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Lindner & Knüwer zum Lagerdenken von Print und Online

Ein Schlagabtausch zwischen Christian Lindner, Chefredakteur der “Rhein-Zeitung” und Thomas Knüwer, “indiskretion ehrensache” : “medium magazin” hat beide um einen Kommentar  gebeten, was Zeitungsmacher und Onliner aneinander kritisieren.

Christian Lindner: “Der Stellungskrieg nervt”

Der Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“, mag nicht mehr lesen, dass nur die Netz-Geeks das Internet verstanden und die Verlage nichts begriffen haben:

CHRISTIAN LINDNER (53) ist Chefredakteur der webaffinen „Rhein-Zeitung“ in Koblenz und unter @RZChefredakteur bei Twitter bekannt.

CHRISTIAN LINDNER (53) ist Chefredakteur der webaffinen „Rhein-Zeitung“ in Koblenz und unter @RZChefredakteur bei Twitter bekannt.

“Eins vorab: Ich mag das Internet und ich lese gerne gute Texte von Autoren mit Leidenschaft. Also mag ich auch euch Blogger, Netz-Nerds, Social-Media-Geeks und Web-Evangelisten – auch und gerade als jemand, der seit über 30 Jahren Zeitung macht.

Und doch nervt ihr aus dem Netz mich immer öfter.  Weil ihr euch in einem arroganten Irrtum eingerichtet habt: Ihr im Netz alleine habt verstanden und wisst, wie es geht – das ist eure Botschaft an uns Printgeprägte. Wir in den Verlagen hingegen sind angeblich von gestern, blenden die Realität aus und haben das Internet nicht begriffen. „Totholzgemeinde“, so seht und nennt Ihr uns. Medienhäuser mit Printbasis sind für euch per se rückständig, unkreativ oder böse – mit Vorliebe aber alles zusammen.

Dermaßen konditioniert bringt ihr es fertig, die vielen spannenden Evolutionen von Verlagen in Print wie im Web zu übersehen. Mit dieser Perspektive verzerrt ihr selbst Best-Practice-Konferenzen von zupackenden Veränderern aus vielen Ländern wie den European Newspaper Congress zum „Spitzentreffen der Beharrer“.

Mit diesem Vorurteil behauptet ihr wider besseres Wissen, dass Zeitungen nur alte Nachrichten verbreiten. Und ignoriert dabei, dass auch viele regionale Medienhäuser relevante Themen setzen, Communitys bilden und in Teilen längst den Charakter täglicher Wochenzeitungen haben.

Jedes Maß verlierend geht ihr dabei auch über die nach wie vor große Bedeutung der Zeitungs-Welt hinweg: 18,2 Millionen verkaufte (!) Auflage, 332 Zeitungstitel mit 1.531 Lokalausgaben, 660 Online-Angebote, 13.516 Redakteure, 1.192 Volontäre (Zahlen aus 2012), 8,5 Milliarden Umsatz (2011) – Deutschlands Zeitungen sind in Gänze, anders als ihr behauptet, kein „Totholz“, sondern voller Leben.

Das basiert auch darauf, dass Print nach wie vor das funktionierende Geschäftsmodell ist, das ihr gerne hättet: Unsere Leser bezahlen regelmäßig und aus freien Stücken für Inhalte – millionenfach auf Kohlenstoff, stark wachsend im Digitalen in Form von E-Paper-Zeitungen, mit Achtungserfolgen für Einzeltexte bei Paywalls. Wir ertragen dabei gerne, dass ihr etwa den tausendfachen Verkauf unserer E-Paper als Beleg dafür wertet, dass die Verlage die Möglichkeiten des iPads nicht begriffen haben.

Umgekehrt staunen wir Print-Profis, wie nett ihr Netz-Nerds mit digitalen Angeboten umgeht, die nicht von Verlagen stammen. Sublokale Plattformen etwa scheinen für euch schon dann gut zu sein, wenn sie keine Verbindung zu Medienunternehmen haben. Vieles dort wertet ihr für eure Verhältnisse ungewohnt milde. Dabei wisst ihr doch auch: Es gibt egomanische Lokalblogger, die Fakten, Vermutungen und Wertungen hoch problematisch vermischen. Es gibt Lokalblogs, die örtliche Firmen als ihre „Partner“ in einer Weise belobhudeln, die jeder Zeitung Rügen des Presserates einbrächte. Es gibt eine Selbstausbeutung der Gründer und Mitarbeiter bei Lokalblogs, die system-immanent scheint. Wo aber wird das im Web mal so seziert wie etwa jede neue App des „Handelsblatt“? Eine interessante Form von Netzneutralität …

Das ist euch zu viel Pauschalierung? Stimmt. Auch mir als Zeitungsfan ist klar, dass das ungerecht verallgemeinert. Euch ärgert das? Kann ich gut nachvollziehen. Weil wir Printer genau das seit Jahren ertragen müssen – das generalisierende und schwarmhafte Bashen der klassischen Medienhäuser durch das Netz samt unserer Produkte im Analogen wie im Digitalen, inklusive der bei uns arbeitenden Menschen.

Natürlich gibt es in unseren Verlagen und Redaktionen auch BeharrerDie meisten von ihnen tun das aber nicht, um sich netzfeindlich einzubunkern. Vielmehr arbeiten sie hart für unsere real existierenden und reell zahlenden Leser. Mit ihnen zusammen wirken in unseren Unternehmen zunehmend mehr Veränderer, die neue Formen des Publizierens und weitere Geschäftsmodelle entwickeln. Viele Verlage experimentieren gedruckt und digital so viel wie noch nie, ändern ihre Produkte und Strukturen so konsequent wie nie zuvor.

Und das tun wir offener, reflektierender und selbstkritikfähiger, als – sorry – „ihr“ glaubt: Innovative Verlage entsenden gleichzeitig Spitzenkräfte zum Zeitungsdesign-Kongress in Wien und zur „re:publica“ in Berlin. Pragmatische Redaktionen kooperieren längst mit Bloggern. Unverkrampfte Medienhäuser lassen Talente volontieren, die viel im Netz, aber noch nie für Print geschrieben haben. Offene Journalisten von Print und Verlags-Sites lernen von Bloggern. Weitsichtigen Zeitungsleuten (und auch vielen Geeks!) geht der Stellungskrieg beider Milieus zunehmend auf die Nerven. Und es gibt immer mehr Chefredakteure, die fruchtbare Schnittmengen zwischen beiden Welten in puncto Content und „res publica“ sehen.

Lasst uns lieber darüber reden und daran arbeiten als übereinander hetzen und einander abgrenzen. Versucht dabei einfach nur mal, uns nicht immer wieder als gestrig und Web-unfähig zu kritisieren, nur weil wir weiter mit Print Geld verdienen wollen. Und lasst uns dann beidseitig respektieren. Oder endlich wirklich zusammenarbeiten. 

Thomas Knüwer: “Der Hass auf das Internet”

Der Blogger und Internetberater meint, dass Deutschlands Medien sich nicht in der Lebenswelt der Leser befinden. Denn das Web sei für sie der Feind:

THOMAS KNÜWER (43) ist Gründer der digitalen Strategieberatung „kpunktnull“ und Autor des Medienblogs „Indiskretion Ehrensache“.

THOMAS KNÜWER (43) ist Gründer der digitalen Strategieberatung „kpunktnull“ und
Autor des Medienblogs „Indiskretion Ehrensache“.

Die digitale Spaltung ist da. Mitten durch Medien-Deutschland verläuft sie und auf der analogen Seite sitzen – die Journalisten. Glauben Sie nicht? Tippen Sie mal, wie viele Gewinner des Henri-Nannen-Preises 2013 ein Blog haben, auf dem sie unabhängig von Redaktionsschlüssen und CvD-Vorgaben schreiben und kommunizieren? Keiner. Und auf Twitter? Bewegt sich nur Essay-Sieger Bernd Ulrich.

Damit ist die Henri-Generation 2013 ein Abbild des Medienkonzern-Alltags: Die meisten Redaktionen gerieren sich als mentale Bremser des digitalen Wandels. Abscheu und Hass ernten die wenigen, die sich für das Digitale begeistern. Das spiegelt sich in der Berichterstattung wider: Digital-Themen drehen sich vor allem um Raubkopien, nackte Jugendliche und Datenschutzverstöße.

Schwerwiegendster Auslöser der Anti-Netz-Haltung ist der Medienwandel, insbesondere das Sterben der Tageszeitung. 

Das Internet ist für viele Redakteure der Feind ihres Arbeitsplatzes, aus dem nichts Gutes erwachsen kann. Und wer immer sich dort freiwillig und noch dazu erfolgreich bewegt, ist ein Gegner. Seit Jahren beleidigen selbst scheinbar seriöse Blätter Menschen, die Texte ins Internet schreiben auf eine Art, wie sie es nie bei einer anderen Bevölkerungsgruppe wagen würden.

Auch der Text meines Gegenredners Christian Lindner (siehe oben bzw Seite 37-Print) bewegt sich ja in diese Richtung: Die im Netz sind Besserwisser. Wollen nicht sehen, wie toll Zeitungen sind. Und wie groß! So viel Auflage! Wer da die schlichte Wahrheit ausspricht, ist schon der Böse: Tageszeitungen sterben, ihre Auflage ist im freien Fall, ihre Mitarbeiterzahl parallel dazu. Online haben sie keinerlei Innovationen zu bieten, wollen einfach nur ihr Geschäft weitermachen. Wer dann einwirft, dass Zeitungsinhalte keine Online-Zahlungsbereitschaft auslösen, weshalb Paid Content der aktuellen Inhalte nicht funktioniert, ist ein Häretiker. Die Leute sollen zahlen, weil sie zahlen müssen. Ansonsten sind sie Piraten, Räuber, vor Gericht mit denen oder gleich auf die Planke. So entstand eine befremdliche Distanz zwischen Netz-Vielnutzern und Medien. Noch 2007 dürften die meisten aktiven Blogger überdurchschnittlich viele Print-Abos gehabt haben. Doch die schrille Kritik an ihrem Hobby entfernte sie von den „Totholz-Medien“ genauso wie die schlichte Tatsache, dass diese nicht mehr ihre Welt widerspiegelten. Beispielhaft kündigte der freie Journalist und Blogger Don Dahlmann zu jener Zeit sein langjähriges „Süddeutsche“-Abo wegen der „widerwärtigen Weicheiigkeit der gesamten Redaktion“ im Umgang mit Leserkommentaren, „die mich ankotzt und mit der ich nichts mehr zu tun haben möchte“.  Jener aggressive Ton ist dabei nur die Reaktion. Denn es waren die fest angestellten Journalisten, die zuerst die dicke Beleidigungsberta auspackten. Redaktionen erachteten selbst nüchtern gehaltene Kritik an ihrer Arbeit als Majestätsbeleidigung und reagierten entsprechend indigniert.

Wer solches Verlagsmenschen ins Gesicht spricht, gilt als unverschämt. Und wer dann noch eine gute Meinung von Google oder Facebook hat, der ist inakzeptabel. Es ist die verlagstypische Filterblase, wenn Lindner keine Kritik aus der Blogosphere gegenüber diesen Diensten sieht. Nur ist sie eben nicht so undifferenziert wie die schamlose Kampagne der Verlage in Sachen Leistungsschutzrecht.

Sie hat den digitalen Graben vertieft. Nun gilt: Die (Verlage) gegen uns (Netznutzer). Das mit Lügen und Demagogie durchgedrückte Gesetz schafft nicht nur eine unabsehbare Rechtsunsicherheit für jeden, der sich im Internet bewegt – es hat auch die letzte verbliebene Bindung zwischen Digital-Freunden und Medienkonzernen zerschnitten. Noch wissen die Verlage gar nicht, was sie damit angerichtet haben, wenn selbst Deutschlands meistgelesener Medienblogger Stefan Niggemeier schreibt: „Ich habe mich selten so unwohl gefühlt, Mitglied dieser Branche zu sein“, und Multimedia-Journalist Richard Gutjahr in seinem Blog beobachtet, dass „journalistische Integrität auf dem Altar der Druckmaschinen geopfert wird“. Wenn digitale Multiplikatoren solches schreiben, darf niemand erwarten, dass ihre Leser bereit sein werden, den kritisierten Medienkonzernen noch Geld anzuvertrauen. Auch bei den Anzeigenkunden dürfte dies Nachhall finden: Für sie sind Blogs eine Fortschritts-Avantgarde. Gerade erst hat Audi in seiner Konzernkommunikation beschlossen, Blogger und Journalisten gleichzustellen.

Eine Brücke bauen über die beiden Seiten der digitalen Spalten konnten über die Jahre nur wenige digitale Renegaten, die optimistisch hofften, die Analog-Kultur ihrer Arbeitgeber aufbrechen zu können. Viele verließen die Medienhäuser nach wenigen Jahren frustriert und arbeiten heute für Unternehmen oder PR-Agenturen.

Eine Innovationsoffensive wäre nötig, das Vorleben von Social Media durch die führenden Köpfe in den Medienhäusern. Doch wo soll dieser Wandel herkommen? Unter Deutschlands Chefredakteuren sind Christian Lindner, Wolfgang Büchner („Spiegel“) und Roland Tichy („Wirtschaftswoche“) die Online-Exoten. Honoratioren wie Kurt Kister, Giovanni di Lorenzo, Gabor Steingart oder Jörg Quoos dagegen finden im Internet nicht statt, Frank Schirrmachers Twitter-Account liegt seit Monaten tot darnieder. Das prädestiniert sie vielleicht für den Nannen-Preis – aber nicht dafür, ihre Häuser für die Zukunft fit zu machen.

Die beiden Texte sind zuerst erschienen in medium magazin Ausgabe 03/202013 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 10 bis 12. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Das Verlinken und auszugsweise Zitieren ist ausdrücklich erlaubt.  Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion redkaiton@mediummagazin.de

 

 

16 Kommentare

  1. Herr Knüwers Geschäftsmodell ist seit Jahren, die Verlage der Unfähigkeit zu bezichtigen. Die Verlage buchen ihn dann als Berater. Ich habe aber noch keinen konkreten Hinweis auf ein funktionierendes Online-Geschäftsmodell für Verlage von ihm gelesen, und bislang scheinen auch die Erfolgsgeschichten der von ihm beratenen Verlage ein Geheimnis.

  2. Herr Schneider, Sie haben sich mit meinem Geschäft nicht beschäftigt. kpunktnull arbeitet nur in Ausnahmefällen für Verlage. Unsere Kunden kommen zu 90 Prozent aus anderen Branchen wie FMCG, Logistik oder Food. Gerade deshalb kann ich ja so unbefangen über Verlage schreiben. Hier gibt es auch ein paar schöne Erfolgsbeispiele wie die Homepage der Marke Schwarzkopf, die noch immer als Vorzeigebeispiel für Content Marketing gilt.

    Wie das mit dem Geld verdienen im Internet bei Verlagen funktionieren könnte, habe ich bereits mehrfach aufgeschrieben. Zum Beispiel:
    Wie Verlage im Internet Geld verdienen (III): http://www.indiskretionehrensache.de/2012/11/wie-verlage-im-internet-geld-verdienen-iii/
    Weil der Verlag sich ändern muss: http://www.indiskretionehrensache.de/2013/01/strategie-fuer-verlage/
    Fangt endlich an: http://www.indiskretionehrensache.de/2013/07/verlage-internet/

    Offensichtlich lesen Sie also nicht so häufig die Indiskretion, was Sie auch gar nicht müssen. Aber trollige Beschimpfungen sollten trotzdem irgendwie fundiert sein.

  3. So gerne ich Herrn Lindner glauben würde, seit dem Umzug nach Großbrittanien hab ich hier noch keine Zeitung gekauft und vielleicht 5-10 gedruckte gelesen. Und trotzdem halte ich mich lokal, regional und national auf dem Laufenden, und das jeweils für einen Ort in Wales und einen in Deutschland.

    Auf Print führt der Weg für mich auf keinen Fall zurück (und zurück ist sehr optimistisch, da ich schon immer nur über Eltern oder Bekannte Print lese). Geld zum zahlen hätte ich jetzt sogar und verteil es dann doch lieber über Flattr als einer einzigen Publikation zu vertrauen.

  4. […] geschätzte Medium Magazin hat den in der Juli-Ausgabe veröffentlichten Schlagabtausch zwischen Christian Lindner (Chefredakteur der “Rhein-Zeitung”) und Thomas Knüwer (Indiskretion E…. Was Thomas Knüwer dort über das gestörte Verhältnis von Journalisten zum Internet schreibt, […]

  5. Das ist ja wunderbar. Christian Lindner bittet darum, doch nicht immer so maßlos zu übertreiben. Und Knüwer macht prompt so weiter, wie man es von ihm kennt: Er übertreibt und verweigert geradezu jede differenzierte Wahrnehmung. Das geht 2:0 an Lindner, dank Eigentor der Mannschaft, die sich mit seltsamer Kampfeswut für gegnerisch hält.
    Und lustig auch diese Selbstbeschreibung Knüwers: “… digitale Renegaten, die optimistisch hofften, die Analog-Kultur ihrer Arbeitgeber aufbrechen zu können. Viele verließen die Medienhäuser nach wenigen Jahren frustriert und arbeiten heute für Unternehmen oder PR-Agenturen.” Damit bestätigt er ja mit seinem eigenen Erwerbsmodell, dass der unabhängige Journalismus im Netz sehr gut ausgeübt werden kann, aber dass im Netz damit weniger zu verdienen ist als in den herkömmlichen Publikationsstrukturen. Dabei weht übrigens viele Blogger inzwischen der Wind der Vergeblichkeit und Sinnlosigkeit an – für Blogs haben nicht nur Chefredakteure wenig Zeit übrig, es gibt auch Blogger, die nach einer sinnvolleren Freizeitbeschäftigung suchen.

  6. […] BLOGOSPHÄRE Medium Magazin: Lindner und Knüwer zum Lagerdenken von Print und Online: Das "Medium Magazin" hat Christian Lindner (Chefredakteur der “Rhein-Zeitung”) und Thomas Knüwer (Blogger auf "Indiskretion Ehrensache") um ein Kommentar gebeten, was Zeitungsmacher und Onliner aneinander kritisieren. Auffallend ist, dass der Pressevertreter eine Mischung von Blogging und Journalismus sieht und der Blogger immer noch an die digitale Spaltung glaubt. […]

  7. […] Lindner & Knüwer zum Lagerdenken von Print und Online […]

  8. […] Ein trauriges Beispiel dieser wenig hilfreichen Form der Kommunikation haben Rhein-Zeitungs-Chefredakteur Christian Lindner und Digitalstratege Thomas Knüwer gerade im Medium M…. […]

  9. Diese “Diskussion” hier ließ mir keine Ruhe. Hege die bescheidene Hoffnung, dass es irgendwas hilft:

    Das Vorwurfskarussell, Kulturkriege und der digitale Graben. Oder:
    Warum Blogger und Verlage nicht zu einander finden – ein Erklärungsversuch.

    http://wp.me/pu5kx-py

  10. […] Zum einem Bericht über die Gegensätze Online und Print […]

  11. […] zeigen wird. Hui, Showdown in Media Valley, unerschrocken gehen zum Duell aufeinander zu: Thomas Knüwer und Christian Lindner. Beide schätze ich auf ihre Art übrigens, deshalb habe ich mir diesen kleinen Showkampf auch […]

  12. @Brett: Sie werfen mir vor, zu übertreiben. Ich behaupte: Nichts davon ist Übertreibung. Treffen Sie sich mal mit Print-Redakteuren von FAZ, Spiegel oder der Rheinischen Post. Fragen Sie die mal, was ein Blog ist. Fragen Sie die, ob sie Twitter nutzen und was sie von Facebook halten. Oder zählen Sie mal anhand eines Impressums durch: Wieviele Print-Redakteure in einer von ihnen gewählten Redaktion (und die Rhein-Zeitung ist ja tatsächlich eine Ausnahme, weshalb Christian Lindner der falsche Contra-Part ist) sind digital aktiv? Es sind weit weniger als die deutsche Durchschnittsbevölkerung.

    Ihren letzten Satz finde ich dann höchst merkwürdig. Es gibt Blogger, die eine “sinnvollere” Freizeitbeschäftigung suchen? Kenne ich nicht. Ich kenne Blogger, die irgendwann ihr Blog aufgeben. Weil keine Lust und keine Zeit mehr da ist. Das ist total OK. Nur: Es hat überhaupt nichts mit der Diskussion zu tun. Denn es geht nicht um Blogger vs. alte Medien – diese Frontenteilung machen nur die alten Medien auf. Es geht um die Frage, wie digitaloffen die Medienkonzerne sind.

  13. In Teilen haben Sie beide Recht. Doch, weder Übertreibungen, noch Verallgemeinerungen helfen weiter. Was wirklich fehlt, ist ein praktikables und von Lesern annehmbares Bezahlmodell, denn natürlich muss Qualität bezahlt werden.

    Wenn man sich nicht wie ich, in einer Ausnahmeposition befindet, sondern für sein tägliches Brot arbeitet, ist es wirklich problematisch, gut recherchierte Artikel zu schreiben, Hintergrund zu liefern ohne dafür angemessen entlohnt zu werden. Das bezieht sich auf beide Seiten: sowohl Zeitungen wie Blogger sind davon abhängig, einen ordentlichen Obulus für ihre Arbeit zu bekommen. Dem steht allerdings die kritische Haltung im Internet gegenüber – jeder meint, Qualität sei das was er dafür hält; und genau an diesem Punkt bricht sich die Bereitschaft, etwas zu zahlen.

    Und dann gibt es tatsächlich viel zu viele “Beharrer”. Die Rhein- Zeitung kann zwar als Modell für richtigen und exzellenten Internet- Auftritt herhalten, ist aber keineswegs geeignet, ein auch nur halbwegs logisches Bild der Medienhaus- Internet- Auftritte zu liefern. Die Rhein- Zeitung ist, wie ich auch schon in meinem Blog schrieb, ein Solitär. Hier hat man es verstanden, den Leser nicht als Adressaten von Nachricht und Meinung zu sehen, sondern ihn einzubinden, Meinung mit ihm zusammen zu bilden, Nachrichten auch vom Leser anzunehmen.

    Nahezu alle anderen Verlagshäuser haben nach und nach Internetauftritte, sind jedoch bisher(?) nicht in der Lage, vom Verlautbarungsstil abzurücken und den Leser mitzunehmen, der ja ohne weiteres auch Blogger sein kann. Es gibt zwar manchmal Einzelaktionen (so hat mir vor Jahren mal ein Redakteur der Märkischen Allgemeinen einen Artikel für mein Blog überlassen), doch die sind selten, sehr selten.

    Grabenkriege haben noch nie zu etwas geführt. Darum kann ich auch dieses Lagerdenken und gegenseitige Verunglimpfungen nicht nachvollziehen. Ich denke wir alle sind vom Schreiben begeistert, wollen unsere Gedanken mit möglichst vielen teilen – und verfolgen vielleicht sogar politische Ziele. Gerade das Letzte kann man sich warscheinlich nur in einem Blog leisten. Eine Zeitung hat allenfalls eine Tendenz, eine zu starke Betonung jedoch drängt sie in eine Außenseiterposition, kostet Leser.

    Darum habe ich mich von Anfang an gewehrt, mich in solche “Totholz”- gegen “Neulandbewohner”- Kriege hineinziehen zu lassen. Beide können voneinander lernen, beide können einander helfen. Wenn wir alle das begreifen, haben nicht nur die Verlage eine gute Zukunft. Da sehe ich allerdings den meisten Bedarf umzudenken, bei den Verlagen. Sie haben ein offenbar immanentes Beharrungsvermögen, welches abgelegt werden muss. Da Blogger entweder aus einer anderen Richtung kommen, oder Journalisten sind, die das Handwerk drauf haben und sich das neue Medium “Internet” aus Freude daran, oder aus dem Zwang heraus, einen Job zu finden aneignen konnten, ist hier schon die meiste Arbeit geleistet.

    Ich hoffe, daß Diskussionen wie diese dazu beitragen, die Gräben ein wenig einzuebnen.

  14. […] Vor einigen Wochen nun lud mich das “Medium Magazin” ein, bei einem Pro und Contra mitzuschreiben. Es ging um die Fronten zwischen Online und Print und warum diese immer noch da sind. Mein Gegenüber war der “Rhein Zeitung”-Chefredakteur Christian Lindner, den ich als jemand der innovativsten in der Lokalzeitungsbranche schätze. Eigentlich, also, war er der falsche Widerpart. Doch auch er legte Ippeneske Zahlen auf den Tisch, betonte, wie groß Zeitungen noch immer seien und wie viele Leser sie hätten. Die Texte können Sie hier nachlesen. […]

  15. […] Krise des Journalismus darf also nicht bloß als Krise von Print versus Online betrachtet werden. Die Krise steckt tiefer. Doch es gibt eine Chance. Journalisten sollten sich […]

  16. […] Warum das hier steht? In den letzten Monaten hat sich aus meiner Sicht mal wieder die Front zwischen Befürwortern des Modells Tageszeitung und der Skeptiker erheblich verschärft. Das ist erst mal nicht weiter schlimm, in einer guten Debatte darf es ruhig mal scheppern. Was ich allerdings weniger schätze: Es wird zunehmend persönlicher. Ein erster kleiner Höhepunkt dessen war für mich die unsägliche Debatte im “Medium Magazin” zwischen Thomas Knüwer und Christian Lindner, bei der Sinn und Zweck der Beiträge erkennbar nicht war, Positionen auszutauschen. Sondern einfach Leute aufeinander loszulassen. Christian Lindner hat das dann auch brav getan, in dem er den “Onlinern” (was auch immer das sein soll) Arroganz und Besserwisserei vorgeworfen hat. […]

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