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Rubriken & Kolumnen

Medienköpfe & Karrieren

Als hätte er es geahnt, hat Jan Eric Peters die damals angekündigte Abschiedsparty zu seinem Weggang als Chef von „Welt“/„Welt kompakt“ und „Berliner Morgenpost“ nie gegeben. Zum 15. Februar 2010 kehrt der 44-jährige zurück, wird der Weltgruppe vorstehen („Welt“, „Welt kompakt“, „Welt am Sonntag“, „Welt online“, „Welt mobil“) – und erweitert so seinen Verantwortungsbereich im Vergleich zu früher. Mit Peters vollzieht Springer den Generationenwechsel, der neue alte Chef steht für konsequenten Ausbau crossmedialer Plattformen. In seiner ersten Runde als Chefredakteur von „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ trieb er die Vernetzung der Weltgruppe voran, die er jetzt wohl weiterführen wird. Peters gilt als Macher: Er erfand das Konzept für die Axel Springer Akademie, entwarf die „Welt kompakt“ und entwickelte den Medienpreis Scoop, aus dem u. a. die Zeitschrift „Humanglobaler Zufall“ hervorging. Peters leitet derzeit die Axel Springer Akademie und baute sie zu einem Vorbild in der Journalistenausbildung aus. Sein letzter Coup war die Kooperation mit der New Yorker Eliteuniversitität Columbia, wo die Springer-Schüler an einem Kurs für „investigative Reporting“ teilnehmen dürfen.

Sein Vorgänger Thomas Schmid (65) wird zum Herausgeber, Nachfolger als Leiter der Axel Springer Akademie wird Thomas Spahl (41), bisher bereits sein Stellvertreter. Am Rosenmontag 2010 wird Peters seinen neuen Posten antreten – eine gute Gelegenheit, um seinen Einstand zu feiern.

Die Redakteure des WAZ-Onlineportals „DerWesten.de“ sind einiges gewohnt: Als die ehemalige Chefredakteurin und Geschäftsführerin Katharina Borchert (37) vor einigen Jahren ihren Job antrat, stellte sie sich den Kollegen via Interview als Trümmerfrau des Online-Journalismus vor, was bei manchen Kollegen nicht sonderlich gut ankam – auch wenn es ironisch gemeint war. Jetzt, da Borchert zu „Spiegel Online“ wechselt, müssen sie sich mit einem Chef anfreunden, der mal betonte: „Ohne Print gäbe es Online nicht“ – publizistisch wie ökonomisch. Ulrich Reitz (49), Chef der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ und des Content-Desks der Ruhrgebietsblätter des Konzerns, leitet seit 11. Dezember auch die Internet-Redaktion. So mancher fürchtet, seine Strategie könnte „Offline first“ heißen, zumal „Der Westen“ im vergangenen Jahr Verluste von knapp sieben Millionen Euro angehäuft haben soll, wie die „Welt am Sonntag“ berichtet. „An einer Neustrukturierung des Geschäftsmodells mit der entsprechenden Personalverantwortung wird noch gearbeitet“, heißt es aus dem Konzern. Und auch an einem Strategiewechsel: Der Charakter eines Regionalportals und die bisher eher dahinter stehenden Marken WAZ, NRZ, WR und WP sollen künftig stärker betont werden. Mit der Reitz´schen Personalunion versprechen sich die Macher auch eine bessere Zusammenarbeit der Redaktionen, die bisher eher auf Abgrenzung als Zusammenarbeit gepolt waren. Was die angebliche Online-Phobie des WAZ-Chefs betrifft:Stimmt gar nicht, heißt es aus seiner Umgebung. Immerhin habe der Chef „schon lange“ ein iPhone. „Waz app“ könnte da womöglich ein ganz neuer Schlachtruf werden.

„Wir sind Papst“ – eine Zeile für die Ewigkeit, ausgedacht hat sie sich Georg Streiter (54), bislang Politikchef bei „Bild“. „Das wird wahrscheinlich noch auf meinem Grabstein stehen“, sagt er. Künftig wird das Blatt auf seine Geistesblitze allerdings verzichten müssen: Zum 1. Februar wechselt Streiter nach Brüssel, um die FDP-Europapolitikerin und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Silvana Koch-Mehrin, in PR- und Image-Fragen zu beraten. Warum der Seitenwechsel? „Ich habe das im Blut“, sagt er und meint Liberalismus und Europa. Streiter verweist auf die Familientradition: Sein Großvater hat zu Weimarer Zeiten die liberale DVP mit aufgebaut, sein Vater arbeitete als erster Pressebeamter beim EU-Vorläufer Montanunion. Außerdem habe die FDP ihn gefragt und er wollte noch einmal etwas Neues wagen. „In meinem Alter freut man sich über einen Neuanfang.“ Einige Neuanfänge hat er bereits hinter sich, allerdings stets als Journalist: Er arbeitete für die „Bonner Rundschau“, den Kölner „Express“, die „Hamburger Morgenpost“, die „Bild am Sonntag“ und den „Stern“. Seiner neuen Chefin will er zwar kein neues Image verpassen, „keine New Koch-Mehrin“ entwerfen, sagt er. Aber zumindest diskutieren würde er mit ihr, ob es von einer Politikerin schlau ist, ihren nackten Babybauch für die Presse fotografieren zu lassen. 2005 schaffte es Koch-Mehrin damit in die „Bild“. „Erste Politikerin zeigt ihren Baby-Bauch“, hieß die Zeile – ziemlich langweilig. War auch nicht von Streiter.

Gerade mal zwei Monate hat es gedauert, bis Nina Maurischat (35) einen neuen Job antreten konnte. Nachdem der Bauer Verlag die Redaktionen mehrerer Frauenzeitschriften zusammengelegt hatte, gab es Maurischats Stelle als „Bella“-Chefredakteurin einfach nicht mehr. „Das war den Umständen geschuldet“, sagt sie, „eine pragmatische Entscheidung, die ich verstehen kann.“ Sie sei nicht im Groll gegangen. Seit 7. Dezember leitet sie jetzt das Heft „Petra“ aus dem Jahreszeiten Verlag (verkaufte Auflage zuletzt knapp 300.000). Ihre Vorgängerin dort scheint hingegen weniger harmonisch verabschiedet worden zu sein: Die bisherige „Petra“-Chefin Ulrike Fischer (45) verlässt den Verlag – und Geschäftsführer Jan Pierre Klage dankte ihr nur sehr knapp „für ihre Arbeit in den zurückliegenden Jahren“. Schon vor gut einem Jahr hatte Klage Fischers Arbeit öffentlich kritisiert: Relevanz und Differenzierung gegenüber anderen Titeln seien zu schwach ausgeprägt. Er verordnete dem Heft einen Relaunch – und holte jetzt eine neue Chefredakteurin.

Zu einem typischen Tag gehört für Marc Beeh (40) der Song „In Too Deep“ von „Genesis“ oder „Private Dancer“ von Tina Turner – eben die Hits der 60er, 70er und 80er-Jahre. Punktitel aus derselben Zeit wie „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols werden unter seiner Leitung nicht über den Sender laufen, „obwohl ich das privat sehr gerne höre“, sagt Marc Beeh. Der neue Programmdirektor von „harmony.fm“ bleibt dem Namen treu: Die musikalische Klangfarbe soll harmonisch, leicht und vertraut sein. Aufgehoben soll sich ein Hörer fühlen, „der weiß, dass Twix früher mal Raider hieß“ und „der bei LP und MC nicht an Rapper, sondern an Langspielplatte und Kassette denkt“, wie Beeh sagt. Heavy Metal oder Punk passen da nicht ins Programm. Bei den Nachrichten hört das allgemeine Wohlfühlen beim hessischen digitalen Radiosender allerdings auf: „Bei uns gibt es nicht nur gute Nachrichten“, sagt Beeh: „Wir informieren unserer Hörer ungeschönt.“ In Zukunft will der gebürtige Niedersache nicht nur Musik senden, sondern „in den Sendungen auch verstärkt über Musik reden“ – nur nicht über die Sex Pistols.

Die „Stimme des Papstes“ wird Fundraiser: Nach 27 Jahren auf dem Chefsessel der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan ist Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (73) nach München zurückgekehrt. Der Jesuit soll ab dem neuen Jahr Spenden für die pastorale Arbeit seines Ordens sammeln. Zum Abschied lud ihn Papst Benedikt XVI. zu einer Privataudienz. „Dort habe ich mir erlaubt, den Heiligen Vater auf ein paar Stärken und Schwächen in der vatikanischen Kommunikationsarbeit hinzuweisen“, sagte Gemmingen nach dem Treffen. Besonders während des Skandals um die Piusbruderschaft Anfang 2009 hatte der papsttreue Jesuitenpater die Öffentlichkeitsarbeit der Kurie scharf kritisiert. Gemmin
gen, 1968 zum Priester geweiht, kam 1980 zum Journalismus: als kirchlicher Beauftragter beim ZDF. 1982 wechselte er zu Radio Vatikan. Sein Nachfolger ist Ordensbruder Bernd Hagenkord (41). Der Westfale hat vor seinem Eintritt in den Jesuitenorden mehrere Semester Journalismus studiert und arbeite zuletzt als Jugendseelsorger in Hamburg sowie für das Kölner Domradio. Auftritte als Vatikanexperte schließt von Gemmingen indes für die Zukunft nicht aus: „Ich werde zwar auf meinen Nachfolger verweisen, aber wenn die Sender explizit mich als Experten wünschen, stehe ich zur Verfügung“, sagte er. Spätestens, wenn sein alter Universitätsprofessor, der Papst, in den kommenden Jahren sterben sollte: „Dann werden sich Bernd Hagenkord und ich die Experten-Arbeit sicher teilen.“

Sie gehörte vor gut zehn Jahren zur Gründungsmannschaft der „Financial Times Deutschland“, jetzt verlässt sie das rosa Blatt von Gruner+Jahr: Birgit Marschall (46) wechselt im Februar ins Hauptstadtbüro der „Rheinischen Post“, um dort die „Berichterstattung über die Ministerien der Finanzen, Wirtschaft und Verkehr und über den Arbeitsmarkt zu übernehmen“, wie sie sagt. „Die Herausforderung wird sein, die ‚RP‘ in Berlin noch einflussreicher zu machen. Da kommt die bevorstehende NRW-Wahl natürlich gelegen.“ Auch für Marschalls künftigen Chef ist es ein Neuanfang: Michael Bröcker (32), bisher Korrespondent, leitet seit 1. Januar 2010 die vierköpfige RP-Parlamentsredaktion in Berlin. Er folgt auf Martin Kessler, der als Politikchef und leitender Redakteur in die Düsseldorfer Zentralredaktion der Zeitung geht. Die „RP“ ist mit einer verkauften Auflage von rund 380.000 Exemplaren die zweitgrößte Regionalzeitung Deutschlands. Bei der „FTD“ war die studierte Volkswirtin Marschall bis 2003 für die Konjunkturanalyse zuständig; danach schrieb sie vor allem über Wirtschafts- und Finanzpolitik und zuletzt über Ursachen und Folgen der Finanzkrise. Im „Presseclub“ diskutierte sie schon mal mit Kollegen, wer für die Steuerpläne von Schwarz-Gelb löhnen muss. Warum sie vom Dickschiff „FTD“ zur „RP“ wechselt, dazu möchte sie nichts öffentlich sagen. Schon vor Marschalls Wechsel gab es Abgänge von den G+J-Wirtschaftsmedien zur „RP“: Im März wechselte der IT- und Telekommunikationsexperte Reinhard Kowalewsky von „Capital“ zu der Regionalzeitung aus Düsseldorf.

Wechselspiel bei Axel Springer: Von der Elbe an die Spree zieht Marius Schneider (41). Der ehemals geschäftsführende Redakteur des „Hamburger Abendblattes“ verstärkt zum 1. Februar zusammen mit Sebastian Zabel (45) die Chefredaktion der „Berliner Morgenpost“. Zabel steigt damit in der Springer-Hierarchie vom leitenden Redakteur der „Morgenpost“ ins Chefzimmer auf. Dies wiederum verlässt Ulrich Exner (48) zum selben Zeitpunkt gen Norden. Künftig wird er für die „Welt“-Gruppe als Korrespondent für Norddeutschland tätig sein und über Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig Holstein berichten.

>>>Lob & Preis

Mut, Sorgfalt, Beharrlichkeit. Selten hat ein Journalistenpreis so viele Diskussionen ausgelöst wie der erstmals verliehene Reporterpreis des Hamburger Reporterforums, dotiert mit insgesamt 25.000 Euro. Verrat lautet der Vorwurf, der Dirk Kurbjuweit vom „Spiegel“ um den Preis für die beste Reportage brachte, Verrat an der Hauptfigur. Die Jury diskutierte heftig über Kurbjuweits Porträt des CDU-Politiker Philipp Mißfelder, von dem vorher fast alle dachten: Der Text bekommt den Preis auf jeden Fall. Doch Reporter-Legende Christoph Scheuring widersprach heftig, und die Stimmung in der Jury kippte. Zu wenig Sympathie bringe Kurbjuweit seinem Protagonisten entgegen. Stattdessen wird Sabine Rückert für ihren Text „Todfreunde“ ausgezeichnet, der in der „Zeit“ erschien. Zwei Geschichten erklärten die Juroren zu den „Besten Texten des Jahres“, eine Kategorie, die es wohl im nächsten Jahr nicht mehr geben wird: Zum einen die Spiegel-Krisenstory „Der Bankraub“ von einem Autorenteam um Ullrich Fichtner, zum anderen den Text „Kapitalismus – wir können auch anders“ von „Zeit“-Reporter Wolfgang Uchatius. Die beste Lokalreportage schrieb demnach Antje Windmann für das „Hamburger Abendblatt“ über eine 91-jährige Frau und deren sie pflegende Tochter. Windmann sah sich Tage später im Blog von Stefan Niggemeier mit Vorwürfen konfrontiert, sie betreibe Scheckbuch-Journalismus, weil sie in einem Forum auf der Suche nach Protagonisten für eine andere Geschichte ein Info-Honorar in Aussicht gestellt hatte. Windmann stellte sich der Kritik und argumentierte: Es sei vollkommen legitim, Privatpersonen eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. In Niggemeiers Blog wiederum wurde ebenfalls ausgiebig diskutiert, warum die ausgezeichnete „Beste Webreportage“ von Matthias Eberl bei „sueddeutsche.de“ nicht in voller Länge zu sehen war.

www.reporter-forum.de

Zumindest für einige Journalisten hat sich die Finanzkrise finanziell auch gelohnt: Alle ausgezeichneten Beiträge des diesjährigen Georg von Holtzbrinck Preises für Wirtschaftsjournalismus behandelten das Thema Krise. Henryk Hielscher erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Print für seinen Artikel „Zehn Jahre Abstieg“ über den Karstadt-Quelle Konzern in der „Wirtschaftswoche“. Die ZDF Redakteure Michael Hasselrieder und Karl Hinterleitner erhielten für ihre TV-Dokumentation „Der Fall Siemens: Der Konzern und die Korruption“ den Preis in der Kategorie elektronische Medien. Christoph Schwennicke überzeugte mit seinem Kommentar „Danke, liebe Krise“ (Spiegel Online) in der Kategorie online und sicherte sich damit – wie die anderen Autoren – die Anerkennung und die Finanzspritze.

Info: http://bit.ly/595nJf

Viele Unternehmen setzen auf einen grünen Anstrich. Auch ein Journalistenpreis kann für ein nachhaltiges Image förderlich sein. Der „ecosense Journalistenpreis“ des Forums „Nachhaltige Entwicklung der deutschen Wirtschaft“ wurde ausgelobt von Firmen wie RWE, Daimler, TUI, E.ON und anderen. Gewinner des mit 3000 Euro dotierten Hauptpreises ist in diesem Jahr Christian Schwägerl vom „Spiegel“ für seine Geschichte über „Faule Kredite“ – die Geschichte zieht einen Vergleich zwischen der Finanzkrise und der ökologischen Entwicklung. In der Kategorie Nachwuchs gewann Sabine Gusbeth 1.500 Euro mit ihrem Artikel „Soziales Netzwerk“ in der Wirtschaftszeitschrift „Euro“.

Info: http://bit.ly/7nMTLQ

Schreiben für Kinder lernte die Journalistin Anke Dörrzapf spätestens während ihrer Zeit als Redaktionsleiterin des Kindermagazins „Willi will‘s wissen“. Ihr Kinderbuch „Die wunderbaren Reisen des Marco Polo“ erhielt nun den mit 1000 Euro dotierten Nachwuchspreis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. In dem Buch erzählt Dörrzapf für Kinder anschaulich die Reise des Venezianers nach China. Neben Kinderbüchern schreibt die Journalistin regelmäßig für „Geo Saison“, „Brigitte“ und „Neon“, ihre Ausbildung absolvierte sie an der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.

>>>Trauer 2009

Wer uns im Laufe des Jahres verließ:

Peter Schultze: Berlin war seine Stadt: Als einer der ersten deutschen Mitarbeiter des RIAS in Berlin erarbeitete der gebürtige Berliner Peter Schultze sich einen festen Platz in der Politikberichterstattung des SFB. 23 Jahre lang entschied er über die politische Berichterstattung des Senders, gründete das Politmagazin „Kontraste“ mit und verantwortete bis zu seiner Pensionierung die regionale „Abendschau“. Am 18. Juli starb Schultze im Alter von 86 Jahren.

Martin Ebbing: Ob über das Atomwaffenprogramm oder die Hinrichtungswe
lle, die mit der Regierung von Ahmadinedschad begann – Martin Ebbing gehörte zu den wenigen Journalisten, die kontinuierlich aus dem Iran berichteten. Nach einem Herzinfarkt starb er überraschend an einer Hirnblutung am 1. Dezember, einen Tag nachdem er zur Behandlung nach Deutschland geflogen worden war. Ebbing gehörte zu den Weltreportern und war einer der ersten, die für ihre Berichte ein multimediales Onlinetagebuch führten. Er wurde 54 Jahre alt.

Martin E.Süskind: Alfred Neven Dumont würdigte ihn einmal als einen „Redakteur der alten Schule“ und meinte damit die Zurückhaltung und die klare Einhaltung von Distanz, die Martin E.Süskind auszeichnete. Süskind begann seine Karriere in den USA, in den deutschen Büros der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI. Sein Karriere führte ihn außerdem nach Köln, wo er den „Kölner Stadtanzeiger“ leitete und nach Berlin, wo er zwei Jahre lang die „Berliner Zeitung“ führte. Dort starb Süskind im Alter von 65 Jahren.

Maria-Christine Zauzich: Es zog sie immer wieder weit weg, nach Mittelamerika, vor allem Guatemala. Bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte Maria-Christine Zauzich als Redakteurin für Kirchenfragen gearbeitet, beim „Rheinischen Merkur“ das Ressort Theologie und Kirche geleitet. Schon 1985 tauschte sie diese Sicherheit gegen ein Leben auf Reisen, als Freie, lebte seit 1987 in Guatemala, engagierte sich dort vielfältig, u. a. mit der Gründung des Stipendienwerks „Samenkon“ und für Adveniat. Bei einer Reise in Guatemala ertrank sie am 2. August unter bisher ungeklärten Umständen.

Thomas von Randow: Die Begeisterung für Wissenschaft und Technik spiegelte der Journalist Thomas von Randow in seinen Artikeln: Er schrieb über Luftverschmutzung und Lebensmittelgifte und begründete so den kritischen Wissenschaftsjournalismus bei seinem Arbeitgeber „Zeit“. 26 Jahre lang arbeitete er für die Wochenzeitung in Hamburg und starb dort im Sommer im Alter von 87 Jahren.

Wolfgang Jost: Anfang der 90-er Jahre landete der Schwabe Wolfgang Jost in Berlin und gab als Ressortleiter den Sportseiten des „TagesSpiegel“ eine neue Ausrichtung: Mehr Kolumnen, Zeit für tiefe Sportgeschichten abseits der reinen Ereignisberichterstattung – ihn interessierte nicht nur Fußball. Im Juni wurde der 57-jährige Jost bei einem Autounfall in Südafrika schwer verletzt und erlag den Verletzungen wenig später.

Ernst Weisenfeld: Seine journalistische Karriere startete Ernst Weisenfeld kurz nach dem Krieg als Frankreichberichterstatter für den Nordwestdeutschen Rundfunk. Nach Zwischenstationen bei der ARD in Bonn als Leiter des Hauptstadtstudios zog es Weisenfeld wieder nach Frankreich, diesmal als Leiter des Pariser Korrespondentenbüros. In seiner Berichterstattung setzte er auf Versöhnung mit den französischen Nachbarn und erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz. Weisenfeld wurde 95 Jahre alt.

Jürgen Kellermeier: Er erfand nicht nur das NDR Vorabendformat„DAS“, sondern wartete trotz schwieriger Anfänge beharrlich ab, bis es sich als Publikumserfolg etablierte. 1980 wurde der Journalist Chefredakteur des NDR Hörfunks, später Fernsehdirektor des NDR. Im Oktober starb Kellermeier überraschend im Alter von 70 Jahren.

Erschienen in Ausgabe 01+02/2010 in der Rubrik “Rubriken & Kolumnen” auf Seite 60 bis 60. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.