geholfen haben.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Jeden Tag eine Wissenschaftsseite zu machen, mit eigenen Artikeln, den Beiträgen freier Autoren, tollen Forschungsfotos und anschaulichen Info-Grafiken, dabei interessante Themen und Schwerpunkte zu setzen – das ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung und eine Erleichterung, wenn es denn gelungen ist. Im vergangenen Jahr bekam ich einen Anruf aus Augsburg von einem Leser, der sich zu mir durchtelefoniert hatte, um die aktuelle Seite mit einem Artikel von mir zu loben. Da weiß man bei all der Arbeit dann auf einmal wieder, warum man das macht.

Kontakt: bassenge@gmx.de

Melanie Bergermann (29), Redakteurin Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien

Vita und Auszeichnungen: 1999-2003: freie Mitarbeiterin für Zeitungen in NRW und Radio Kiepenkerl; 2003-2005: freie Mitarbeiterin bei Mainzer Allgemeine Zeitung und ZDF 2005-2006: Volontariat Verlagsgruppe Handelsblatt/ Georg von Holtzbrinck Journalistenschule; 2006-2009 Unternehmensredakteurin (Banken) bei der WirtschaftsWoche; seit 1. August: Unternehmensredakteurin (für Banken und Versicherungen) bei den Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? „Ich habe Sie betrogen“ über Vertriebsdruck bei Banken

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Traumjob: Präsidentin Auf Schalke.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Holtzbrinck-Schulleiter Joachim Weidemann, die Chefredakteure Stefan Baron und Roland Tichy

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil es mein Job ist.

Kontakt: bergermann.melanie@guj.de

Benjamin Bidder (27), Korrespondent „Spiegel Online“

Vita und Auszeichnungen: Ich bin aufgewachsen im Rheinland, habe 2001 in Remagen mein Abitur gemacht. 2001-2002 Zivildienst in einem staatlichen Heim in St. Petersburg, Russland. 2002 bis Januar 2009 Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn, Mannheim und St. Petersburg. 2004 bis 2006 Stipendiat der studienbegleitenden Journalistenausbildung des Münchner „Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses“. 2005 bis 2009 Stipendiat des Cusanuswerkes.
Nach einem Studienaufenthalt 2006 in St. Petersburg bin ich Anfang 2007 nach Moskau gegangen und habe dort unter anderem bei der Deutschen Welle (TV) und beim Spiegel in den dortigen Büros Praktika absolviert. 2007 Auszeichnung mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis des Petersburger Dialogs.
Seit 1. Februar 2009 Politik-Redakteur bei Spiegel Online in Hamburg; ab 1. September 2009 Spiegel-Online-Korrespondent in Moskau

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz?
„Ich spüre keinen Hass auf Deutsche“ erschienen im Juni 2007 auf Spiegel Online
„Angriff der Cybersöldner“ DER SPIEGEL 31/2007 vom 30.07.2007
„Rästelhafter Dr. Zobin“, DER SPIEGEL, August 2008
„Herzliches Missverständnis zwischen Russland und dem Westen“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,606483,00.html)

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Mein Traumjob ist die Stelle, die ich zum 1. September antrete. Moskau ist eine faszinierende Stadt, und ich wollte schon immer als Korrespondent arbeiten. Seit 2001 habe ich insgesamt 2,5 Jahre in Russland gelebt, dazu kommen viele kürzere Besuche, Reisen – aber noch immer habe ich die vielen Rätsel dieses Landes nicht ergründet und wohl das meiste noch nicht verstanden, was Russland und seine Seele ausmacht.
Dass es aber so schnell klappen würde, habe ich mir nicht träumen lassen.
In zehn Jahren würde ich dann gern weniger tagesaktuell arbeiten und mehr Zeit für Begegnung und Beobachtung bei Geschichten haben. Der tagesaktuelle Rhythmus und die Arbeit bei einem „schnellen Medium“ wie Spiegel Online reizt mich sehr – aber gesetzt den Fall, ich mache das noch zehn Jahre, wünsche ich mir spätestens dann doch eine Veränderung.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Matthias Schepp, SPIEGEL, Büro Moskau
Marcus Nicolini, ifp, Journalistenausbilder
Christoph Wanner, damals DW TV, Moskau

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Aus Neugier.

Kontakt: benjamin_bidder@spiegel.de

Malte Borowiack (27), Redakteur ZDF.de

Vita und Ihre Auszeichnungen: Praktika und freie Mitarbeit bei Lokalzeitungen und Radiosendern in NRW, Stationen bei dpa, dem ZDF-Studio in Tel Aviv und ein Journalistik-Studium in Dortmund und Dublin samt Volo-Station beim Bonner „General-Anzeiger“ brachten Malte Borowiack letztlich in die Internet-Redaktion des ZDF. Dort setzt er auf crossmediale Projekte, die ihm den Midas-Preis für europäische Multimedia-Entwicklungen und eine lobende Erwähnung beim Axel-Springer-Preis einbrachten.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Auf das Multimedia-Projekt „Folgen des Klimawandels“ bei zdf.de mit dem vollen Online-Feuerwerk: Animationen, Videos, Texte und Bilder. Das war eine große Herausforderung bei Konzeptarbeit, Recherche und Umsetzung. In Zusammenarbeit mit TV-Kollegen, Wissenschaftlern, Grafik und Technik konnte ich mich in das wichtige Thema Klimawandel hineinknien und es anschaulich und leicht zugänglich aufbereiten. Dass das gelungen ist, haben mir 2008 gleich drei Jurys bestätigt, und die Pageimpressions zeigen das auch.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Frontmann des Web 4.0, am Puls des Online-Geschehens. Ob vom Büro aus oder als Online-Reporter, der dem User Fremdes aus dem Nahen Osten virtuell näherbringt, wird sich zeigen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Karin Müller, Redaktionsleiterin zdf.de. Sie hat mir gleich zu Anfang einen enormen Vertrauensvorschuss für erste Multimedia-Projekte gegeben und mich auch später in vieler Hinsicht gefördert.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil ich so gestalten kann, was guter Journalismus der Zukunft sein muss.

Kontakt: MBorowiack@gmx.de ;

www.derAufmacher.de mit improvisierten Reise-Blogs (Israel, Nahost) / Twitter: Webbowalker

Bernhard Böth (25), Freier Sportjournalist

Vita und Auszeichnungen: Geboren im nordhessischen Homberg (Efze). Erste journalistische Erfahrungen im Lokalsport bei der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA). Nach Abitur und Zivildienst von 2004 bis 2008 Online-Journalismus-Studium an der Hochschule Darmstadt. Währenddessen Projektarbeit unter anderem für die Bundeszentrale für politische Bildung und die IFRA. Praxissemester als Hospitant in der Internetredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), freie Mitarbeit im Sportressort. Seit dem Diplom im Sommer 2008 als freier Sportjournalist für die FAZ und FAZ.NET sowie als Onlineredakteur für den Hessischen Rundfunk (Nachrichten/Sport) tätig.
Auszeichnung: Axel-Springer-Preis 2009: Herausragende Leistung für das FAZ.NET-Spezial „Erste Klasse, zweite Geige“.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich im vergangenen Jahr für die FAZ ein crossmediales Dossier erstellt – Thema: „Erste Klasse, zweite Geige – Randsportarten auf der olympischen Bühne“. Vorgestellt wurden im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking Sportlerinnen und Sportler bzw. deren Sportarten, die in der Öffentlichkeit generell keine große Rolle spielen und „nur“ alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen ins Rampenlicht rücken. Entstanden ist eine Sonderseite in der FAZ (23. Juli 2008) sowie ein Multimediadossier auf FAZ.NET.
Die Arbeit an diesem Dossier hat mir am Ende meines Studiums noch einmal bestätigt, dass ich den richtigen Berufsweg eingeschlagen habe. Befriedigend war für mich, dass ich mit diesem Dossier fernab vom tagesaktuellen Geschehen ein Thema hintergründig beleuchten konnte – im Netz beherrscht ja eher die schnelle Nachricht das Geschäft. Meine crossmediale Arbeit hat sowohl in der Print- und Onlineredaktion der FAZ als auch bei Fachkollegen viele positive Reaktionen hervorgerufen; das macht mich schon ein Stück weit stolz.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ich bin gespannt, wie sich der Journalismus angesichts des technischen und (medien-)gesellschaftlichen Wandels weiterentwickelt. Und ich bin froh, an diesem Entwicklungsprozess teilhaben zu können, arbeite also gegenwärtig in meinem „Traumjob“.  Dank meiner crossmedialen Ausbildung fühle ich mich gerüstet, fundierte und qualitativ hochwertige Beiträge für verschiedene Kanäle zu produzieren. Da ich mich in diesem Bereich bislang nur phasenweise beweisen konnte, hoffe ich in der Zukunft auf mehr entsprechende Möglichkeiten. Vorstellen könnte ich mir zum Beispiel, als Moderator durch eine Sportsendung zu führen.
Nach und nach strebe ich nach mehr Verantwortung und Kompetenzen sowohl im technischen als auch im inhaltlichen Bereich. In zehn Jahren möchte ich sagen können, dass mich der Journalismus weiterhin fasziniert, herausfordert und erfüllt. Auch kann ich mir gut vorstellen, mein Theorie- und Praxiswissen an Nachwuchsjournalisten weiterzugeben. Als freier Journalist habe ich viele Freiheiten, und ich komme gut zurecht mit meiner Situation. Dennoch bin ich nicht abgeneigt, wenn sich über kurz oder lang für mich eine feste Anstellung ergibt.
Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Zum einen haben mich die vielen Kontakte weitergebracht, die ich während des Studiums in Projekten und Seminaren knüpfen konnte. Vor allem aber hat mir das Praktikum bei FAZ.NET geholfen, den letzten, vielleicht entscheidenden Schritt in die journalistische Praxis zu machen. Hier habe ich gemerkt: Hey, das ist es!
Da Sie konkret nach Kollegen fragen, möchte ich Marc Heinrich (damals FAZ.NET, jetzt FAZ) und Cai Tore Philippsen (FAZ.NET) nennen. Durch den Einsatz dieser beiden Kollegen habe ich bereits während meines Studiums auch für die (gedruckte) FAZ schreiben können.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Wenn ich diese Frage mit nur einem Satz beantworten müsste, fiele der so aus: „Der Journalismus fasziniert mich.“ Meine ausführlichere Antwort lautet: Die journalistischen Tätigkeiten setzen sich aus vielen Bausteinen zusammen, die mich erstens herausfordern und beanspruchen, mir zweitens das Gefühl geben, etwas Nützliches bei der Herstellung von Öffentlichkeit zu tun, und drittens mir und anderen schlicht Freude machen. Wenn ich dann mit meiner Arbeit Licht ins Dunkel bringen und/oder die Rezipienten unterhalten kann, bin ich zufrieden und auch immer wieder froh, dass ich das tue, was ich tue.

Kontakt: b.boeth@web.de ; Mein Xing-Profil: http://www.xing.com/profile/Bernhard_Boeth

Nicolas Büchse (30), Freier („Geo“)

Vita und Ihre Auszeichnungen: Schon mit elf Jahren fühlte er sich dazu berufen, die Nachbarschaft mit einer eigenen Wochenzeitung zu versorgen. Neben dem Studium (Geschichte, Politik, Öffentliches Recht) in Göttingen und Straßburg arbeitete er als fester Freier bei AZ Media TV an Dokumentationen für ARD und RTL, 2006 für die BBC bei der Fußball-WM. Absolvierte die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, arbeitet in der Entwicklungsredaktion von Stefan Aust und schreibt für GEO EPOCHE und GEO Wissen.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Eine Spiegel-Geschichte über Kinderflüchtlinge in Deutschland, die etwas bewirkt hat.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Büchse will Reporter sein.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? TV-Journalist Markus Brauckmann, Ulla Hockerts und Florian Gless („Stern“).

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Aus Lust am Erzählen und in der Hoffnung, zu verändern.

Kontakt: nicolas.buechse@googlemail.com

Kerstin Bund (27), Wirtschaftsredakteurin „Die Zeit“

Vita und Auszeichnungen: Als Kind wollte ich Tierärztin werden, später dann Psychologie studieren. Aus beidem wurde nichts. Zum Glück, denn sonst wäre ich heute wohl nicht Redakteurin bei der Zeit. Alles begann im Süden – bei den Stuttgarter Nachrichten. Erst Praktikum, dann freie Mitarbeit. Unter der Woche Uni, am Wochenende Schützenfest, Vereinsfeier, Stadtteiljubiläum, immer mit dabei waren Notizblock und Kugelschreiber. Zwischendurch machte ich verschiedene Praktika (Phoenix, Financial Times Deutschland, dpa) und verbrachte ein Semester in Guatemala, was mir persönlich viel, meinem Studium aber wenig brachte. Ich lernte Spanisch, arbeitete in einem Waisenhaus für Straßenkinder und verkaufte selbst gebackenes Brot auf dem Markt. Nach dem Studium hospitierte ich im Wirtschaftsressort der Zeit. Der Abschied fiel schwer, aber er war von kurzer Dauer. Nach einem Abstecher an die Axel Springer Akademie kam der schönste Anruf meines Lebens: Der Wirtschafts-Chef der Zeit fragte: Wollen Sie bei uns anfangen?

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Zwischen Alarmismus und Aufklärung – Der Ton wird ruhiger, die Bilder bleiben dramatisch: Wie Zeitungen und Zeitschriften über die Finanzkrise berichten (13.11.2008 in DIE ZEIT), Feld, Wald und Wachstum – Dem Oldenburger Münsterland geht es bestens. Warum? Eine Reise durch eine Boomregion (09.07.2009 in DIE ZEIT)

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Meinen Traumjob habe ich bereits gefunden. Irgendwann, wenn mir das Hamburger Wetter zu sehr aufs Gemüt schlägt, zieht es mich vielleicht in südlichere Gefilde. Als Korrespondentin in Lateinamerika vielleicht?

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Dr. Uwe Jean Heuser (Ressortleiter Wirtschaft, ZEIT), Götz Hamann (Wirtschaftsredakteur, ZEIT)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil kein Tag ist wie der andere.

Kontakt: kerstin.bund@zeit.de, Twitter-Account: quetzalita

Janos Burghardt (24), Chefredakteur „Yaez“

Vita und Auszeichnungen: Klassisch ist Janos Burghardt in den Journalismus gekommen: Mit der Schülerzeitung, dem Vorläufer der heutigen Jugendzeitung Yaez, gewann er 2002 den SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb („Die professionellste Site aller Bewerber“). Unkonventionell ging es danach weiter: Unter seiner redaktionellen Leitung baute er Yaez zur deutschlandweiten Jugendzeitung aus – neben dem Studium an der Hochschule der Medien Stuttgart, wo er denn Bachelor in Medienwirtschaft machte, und einer studienbegleitenden Journalistenausbildung. Yaez liegt mittlerweile mit einer Auflage von 360.000 Exemplaren an über 5.000 Schulen aus und ist Deutschland zweitgrößte Jugendzeitung. Und der Kontakt zum SPIEGEL ist geblieben: Ausgabe für Ausgabe werden ausgewählte Artikel dort online veröffentlicht.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Eine Serie über junge Trends, die bei der dpa lief. Es ging über junge Designer, Sportarten wie Le Parkour oder Roller Derby. Aber auch eine Geschichte über junge Blogger im Nahen Osten oder über ein regionales Social Network, das innerhalb eines Landkreises eine Reichweite von über 90 Prozent bei den Jugendlichen erreicht hatte. Das sind Themen, die ältere Redakteure oftmals nicht wahrnehmen und dennoch relevant sind. Für Leser sind sie umso spannender. Junge Journalisten sollten sich dieser eigenen Stärke bewusst sein: Sie können Trends sehr früh erkennen und auch das Internet als Bestandteil des Alltags oftmals sehr gut reflektieren.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Mein Traumjob ist, Redakteur eines innovativen Nachrichtenmediums zu sein. Die Redaktion sollte dabei journalistisch als auch technisch innovativ sein und ein hohes Qualitätsbewusstsein besitzen. Zwei Punkte, die leider nicht in allen Redaktionen anzutreffen sind.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Bernwart Loheide (Leiter dpa Landesdienst Südwest), Jan Ronneburger (Korrespondent dpa Buenos Aires), Sebastian Christ (Redakteur stern.de), Jochen Markett (Journalisten-Akademie der KAS).

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Aus Leidenschaft, Ehrgeiz und Spaß. Oder kennen Sie einen Beruf, der abwechslungsreicher, fordernder und anspruchsvoller sein kann, als der des Journalisten?

Kontakt: jburghardt@gmail.com ; www.janosburghardt.de (Website), www.twitter.com/ghdt (Twitter)

Nikolai Fichtner (30), Redakteur FTD

Vita und Auszeichnungen: Zum ersten Mal journalistisch gearbeitet habe ich mit 18, als die Hannoversche Allgemeine Zeitung für meine Heimatgemeinde Burgwedel eine Jugendseite startete. Nach dem Abi ging es allerdings in eine ganz andere Richtung: Erst in eine Banlieu von Lyon, wo ich als Zivi eine Straßenbibliothek für Einwandererkinder betreute. Dann nach Dresden zum Studium der Internationalen Beziehungen. Auslandssemester in Chile, Praktikum bei der EU-Kommission, Wirtschaftsrechts-Master in England. Den Journalismus entdeckte ich erst 2004 durch ein Praktikum bei der taz wieder. 2005 hatte ich das Glück, an der Deutschen Journalistenschule in München angenommen zu werden. Nebenbei arbeitete ich für den Lokalteil der Süddeutschen Zeitung. Meinen ersten Job bekam ich 2007 bei der taz, für die ich über Klima- und Weltwirtschaftspolitik schrieb. Seit Anfang 2008 bin ich Redakteur bei der Financial Times Deutschland, im Inlandsteil.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz bin ich auf die Berichterstattung vom G8-Gipfel in Heiligendamm und den Gegenprotesten 2007, weil ich dort einer der journalistischen Grundaufgaben nachgehen durfte: Ohne Agenturen oder Spin-Doktoren einfach das aufschreiben, was ich selbst gesehen und überprüft habe. Gelungen fand ich auch die Rekonstruktion der langen Rivalität zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Egal ob auf Papier oder nicht: Schreiben, und das möglichst unterhaltsam und erhellend.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Ulrich Brenner (DJS-Schulleiter), Andreas Theyssen (FTD-Politikchef), Wolf Schmidt (taz), Carolin Pirich (Freie Journalistin)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil es ein Privileg ist, jeden Tag zu fragen und zu lernen, hinter Kulissen zu schauen und dann davon zu erzählen.

Kontakt: nikolaifichtner@yahoo.com

Pierre-Christian Fink (22), Student

Vita und Auszeichnungen: Erst 22 und schon zwölf Jahre Berufserfahrung: Seinen ersten Artikel schrieb er mit zehn Jahren für die Schülerzeitung, später bei der „Oberhessischen Zeitung“ als freier Mitarbeiter. Pierre-Christian Fink studiert in Tübingen VWL, ging für ein Semester an die amerikanischen Elite-Uni Yale, und wird von der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Heute arbeitet er frei für dpa, die FTD und „Spiegel Online“.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz auf seine erste Geschichte für die dpa-Kindernachrichten – gar nicht einfach, für Kinder zu schreiben. Aber eine gute Schule der Verständlichkeit.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Verständlich, korrekt und kritisch über Wirtschaft berichten – bei dem alten oder neuen Medium, das in zehn Jahren die beste Plattform für solchen Journalismus bietet.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Roland Heinrich („Oberhessische Zeitung“)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Wenig originell, aber ehrlich: weil es Spaß macht.

Kontakt: pierrefink@web.de ; www.indian-summer-2008.blogspot.com

Johannes Gernert (29), Freier Journalist

Vita und Auszeichnungen: Er fing an mit 14, bei der „Main Post“ in Ochsenfurt, Jahreshauptversammlung der Jäger, Schützenhaus. Erkenntnis: nicht alle W-Fragen in den ersten Halbsatz. Während des Publizistik-Studiums in Berlin und Coleraine in Nordirland folgten Praktika beim Bayerischen Rundfunk, FAZ, Berliner Zeitung, Tagesspiegel und taz. Die Deutsche Journalistenschule nahm ihn kurz vor Studienende auf. Danach noch einmal Praktika: Frankfurter Rundschau und Inforadio vom rbb. Dann: Reporter bei der taz, vertretungsweise. Seit 2007 schreibt er für diverse Zeitungen und Online-Magazine wie stern.de und Spiegel Online, produziert Nachrichten bei der Netzeitung, ist Pauschalist bei der sonntaz, war Kolumnist bei dnews.de und wird im kommenden Jahr sein erstes Buch veröffentlichen: „Generation Porno“ – ein Vermittlungsversuch zwischen verstörten Offline-Eltern und Online-Kindern.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? „Der Adler und die Hühner“, Porträt eines Krisengewinners, taz – die tageszeitung, 15. April 2009.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Irgendwo da draußen, reportierend.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Georg Löwisch, Anja Maier (beide taz), Peter Riesbeck (Berliner Zeitung)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil es unglaublich viel Spaß macht.

Kontakt: text@jagern.de; www.jagern.de

Andre Görke (29), Redakteur Tagesspiegel

Vita und Auszeichnungen: Vom Fanzine-Macher (Auflage: 20) zum empörten Leserbriefschreiber (Anzahl: 1). Weil der betreffende Tagesspiegel-Redakteur diesen Brief las und überraschend anrief („Lust, es besser zu machen?“), bin ich 1998 beim Tagesspiegel gelandet. Klassisch hochgearbeitet: Vom Kiezfußball über Hertha BSC hin zur WM 2006; zudem Jugendseite und Projekte fürs Netz entwickelt und nebenher Geografie im Studium zu schätzen gewusst. Kurzum: Freier, Pauschalist, Volontär, Redakteur – und heute im Blattplaner-Team Berlin. Letzteres ist die schönste Auszeichnung.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Einige. Fast vier Wochen Arbeit steckten hingegen in dieser: Eine Geschichte über die 32 Dörfer, in denen die WM-Mannschaften wohnten – angelegt als Quartett auf zwei großen Tagesspiegel-Seiten. Landsleute im Ort? Teuerstes Hotelzimmer? Küchenempfehlung? Anzahl der Playstation? (etc) Tausend Telefonate, tausend Nachfragen, tausend Daten. Am Ende gab’s einen European Newspaper Award und den Anruf einer Mutter. Sie hatte das WM-Quartett ausgeschnitten und mit ihrem Sohn Karten gespielt. Das fand ich schön.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ich mag diesen Job und auch die Verantwortung, aber für zehn Jahre will ich mich nun wirklich nicht festlegen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Markus Hesselmann. Früher beim Tagesspiegel Berlin- und Sportchef, England-Korrespondent, heute Chefredakteur bei tagesspiegel.de. Energisch, schnell und immer fair. Einer, der Leserbriefe ernst nimmt – siehe oben.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Aus Neugier. Spaß. Und Freude am Gestalten.

Kontakt: andre.goerke@tagesspiegel.de

Rebecca Gudisch (30), Autorin WDR-Fernsehen

Vita und Auszeichnungen:Rebecca Gudisch studierte in Dortmund Journalistik, Politik und
Foto-Design. Ihr Volontariat absolvierte sie im Jahr 2001/2002 beim
Westdeutschen Rundfunk. Seitdem arbeitet sie als freie Journalistin
für verschiedene Redaktionen des WDR und der ARD, wie z.B. die story,
ARD Exclusiv, Plusminus, Hier&Heute, Planet Schule. In den Jahren 2007
und 2008 haben ihre Recherchen sie vor allem nach Indien geführt.
Filme (auszugsweise):
– Leiharbeiter (Plusminus 2002)
– Arbeiten im Ausland (ARD/Plusminus 2003)
– Bauarbeiter in Frankreich (ARD/Plusminus 2004)
– Kinder in der Sklaverei (ARD/Plusminus 2007)
– Grabsteine aus Indien (WDR/Markt 2008)
– Kindersklaven (ARD exclusiv 2008, WDR/die story 2008)
– Tempelhaare aus Indien (Hier&Heute/WDR 2008)
– Der Nahostkonfilkt (Planet Schule 2009)
– Wenn das Herz nicht mitspielt – Herztransplantationen bei Kindern
(Hier&Heute/WDR 2009)
Auszeichnungen:
– nominiert für den Deutschen Fernsehpreis 2008
– Marler Menschenrechtsfilmpreis (Amnesty International) 2009
– Deutscher Menschenrechtsfilmpreis, Sonderkategorie Bildungsfilm 2008
– TV3 International Award Barcelona, Spanien
– New York Film Festival 2009 (Silbermedaille,) USA
– Axel-Springer-Preis für junge Journalisten 2009
– nominiert für das Monte-Carlo Television festival 2009, Monaco
– Ilaria Alpi Prize, Italy
– nominiert für den 2009 International Emmy Award, New York

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Auf meinen ersten langen Film „Kindersklaven“ in der 45-min-Version für „die story“ und in der 30-min-Version für „ARD exclusiv“ bin ich schon stolz, einfach weil mein Kameramann und Co-Autor Tilo Gummel und ich trotz der vielen Rückschläge bei der Recherche und während des Drehens nicht aufgegeben haben. Dass dieser Film aber so viele Preise gewinnen würde, hätte ich im Traum niemals erwartet.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Freie Journalistin zu sein war schon immer mein Traumjob, das habe ich sogar schon in der Grundschule herumerzählt, obwohl ich da noch gar nicht so genau wusste, was eine Journalistin eigentlich macht. Die einzig denkbare Alternative für mich wäre Rangerin in einem Nationalpark. Ich hoffe, in zehn Jahren richtig gut im Geschäft zu sein und auf eine ganze Reihe toller Filme – vor allem im Ausland – zurückschauen zu können, die vielleicht auch etwas bewegt haben. Und ich möchte auf viele spannende Reisen zurückschauen können: Anfang November starte ich meine erste richtige Weltreise für ein Jahr. Daumen drücken, dass das alles klappt!

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Ich hatte Glück und beim WDR viele Redakteure und Redakteurinnen, die mir als junger Autorin etwas zugetraut haben und einfach gesagt haben: Mach mal, wir glauben an Dich. Das sind vor allem der Redaktionsleiter der „story“, Mathias Werth, und der „Plusminus“-Redakteur Klaus Schmidt gewesen.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Ganz einfach: Weil es unglaublich spannend sein kann und im Idealfall etwas bewegen kann! In welchem Job kann man schon heute in einer riesigen deutschen Müllverbrennungsanlange sein, und nächste Woche in einem abgelegenen indischen Dorf? Ich mag Menschen und die Geschichten, die sie zu erzählen haben.

Kontakt: rebecca.gudisch@gmx.de

Oliver Havlat (30), Chef Online Media Nord GmbH

Vita und Auszeichnungen: Ein Rheinländer mit der Sehnsucht nach dem Meer: Geboren 1978 in Köln, Abitur in Ratingen bei Düsseldorf 1998, Gründung des Online-Feuilletons „wortgestoeber.de“, Ausbau der Redaktion auf 35 Personen bundesweit. Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte und des Öffentlichen Rechts in Bonn bis 2006, Beginn eines PR-Volontariats in einer kleinen Agentur im selben Jahr, Abbruch des Volontariates 2007, Volontariat beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) ab Frühjahr 2007. 2008: Beendigung des Volontariates, Geschäftsführung der neu gegründeten online media nord gmbh, Flensburg, und Ressortleitung Online des sh:z. Leitung der Redaktion des regionalen Nachrichtenportals „shz.de“, sowie des Zeitgeschichtsportals „ge-zeiten.de“. Hobbys: Nahezu alle Arten von Wassersport – Segeln, Kajak fahren, Tauchen…

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Weniger auf eine Geschichte bin ich stolz als vielmehr auf ein Portal: wortgestoeber.de, ein Netzfeuilleton, das wir 2001 zu zweit gegründet haben und dessen Redaktion binnen weniger Jahre auf 35 ehrenamtlich arbeitende und quer durch die Republik verstreute Mitarbeiter angewachsen ist. Das Magazin hat Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Regionen zusammengeführt, hat mehrere Zehntausend Leser erreicht – und den maßgeblich Beteiligten letztlich viel Erfahrung vermittelt.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Die Branche wird sich sehr dynamisch entwickeln: Die Zukunft von gedruckten Zeitungen, so wie wir sie kennen, steht auf dem Spiel. Die Entwicklung des Onlinejournalismus geht, gelinde gesagt, geschwind voran – aber in welche Richtung, das weiß noch niemand. Ich bin gerne da aktiv, wo Neues entsteht, wo experimentiert wird und Ideen geboren werden. Im Augenblick ist das Online, aber vielleicht muss innerhalb der nächsten zehn Jahre das Medium Print neu erfunden werden? Da wäre ich gerne dabei.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Das Handwerk gelernt habe ich in der Kleinstadt: bei der „Rheinischen Post“, Lokalredaktion Ratingen. Und ohne den damaligen Redaktionsleiter Peter Hardt und seinen Stellvertreter Ulli Tückmantel wäre ich vielleicht jetzt nicht dort, wo ich bin. In Flensburg hat mir Stephan Richter, der Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, eine große Chance eröffnet. Diesen Menschen bin ich dankbar.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Na, weil ich gar nicht wüsste, was ich lieber täte. In der Grundschule habe ich die erste Klassenzeitung mit Filzstiften selbst gemalt, weil ich allen mitteilen wollte, was passiert. Das hat sich bis heute erhalten: Erklären, was passiert und warum – und welche Bedeutung es für uns hat. Das lässt sich auf alle Bereiche anwenden: auf Politik, auf Kultur, auf Wirtschaft. Neugier ist die Triebfeder, Journalismus ist das Mittel.

Kontakt: oliver.havlat@googlemail.com, www.oliverhavlat.de

Jan Hollitzer (29), Redakteur Thüringer Allgemeine Online

Vita und Auszeichnungen: Abitur 1998 Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Spezialschule für Sport (Erfurt), Kommunikationswissenschaft und Linguistik, ab 2003 Pauschalist Sportressort Thüringer Allgemeine, Studium April 2006 bis April 2008 Volontariat bei der „Thüringer Allgemeine“ und Journalistenschule Ruhr, anschließend Redakteur, verantwortlich für crossmediales Projekt „Wilhelm ermittelt“ (erste Internetkrimiserie mit Lesern als Schauspielern in Deutschland), seit April 2009 verantwortlicher Redakteur für den Online-Auftritt der „Thüringer Allgemeinen“.
Auszeichnungen: European Newspaper Award für die „Thüringer Allgemeine“ in der Kategorie „Innovation“ mit der Internetkrimiserie „Wilhelm ermittelt“.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Umsetzung des Projektes „Wilhelm ermittelt“ mit Planung, Castings, Pflege der
Internetseite, Dreharbeiten und Berichterstattung mit Sonderbeilage. Dopingberichterstattung im Radsport, besonders Interview mit Profi Sebastian Lang („Ich bin sauber“, Juli 2006) und Milram-Arzt Marc Schmidt („Ich habe nichts verabreicht“, Mai 2009). Reportage über Jugendliche in Israel „Leben mit der Gefahr“ (Dezember 2006)

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Mein Job ist großartig und erfüllt mich. Und darüber hinaus müssen Träume ausgestaltet werden. Ansonsten sind sie blass und farblos. In zehn Jahren, wenn die Medienkrise hoffentlich Geschichte ist, möchte ich an der Spitze eines innovativen, gut funktionierenden und kreativen Teams stehen. Wenn es gelingt als geachteter Vorgesetzter und sympathischer Kollege zugleich.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Antje-Maria Lochthofen (stellvertr. Chefred. Thüringer Allgemeine), Dirk Löhr (stellvertr. Chefredakteur Thüringer Allgemeine), Gerald Müller (Ressortchef Sport Thüringer Allgemeine)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Journalismus ist mit seinem Facettenreichtum an Themen und der Vielgestaltigkeit der Akteure der interessanteste Beruf der Welt. Das pralle Leben. Gerade verändern sich die Medien durch die Einflüsse des Internets und neuer Technologien. Diesen Wandel mitzugestalten und den richtigen Kurs zu finden, ist die größte Herausforderung. Dabei dürfen alte Rezeptionsgewohnheiten nicht ausgeklammert, muss die lokale Verankerung der Leser berücksichtigt, sollen aber zugleich neue, junge Zielgruppen erreicht werden. So schwierig die Situation ist, so spannend ist sie auch. In kaum einem Bereich ändert sich derzeit so viel wie im Journalismus. Die Antwort ist also eigentlich recht einfach: Weil es Spaß macht.

Kontakt: j.hollitzer@thueringer-allgemeine.de; Twitter: taonline

Tim Klimeš (23), Redakteur on3-suedwild

Vita und Auszeichnungen: 2003 Praktikum beim „Tagesspiegel“, 2006 Ausbildung zum Redakteur an der Deutschen Journalistenschule München (Kompaktklasse), Stipendiat der „Stiftung der Süddeutschen Zeitung“, danach Praktika u.a. bei „Frankfurter Rundschau“ und Bayerischer Rundfunk, seit August 2008Onlineredakteur bei der AVE Fernsehproduktion, Redaktion on3-südwild (im Auftrag des „Bayerischen Rundfunks“), parallel dazu freier Autor des „Tagesspiegel“ und Fernstudium der Politikwissenschaft.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Recherchen zu manipulierbaren Wahlcomputern in Deutschland (erschienen in: „Spiegel“, „Frankfurter Rundschau“).Spannende und lehrreiche Zeit.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? In zehn Jahren bin ich der überbezahlte Online-Chef eines deutschen Nachrichtenangebots. Zeitungen gibt’s dann ja nicht mehr.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Lorenz Maroldt, Chefredakteur des „Tagesspiegel“, der mich mit 17 Jahren und ohne Erfahrung als Praktikant in seine Redaktion holte. Joachim Huber, Medienchef des „Tagesspiegel“, der mich einige Jahre später immer genau die Geschichte machen ließ, die ich mir selbst nicht zutraute – und Ulrich Brenner, Leiter der Deutschen Journalistenschule, der mir zeigte, wie man sich in der Branche vernünftig bewegt.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Gibt’s was Besseres?

Kontakt: klimes.tim@gmail.com, www.medienstrip.de, Twitter: TimKlimes

Chris Köver (30), Chefredakteurin Missy Magazin

Vita und Auszeichnungen: 1999 bis 2005 Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg, 2000/01 Auslandsjahr und Studium der Cultural Studies an der York University Toronto. 2005 erstes journalistisches Praktikum bei der Zeitschrift de:bug, dem Magazin für elektronische Lebensaspekte. 2006 Pauschalistin bei Zeit Online, zuständig für das Netzmagazin Zuender. 2006 bis 2008  Volontariat in der Redaktion von Zeit Online, Im Febraur 2008 mit Missy Gewinnerin des Kreativwettbewerbes Hobnox Evolution Contest, dotiert mit 25.000 Euro. Seit Juli 2008 Co-Herausgeberin und -Chefredakteurin von Missy Magazine; freie Journalistin für Die Zeit, Zeit Campus, Neon, anschläge

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Meine allererste Reportage, die ich damals für die Aufnahmeprüfung an der Henri-Nannen-Schule schrieb – über eine junge, allein erziehende Mutter aus dem Hamburger Schanzenviertel, die in keines der kursierenden Vorurteile passte. Die gefällt mir bis heute ziemlich gut. Meine erste größere Geschichte für das Wirtschaftsressort der ZEIT, für die ich damals eine Immobilienmogulin in der virtuellen Online-Welt Second Life traf und porträtierte. Da freue ich mich besonders darüber, dass ich es überhaupt geschafft habe, das Thema unterzubringen, denn die Zeit hat Internet- und Digital-Themen gegenüber eine eher skeptisch-reservierte Haltung.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Mein Traumjob ist derjenige, den ich derzeit ausübe – Co-Chefredakteurin von Missy – nur mit einer etwas angemesseneren Bezahlung. Wenn ich in zehn Jahren auf zehn Jahre Arbeit an Missy zurückblicken könnte, würde mich das sehr zufrieden machen. Idealerweise sind wir bis dahin zu einem internationalen Medienimperium mit mehreren Hundert MitarbeiterInnen, diversen Line-Extensions und Dependancen auf der ganzen Welt angewachsen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Gero von Randow, der mir damals als Chefredakteur von Zeit Online die Möglichkeit gab, dort zu volontieren. Götz Hamann aus dem Zeit-Wirtschaftsressort, der mich als junge Redakteurin sehr unterstützt und als Autorin ins Blatt geholt hat. Florian Illies, den ich in der Redaktion des Zeit Magazins kennen gelernt habe. Er hatte aus seiner Zeit bei Monopol selbst Erfahrung mit einer unabhängigen Magazingründung und hat uns bei der Entwicklung von Missy mit seinem Rat sehr weitergeholfen. Cathy Boom, Chefredakteurin von Style and the Family Tunes, die sich als Jurymitglied des Hobnox Preises für uns stark gemacht und uns auch danach beraten hat. Und immer wieder die KollegInnen aus der Redaktion der de:bug.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Sonja Eismann, Stefanie Lohaus und ich haben Missy gegründet, weil wir eine derartige Zeitschrift – ein Popkulturmagazin mit feministischem Hintergrund, das mit einem Augenzwinkern über MusikerInnen, Künstlerinnen, Mode, Sex, DIY und feministische Geschichte berichtet – in der deutschen Zeitschriftenlandschaft vermisst haben. In den USA gibt es mehrere solcher Magazine. Da sich aber in Deutschland scheinbar sonst niemand fand, der es machen wollte, taten wir es schließlich selbst.

Kontakt: chris@missy-mag.de; www.missy-magazine.de, Twitter: Missy_Magazine

Christian Limpert (29), Freier TV-Journalist

Vita und Auszeichnungen: 2001 Abitur, Praktika und freie Mitarbeit bei der Neuen Presse Coburg und im Studio Franken des Bayerischen Rundfunks; 2002 – 2005 Studium der Theater und Medienwissenschaft (Bachelor of Arts) an der Universität Bayreuth (dort ein regionales Campus TV aufgebaut, geleitet und moderiert – das Projekt läuft noch immer, wird monatlich in einem regionalen Privatsender ausgestrahlt); 2006 – 2007 Deutsche Journalistenschule / Aufbaustudiengang Kommunikationswissenschaft (Dipl.postgrad); seit Mai 2007 Reporter und Autor bei der Abendschau, BR Fernsehen; außerdem: seit Herbst 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Medienwissenschaft an der Uni Bayreuth und seit Juni 2009 Dozent an der Deutschen Journalistenschule.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Mein Film „Deutschlandreise“ zum 60. Geburtstag der Deutschen Journalistenschule – weil ich Kameramann, -assistent, Redakteur, Reporter, Cutter und Musikberater in einem war und es keiner gemerkt hat.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ziemlich gut wäre: Nachfolger von Claus Kleber im Heute-Journal. Zufrieden bin ich aber schon, wenn ich in zehn Jahren noch immer so viel Neues ausprobieren kann, darf und will wie jetzt.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Prof. Dr. Jürgen E. Müller (Medienwissenschaft Uni Bayreuth); Matthias Keller-May (Leiter Redaktion Landesberichte, BR Fernsehen), Herbert Stiglmaier (Redaktion Freizeit, BR Fernsehen)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil ich Menschen und ihre Geschichten mag.

Kontakt: Christian.Limpert@brnet.de; www.djs44b.de

Mareike Ludwig (29), Redakteurin Playboy

Vita und Auszeichnungen: Nach dem Magister-Studium (Hauptfach Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Nebenfächer Psychologie und Soziologie) absolvierte ich ein Burda-Volontariat mit Stammredaktion beim Playboy und Stationen bei Bunte und im SZ-Panorama. Seit Ende der Ausbildung im Herbst 2007 arbeite ich als Redakteurin beim Playboy. Dort bin ich für die Bereiche Lebensart, Lust und Film zuständig.
2006 habe ich mit einem Text über Knödel den Südtiroler Förderpreis für junge Journalisten gewonnen.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz bin ich auf Geschichten, bei denen ich Themen auf ganz eigene Weise anpacke und dann anhand von Reaktionen merke, dass sich davon offensichtlich viele Leute angesprochen fühlen – egal, ob es dabei um G-Punkt-Tuning, das traurige Schicksal des Hitlerkäfers oder John Waynes Sex-Appeal geht.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Das scheint mir im Moment irgendwie nicht die richtige Zeit für 10-Jahres-Pläne zu sein…

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Mario Vigl (ADAC Motorwelt), Stefan Schmortte, Christian Thiele (beide Playboy)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil mir nichts anderes einfällt, an dem ich dauerhaft so viel Spaß hätte.

Kontakt: ludwig.mareike@web.de

Charlotte Potts (23), Producerin ZDF Washington

Vita und Auszeichnungen: Charlotte Potts studierte Geschichte in Freiburg und nahm parallel an der journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung teil. Sie legte einen Aufenthalt an der American University in Washington D.C. ebenso ein wie Praktika bei der Deutschen Welle, dem ZDF, bei „Vanity Fair“ und dem englischen Service von Al Jazeera. Seit Juli organisiert Potts als Producerin im ZDF-Studio Washington die Drehs der Korrespondenten und arbeitet der Zentrale in Mainz zu.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz auf die US-Vorwahlkampfberichterstattung auf heute.de und auf ein Feature über die Forderung von US-Studenten, Waffen auf dem Campus zu legalisieren, um sich im Falle eines Amoklaufs verteidigen zu können.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? In zehn Jahren wäre ich gerne im ZDF Reporterpool.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Matthias Fornoff (ZDF Studioleiter Washington)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Ich liebe es, skurrile Geschichten zu finden und zu erzählen. Mit dieser Leidenschaft bin ich in den USA genau richtig.

Kontakt: charlotte.potts@googlemail.com

Karin Prummer (26), Volontärin Süddeutsche Zeitung

Vita und Auszeichnungen: Geboren in Mainburg, Niederbayern. Abitur in Mainburg, Studium der Journalistik mit Schwerpunkt Wirtschaft in Eichstätt und Salamanca/Spanien. Praktika und freie Mitarbeiten bei: regionaler Zeitung und Radiosender, BMW Group Presseabteilung München, Bayerischer Rundfunk München, N24 Auslandsstudio Washington DC, Financial Times Deutschland Hamburg. Seit April 2009 Volontärin der Süddeutschen Zeitung.
Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Hanns-Seidel-Stiftung (Journalistisches Förderprogramm), Medienpreis des Bundesforums Familie für Nachwuchsjournalisten (2008), Deutscher Preisträger des Journalist Award 2008 der Europäischen Union („For Diversity. Against Discrimination“)
(Preise jeweils zusammen mit Dominik Stawski für die unten genannte Geschichte)

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Aus meiner Diplom-Praxisarbeit, die ich zusammen mit Dominik Stawski an der Katholischen Universität Eichstätt geschrieben habe, wurde eine Geschichte im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die ursprüngliche Arbeit war ein Report über Transsexuelle in Deutschland mit vielen Fallbeispielen und Fakten. Diese haben wir dem SZ Magazin angeboten. Die Redaktion hat einen Fall daraus ausgewählt, die Geschichte eines transsexuellen 11-jährigen Mädchens, das im Jungenkörper geboren wurde. Das Portrait dieses Mädchens und ihrer Familie erschien schließlich im August 2008.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Reportagen, Portraits und Features schreibe ich am liebsten, deshalb würde ich gerne im erzählenden Journalismus noch dazulernen. In zehn Jahren hoffe ich, eine Stelle ergattert zu haben, bei einem Medium das Wert legt auf gründliche Recherche, klare Sprache und menschliche Geschichten.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Kathrin Krauß, Schreib-Lehrerin an der Katholischen Universität Eichstätt; Jan Heidtmann, SZ Magazin; Detlef Esslinger, Süddeutsche Zeitung; Antonia Götsch und Marion Schmidt, Financial Times Deutschland

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Die Sinnfrage  Was mir so Spaß macht am Journalismus ist es Menschen zu treffen, zu bemerken, wie vielfältig ihre Interessen, ihre Arbeit und ihr Leben sind. Ich will den Lesern ihre Geschichten erzählen und Probleme offen ansprechen.

Jens Radü (29), Redakteur „Spiegel Online“

Vita und Ihre Auszeichnungen: Kind des Ruhrgebiets, studierte in Dortmund und Kaunas/Litauen Journalistik und Politikwissenschaften. Seit 1998 freie Mitarbeit für verschiedene Zeitungen und Rundfunkstationen, Volontariat und Redakteursvertretung beim Westdeutschen Rundfunk in Köln. Baute im Februar 2006 bei SPIEGEL ONLINE das Multimedia-Ressort auf, wo ich bis heute arbeite, als Videoreporter mit der Kamera unterwegs bin, Multimedia-Specials produziere oder Video-Formate wie den wöchentlichen Videoblog „Matussek“ entwickle, der 2008 mit dem „Goldenen Prometheus“ ausgezeichnet wurde.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Das Netz kann alles: Text, Foto, Video, Grafik und ist dabei noch interaktiv. Deshalb bin ich besonders stolz darauf, wenn ich es schaffe, Geschichten erlebbar statt bloß lesbar zu machen: wie bei meiner Multimedia-Reportage über einen Parabelflug. Wie bei der virtuellen Video-Tour durch Guantanamo. Wie beim multimedialen Special mit Videos, Grafiken und Bilderstrecken zur Rekordschmelze in der Arktis.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Meinen Traumjob habe ich gefunden: Ob Kultur oder Netzwelt, Wirtschaft oder Wissenschaft – ich arbeite für jedes Ressort im SPIEGEL-ONLINE-Universum und jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Doch noch immer bleiben viele Ideen bloße Pläne und Pläne Visionen. Damit das in zehn Jahren anders aussieht, will ich Multimedia auf SPIEGEL ONLINE auch weiterhin gestalten – gerne mit einem größeren Team. Denn nirgendwo sonst lässt sich so schnell so viel entwickeln, ausprobieren und lernen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Ohne Mathias Müller von Blumencrons Begeisterungsfähigkeit für multimedialen Online-Journalismus säße ich nicht an meinem Schreibtisch und ohne das großartige Team von Spiegel Online wäre der Job nicht machbar. Geprägt hat mich zuvor das Studium in Dortmund, allem voran die Jahre in der Online-Redaktion bei Roland Schröder.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Neugier. Die Leidenschaft, Geschichten zu erzählen. Die Lust, auszuprobieren. Und schließlich: Zum Rockstar hat es nicht gereicht.

Kontakt: Jens_Radue@spiegel.de; ansonsten nur private Adressen „- ein Kollege sagte mal: „Warum soll ich einen Blog haben? Wenn ich etwas interessant finde, schreibe ich einfach einen Artikel darüber.“ Eben.“

Luise Sammann (24), Freie (DLF)

Vita und Auszeichnungen: Mit 15, bei einem Marokkobesuch, wurde sie süchtig nach Geschichten, Bildern und Tönen aus dem arabisch-islamischen Raum – und ist es bis heute. Recherchereisen, Praktika und Aufenthalte in Ägypten, Syrien, Jordanien, Libanon, Iran, Israel/Palästina folgten und auch das Publizistikstudium in Berlin musste leiden: Zwei Urlaubssemester nutzte sie, um in Damaskus Arabisch zu lernen und von dort frei für Radio und Print zu berichten. Nach der Entscheidung gegen ein Volo in Berlin arbeitet sie seit Juni 2009 als freie Korrespondentin von Istanbul aus vor allem für die Reportageredaktion von DLR Kultur – überquert täglich die Brücke zwischen Europa und Asien.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? „Die Deutschländer – Heimatsuche in der Türkei “, 25-Minuten-Reportage über Deutschtürken, die versuchen in die Türkei zurückzukehren (DLR Kultur)

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Längst gefunden: frei sein und frei arbeiten. Geschichten erzählen aus Regionen, über die wir ständig reden ohne sie zu kennen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Peter Marx, Carsten Burtke (beide Deutschlandradio Kultur)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Aus Egoismus: Weil ich mir keinen aufregenderen, kreativeren und abwechslungsreicheren Job vorstellen kann, weil ich gerne Geschichten entdecke und erzähle. Aber auch, weil ich täglich merke, wie wenig wir in Deutschland über den Alltag der meisten islamisch geprägten Länder wissen. (Als ich nach Syrien gegangen bin, dachte kaum jemand, dass ich lebendig zurückkomme. Nun, in der Türkei, bekomme ich Emails aus Deutschland, in denen ich gefragt werde, ob ich hier eine Burka tragen muss!).

Kontakt: luisesammann@aol.de, www.luise-sammann.de

Katrin Schmiedekampf (28), Redakteurin Brigitte

Vita und Auszeichnungen: Ich habe in Bremen Jura studiert und war nebenbei freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung „Weser Kurier“. Nach dem Examen hatte ich das Glück, einen Platz an der Henri-Nannen-Schule zu bekommen. Während der Ausbildung habe ich Praktika bei der Hamburger Morgenpost, bei der Brigitte Young Miss, beim Stern und beim Spiegel gemacht – und direkt im Anschluss ein Jahr bei Spiegel Online gearbeitet. Seit April 2008 bin ich Brigitte-Redakteurin. Ich betreue im Ressort „Zeitgeschehen“ Dossiers, überlege mir Themen, redigiere Texte, führe Interviews und schreibe Geschichten.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Ich habe in diesem Jahr für die Brigitte eine Reportage über eine Wissenschaftlerin geschrieben, die in der Schwerelosigkeit forscht. Was treibt sie dazu, kopfüber Versuche mit Pflanzenwurzeln zu machen? Um das herauszufinden bin ich mit ihr an Bord des Forschungsflugzeugs gegangen, habe 31 schwerelose Momente erlebt und später aufgeschrieben.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ich möchte mir Themen überlegen, Konzepte schreiben und Texte redigieren. Ich möchte Menschen erleben und Reportagen schreiben. Ich möchte Interviews führen, Dossiers und Psychologie-Themen betreuen. Also all das tun, was ich hier bei der BRIGITTE zurzeit mache. Mein Traum war immer, Gerichtsreporterin zu werden – daher finde es großartig, dass ich auch große Prozesse verfolgen darf. Zuletzt war ich in Hamburg beim so genannten Morsal-Prozess und habe für BRIGITTE.de eine Reportage über das Ehrenmord-Urteil geschrieben.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Monika Felsing vom Weser Kurier, Ingrid Kolb, ehemalige Leiterin der Journalistenschule und Christine Hohwieler von der Brigitte.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Keine Antwort.

Kontakt: schmiedekampf.katrin@brigitte.de, Twitter: Nanonasi

Eva Schulz (19), Redakteurin Jetzt.de

Vita und Auszeichnungen: Allein im „Spiegel“-Schülerzeitungswettbewerb wurde Eva Schulz gleich in drei Kategorien ausgezeichnet: für ein Interview, ein Foto und die beste Website – und Schulz heimste noch diverse andere Preise ein, insgesamt zwölf. Ihr Blatt war bis zuletzt die „Marie“ (meinemarie.org), doch schon parallel zur Schul- und Schülerzeitungsarbeit schrieb sie für „Spiegel Online“, Jetzt.de, den „Zeit Zünder“ und sammelte in Praktika bei „Handelsblatt“ und der TV-Firma Probono Erfahrung. Noch vor ihrem Studienbeginn Anfang 2010 der Kommunikation und des Kulturmanagements in Friedrichshafen wird sie vier Monate lang als Redakteurin bei jetzt.de arbeiten.
2004 1. Preis „LebensSinn“ der Villa Volunteer
2004 1. Preis „teen taz“ der Tageszeitung
2005 3. Preis „Go! to school-Schülerjournalistenpreis“desInstituts der Deutschen Wirtschaft<
2005 1. Preis „Global Players“ von Comeseedo
2007 1. Preis „write + more“ der Zeitschrift life + science
2007 2. Preis „Duden Open“ des Dudenverlags
2007 1. Preis „Würde des Menschen“ von projekt.zeitung
2008 2. Preis RTL Com.mit-Award
2009 Deutscher Schuelerzeitungspreis: 1. Preis Online
2009 SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb: 1. Preis Interview, 2. Preis Foto, 2. Preis Online

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Auf mein Interview „Wir wollen keine Helden sein“, das ich mit einem Kriegsdienstverweigerer und einem künftigen Offizier für unsere Online-Schülerzeitung geführt habe, weil das Thema daraufhin in der ganzen Oberstufe diskutiert wurde und ich dafür den 1. Preis in der Kategorie Interview beim „Spiegel“-Schülerzeitungswettbewerb bekommen habe. Und auf „Lina allein Zuhaus“, eine Geschichte über ein Mädchen, das allein wohnt, seit es 16 ist, weil das 2008 meine erste große gedruckte Geschichte in der Süddeutschen Zeitung war.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ich weiß, dass ich dann schreiben will, aber was und wo und wofür, das muss ich erst noch herausfinden. Vielleicht schon während meiner nächsten Monate in der Redaktion von jetzt.de, vielleicht aber auch erst während meines Studiums und der Ausbildung an einer Journalistenschule, die ich gern im Anschluss daran absolvieren würde.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Peter Wagner und Dirk von Gehlen (Jetzt.de)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Ich mag es, wenn Menschen mir von ihrem Leben und ihren Leidenschaften erzählen und ich das nachher aufschreiben kann. Ich lerne gern neue Dinge und reise viel, außerdem bin ich neugierig und blicke gern hinter Kulissen. Das alles lässt sich in diesem Beruf einfach wunderbar verbinden, zumal man ständig Leute trifft und Orte sieht, zu denen man sonst gar keinen Zugang hätte. Außerdem interessiere ich mich für die Medien und ihre Konzepte im Allgemeinen. So faszinieren mich zum Beispiel die Möglichkeiten des Online-Journalismus sehr und ich freue mich darauf, sie mit zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Kontakt: post@hurra-blog.de, www.hurra-blog.de, Twitter: evaschulz

Karl Sippel (28), Redakteur ZDF

Vita und Auszeichnungen: Grundschule in Frankfurt am Main, Abitur am Lessing-Gymnasium Frankfurt, Magister Artium Universität Tübingen (Geschichte, Politik, Philosophie, Archäologie),  Hospitanz beim ZDF, Freier Mitarbeiter in der HR Außenpolitik, Trainee in der HR Außenpolitik, jetzt HZV in der HR Außenpolitik. (angehängt mein Lebenslauf)

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Im Bereich Fernsehen die Reportage „Ferien auf der Schiene“ (ZDF, 31. August 2008, 18:30 Uhr) über Jugendliche, die mit Interrail-Ticket durch Europa fahren. Ein Kollege und ich haben diese  Reportage mit kleinen Kameras gedreht, also als VJs. Wir hatten keine Protagonisten gecastet. Was nicht heißt, dass wir nicht gut vorbeitet waren. Wir haben lediglich entschieden, vorort zu schauen, was passiert. Also der Grundgedanke der Reportage. Natürlich hat uns diese Herangehensweise viel Nerven gekostet, weil wir oft nicht wussten, wie der Film jetzt weiterlaufen könnte. Das war aber unser großer Vorteil, wir haben wirklich Interrail miterlebt, wie es eben war. Und konnten das auch den Zuschauern zeigen. Darauf bin ich wirklich stolz.
Stolz bin ich auch auf den Einsatz am sogenannten Iran-Desk des ZDF, einer kleinen Gruppe von Redakteuren aus verschiedenen Hauptredaktionen, die sich nur mit dem Thema Iran beschäftigt haben. Die Gruppe wurde gebildet, weil die unabhängige Berichterstattung aus Iran nicht mehr gewährleistet werden konnte. Nachrichten haben wir hauptsächlich über das Internet bekommen. Das besondere daran war, dass alle Nachrichtenagenturen das gleich Problem hatten. Wir haben also angefangen, Basisrecherchen anzustellen, eigene Informanten-Netzwerke aufzubauen und natürlich die Videos, die über YouTube hochgeladen wurden, zu überprüfen. Mit dem Wissen und dem Material vom Iran-Desk habe ich dann sowohl Fernsehbeiträge (auslandsjournal, heute in Europa) gemacht, wie auch Beiträge für Online (heute.de). Ich hatte wirklich das Gefühl, den Beginn eines neuen Zeitalters zu erleben. Einerseits, weil wir zum ersten Mal wirklich auf Material aus Plattformen wie Youtube angewiesen waren. Und andererseits, weil wir als „Kompetenztruppe“ sowohl Fernsehen als auch Online gleichzeitig und gleichwertig bedient haben.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Ich will auf lange Sicht viele eigene Projekte verwirklichen. Wie genau die aussehen, will ich jetzt noch gar nicht sagen. Dafür lerne ich noch zu viel Neues Tag für Tag.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Ich habe sehr viel von den erfahrenen Kollegen in meiner Redaktion gelernt. Es war ein Glücksfall, so viele „alte Hasen“ um einen herum zu haben.

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Ich bin neugierig, will die Welt verstehen und erklären können. Außerdem finde ich es toll, mit Bildern zu arbeiten. Ein Bild mit dem richtigen Textfetzen kann eine ganze Welt erklären. Es gibt keine schönere Arbeit.

Kontakt: karl@debut-de-siecle.de; www.debut-de-siecle.de

Mathias Stamm (27), Freier TV-Journalist

Vita und Auszeichnungen: Freier Autor Print und TV, Reporter bei der Deutschen Welle
Deutsche Journalistenschule München und Aufbaustudiengang „Praktischer
Journalismus“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München,
Abschlüsse: Redakteur und Diplom-Journalist postgrad. (Note: 1.5)
Studium der Psychologie (Hauptfach) und Betriebswirtschaftslehre (Nebenfach)
an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald,
Abschluss: Diplom-Psychologe (Note: 2.1)
Praktikum bei Deutsche Welle-TV, Hauptstadtstudio
Praktikum bei Der Tagesspiegel, Nachrichten- und Politikredaktion
Praktikum bei Süddeutsche Zeitung, Redaktion Wissen
Freie Mitarbeit bei Börse Online, Ressort Service
Projektleiter und Chefredakteur von FestivalTV, Projekt des Students Festival
Chefredakteur von MoritzTV, Studentenfernsehen der Uni Greifswald
Studentische Hilfskraft am Institut für Psychologie
Studentische Hilfskraft am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin
Fazit-Stiftung: Stipendium zur Förderung des journalistischen Nachwuchses

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Da gibt es sicher einige Stücke und Geschichten, die gelungen sind. Aber eine Einzelne hervor heben? Das kann ich nicht.
Ich weiß allerdings noch, dass mir ziemlich mulmig zumute war, als ich meine erste Geschichte gedruckt sah, als ich tatsächlich ein Magazin in Händen hielt, das einen Text mit meinem Namen drunter enthielt. Es war ein Service-Stück über Börsenseminare. Das Thema ist inzwischen weit von den Themen entfernt, dich ich heute bearbeite. Sehr weit. Unglaublich weit. Aber es bleibt der erste veröffentlichte Text! Gleich nach mulmig stellte sich übrigens glücklich ein!
Beim Fernsehen war es so ähnlich. Als ich zum ersten Mal in einem richtigen Schnitt saß, mit leibhaftigem Cutter, mit tatsächlichem Sendetermin und allem was man halt so hat, wenn man ein Fernseh-Stück produziert; da war ich total daneben. Für diese Arbeit kriege ich Geld? Ist doch ein viel zu großer Gaudi. Erschien mir nicht real. Ich hatte bis dahin ja nur Uni-Fernsehen gemacht. Und ich bin noch immer stolz, was wir damals allein mit unserer Begeisterung gestemmt haben. Aber dass daraus mal ein Job wird, daran habe ich sogar während der Journalistenschule gezweifelt.
Journalisten-Klimbim: Erst Nein sagen und dann einen langen Text schreiben.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Keine Ahnung. Ich glaube, Karrieren entlang redaktioneller Hierarchien sind mir egal. Ich will Geschichten machen, erzählen, drehen. Momentan bin ich als Autor glücklich. Wie lange noch? Ist ja glücklicherweise egal – zumindest heute.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Hannah Wilhelm-Fischer (SZ), Alexander Kudascheff und seine bezaubernde Parlamentsredaktion (DW TV), Johannes von Kirschbaum (Produzent), Svenja Kleinschmidt (Freie Autorin)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun?
Punkt Eins: Weil ich es liebe.
Punkt Zwei: Weil ich nicht ganz mies darin bin.
Punkt Drei: Weil ich mir keine luxuriöseres Arbeiten vorstellen kann. Ich besuche ständig Orte, an denen ich noch nie gewesen bin. Ich erlebe Situationen aus Perspektiven, die ich als Privatperson nur schwer einnehmen kann. Sei es der Blick hinter die Kulissen oder der Blick von Protagonisten, die ich als Nicht-Journalist vermutlich nie kennen gelernt hätte. Es ist mein Job, in das Leben mir fremder Menschen einzutauchen. Und diese Menschen lassen mich teil haben an ihren Gedanken, ihrer Arbeit, ihrem Leben. Ich empfinde das als Privileg und bin wieder bei Punkt Eins: Ich liebe das!

Kontakt: mathiasstammde@yahoo.de

Dominik Stawski (25), Volontär „Süddeutsche Zeitung“

Vita und Auszeichnungen: Abitur in Bergisch Gladbach, erste journalistische Erfahrungen in NRW (Kölner-Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau und Lokalradio), Journalistik-Studium in Eichstätt und Boston (Schwerpunkt Wirtschaft), Stipendiat der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, Praktika bei Spiegel (Hamburg), dpa (Washington), ARD (Washington), und WDR (Köln), seit April 2009 Volontär der SZ, Medienpreis des Bundesforums Familie, Deutscher Preisträger des Journalist Award 2008 der Europäischen Union („For Diversity. Against Discrimination“).

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Reportage im SZ Magazin über ein zehnjähriges Mädchen, das transsexuell ist und seit ihrer Geburt dafür kämpfen muss, nicht mehr ein Junge sein zu müssen (diese Geschichte wurde auch mit den beiden Preisen ausgezeichnet).

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? In einer Redaktion arbeiten, die einem die Möglichkeiten bietet, guten und spannenden Journalismus zu machen.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Katrin Krauß, Reportage-Trainerin an der Uni Eichstätt, Jan Heidtmann, Detlef Esslinger (beide SZ), Jan Friedmann (Der Spiegel), Udo Lielischkies (WDR)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil ich gerade merke, dass ich solche Fragen stellen, nicht auf sie antworten will – also wohl aus Neugier.

Greta Taubert (25), Freie

Vita und Auszeichnungen: Ausgebildet wurde Greta Taubert am Haller-Journalistikinstitut in Leipzig, suchte Aufenthalt im polnischen Wroclaw und volontierte bei der „Berliner Zeitung“. Taubert, während des Studiums von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt, schreibt heute als Freie für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, die „Zeit“ und „Spiegel Online“ vor allem aus Osteuropa. Außerdem vermittelt sie eine Agentur als freie Moderatorin.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? „Albaniens Amazonen“ gefunden zu haben. Das sind Frauen, die im patriarchalen Norden des Landes zum Mann werden mussten, um selbstbestimmt leben zu können.

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? Reporterin einer Wochenzeitung oder einer Zeitschrift. Am liebsten einer selbstkonzipierten.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? der unerschütterliche Glaube von Christian Fuchs (freier Journalist, „Top 30 bis 30“ 2008 und ihr Lebensgefährte) sowie die schützende Hand von Jochen Markett (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil Narzissmus und Idealismus mich dazu zwingen.

Kontakt: greta.taubert@gmx.de; www.schwarzbrotundgold.de sowie www.ostprobe.wordpress.com

Jakob Vicari (28), Freier Journalist

Vita und Auszeichnungen: Jakob Vicari studierte bis März 2008 Journalistik und Biologie in München und Genf. Parallel absolvierte er an der Deutschen Journalistenschule die 41. Lehrredaktion. Praktika bei der Probono Fernsehproduktion, der Süddeutschen Zeitung (Ressort Wissen), dem Magazin Zeit Wissen und dem P.M.-Magazin.
Jakob Vicari arbeitet als freier Wissenschaftsredakteur, gerade aus Hamburg. Tagsüber findet, recherchiert und schreibt er ungewöhnliche Geschichten aus Wirtschaft, Biologie und Technik für Magazine (P.M.-Magazin, Brand Eins) und Tageszeitung (Badische Zeitung, Süddeutsche Zeitung). Seine Themen reichen von der Alien-Landung bis zum Artenschutz, von Autismus bis zum Kassenzettel. Wissenschaftsjournalismus darf lustig sein, darf böse sein, darf investigativ sein! Nachts arbeitet er an einer Dissertation zum Thema »Journalistische Komposition« an der Universität München, gefördert von der Fazit-Stiftung.
Für seinen Artikel »Geheimmission Große Hufeisennase« über die seltenste Fledermaus Deutschlands erhielt er 2009 den Journalistenpreis »Der wilde Rabe«, verliehen von der Deutschen Wildtierstiftung und GEO.

Welche Geschichte ist Ihnen besonders gelungen, auf welche sind Sie besonders stolz? Stolz auf… das Porträt eines Mannes, der mit 42 Jahren entdeckt, dass er Autist ist: Allein unter Kollegen. Peter Schmidt hat studiert, eine Familie gegründet, Karriere gemacht ohne zu wissen, dass er Autist ist. Die Geschichte eines Coming-out. (brand eins 12/2008)

Was ist Ihr Traumjob, wo wollen Sie in zehn Jahren stehen? 2019 möchte ich an Bord von Orion 15 als erster Reporter auf dem Mond stehen. Wenn das nicht klappt, die beste Geschichte zur Rückkehr auf den Mond schreiben. Wenn das nicht klappt, die Orion-Affäre aufdecken und den Flug verhindern.

Welche Kollegen haben Ihnen auf dem Weg besonders geholfen, wer hat Sie besonders unterstützt? Patrick Illinger, Süddeutsche Zeitung
Thomas Vašek, P.M.-Magazin
Peter Bier, brand eins

Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun? Weil ich eine Passion für Geschichten ohne Happy End habe.

Kontakt: kontakt@jjev.de, www.jjev.de

9 Kommentare

  1. […] […]

  2. Der übliche Klüngel 😉

  3. Diese Auswahl ist nett, aber warum soll das die Creme de la Creme des Nachwuchsjournalismus sein? Wer hat die denn ausgewählt und auf welcher Grundlage eigentlich?

  4. @janko: Die Auswahl speist sich aus ganz unterschiedlichen Quellen,Recherchen und Empfehlungen. Dazu auch meine Antwort auf Daniel Fienes Anmerkung zu der Auswahl siehe tp://bit.ly/4Ex53r. Die Beschränkung auf diese Top 30 des Jahres 2009 bedeutet auch nicht, dass es nicht noch andere hochbegabte, hochenagierte Nachwuchsjournalisten gibt. Daher: Hinweise sind uns sehr willkommen!
    mfg Annette Milz

  5. @Annette Milz: Tatsächlich gibt diese Liste nicht im Entferntesten das wider, was an journalistischem Nachwuchspotential tatsächlich in Deutschland zu finden ist . Obwohl ich denen, die hier zu finden sind, gratulieren möchte, muss ich sagen: Ich kenne die Arbeit von zwei oder drei der oben angeführten Namen, und sie sticht – verglichen mit anderen gleichaltrigen Journalisten – nicht wirklich heraus…

  6. […] Neue Hoff­nungs­trä­ger für den Jour­na­lis­mus: Die Top 30 bis 30 des Jah­res 2009 30 viel­ver­spre­chende Nach­wuchs­ta­lente, die uns 2009 auf­ge­fal­len sind: Ihre Ansich­ten und Visio­nen im O-Ton als Ant­wor­ten auf die mediummagazin-Fragen von Daniel Bouhs und Daniel Kastner. […]

  7. tolle auflistung, gefällt mir.

  8. […] studiert und für zahlreiche Medien geschrieben. Das Medium Magazin zählte ihn im Jahr 2009 zu den 30 vielversprechendsten deutschen Nachwuchsjournalisten. Der Axel-Springer-Preis ist mit 6.000 Euro dotiert. Herzlichen […]

  9. […] In der Welt des gedruckten Wortes fühle er sich genauso zu Hause wie im digitalen Netz, sagt Oliver Havlat über sich selbst. Was zähle, sei guter Journalismus, egal auf welchem Kanal und Medium dieser stattfinde. Seit 2012 leitet Havlat die Digitalredaktion der Rheinischen Post und ist damit verantwortlich für die Inhalte auf RP Online und in den Apps der RP. Journalismus sei sein absoluter Traumberuf, schon in der Grundschule habe er die erste Klassenzeitung mit Filzstiften selbst gemalt, „weil ich allen mitteilen wollte, was passiert“. […]

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