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„An die Geschichte müssen wir ran!“

„An die Gleichberechtigung der Journalistinnen glaube ich erst, wenn eine Frau, Bild’-Chefredakteurin geworden ist“, sagte Kerstin Jäckel 2005 in „medium magazin“, als sie 2005 Leiterin des „Bunte“-Hauptstadtbüros wurde. Auf DEN Chefsessel von „Bild“ hat es Jäckel zwar noch nicht geschafft, aber demnächst sitzt sie dort auf einem Chefsessel: Ab 1. Juni leitet Jäckel das Politik-Ressort von „Bild“.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Um Mitmenschen Situationen und Sachverhalte näherzubringen, die sie nicht selbst erleben oder begreifen können.

Drei Eigenschaften, die ein guter Journalist haben sollte?

Erlauben Sie mir vier: Herz-blut, Sorgfalt, eigener Schreibstil und Unabhängigkeit.

Wie wichtig ist Klatsch?

Gegenfrage: Kennen Sie einen Journalisten, der beruflich oder privat nicht wenigstens einmal am Tag einen Satz mit „Hast du schon gehört“ oder „Stimmt es eigentlich, dass …“ beginnt? Die Grundlage fast jeder Nachricht ist das Gerücht – egal in welchem Nachrichtenfeld wir uns bewegen.

Mit welchem Ihrer Merkmale würde man Sie am treffendsten karikieren oder parodieren?

Nach Einschätzung meiner Kollegen wäre das wohl: Mehrfache Wiederholung des Ausspruches „An die Geschichte müssen wir ran! Da kann man doch schon dran fühlen“ – flankiert mit entsprechender Handbewegung rechts (beim Stichwort „fühlen“).

Die Herausforderungen für den Journalismus in 140 Zeichen?

Herzblut, Sorgfalt, Schreibstil und Unabhängigkeit bewahren – egal, woher der Wind bläst.

Nutzen Sie soziale Netzwerke?

Facebook und Xing. Je nach Privatsphäreneinstellung, um in Kontakt zu bleiben oder heiße Gerüchte auszutauschen. (siehe auch: Klatsch).

Was macht Sie wütend?

Ignoranz, Engstirnigkeit und Renitenz – besonders wenn alles zusammenkommt.

Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und es wie Betiteln?

„Unter Haien, Muränen und Clownfischen – ein Tauchguide für das Palancar Reef“

Auf welchen Beitrag sind Sie besonders stolz?

Zwei. „Nahost: Ich stand im Steinhagel des Hasses“ („Bild“) über die Ausschreitungen in Israel. Und: „Liebe ist … ein Bestseller“ („Bunte“), für den ich Textpassagen aus den Autobiografien von Hillary und William J. Clinton gegeneinandergestellt habe.

Ihre Lieblinge unter den Print- und elektronischen Medien?

1. „Bild“, „SZ“, „Welt Kompakt“. 2. Magazine und „Tatort“. 3: bild.de, spiegel.de, www.kaisers.biz/lieferservice/login_berlin.php3.

Welche Medieninnovation schätzen Sie besonders?

Mobiles Internet.

Mit wem würden Sie gerne mal einen Tag die Rolle tauschen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil es gut ist, auch einmal die andere Seite mit all ihren Zwängen und Querschüssen zu erfahren.

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Jörg Quoos (im Volontariat): „Legen Sie die Unterlagen weg, schauen Sie mich an und erzählen mir die Geschichte. Und dann schreiben Sie sie genauso auf.“

Patricia Riekel: „Wer den Finger nicht hebt, wird nicht gesehen.“

Im nächsten Leben werden Sie…?

Wieder Journalist. Oder Eishockey-Torwart. Aber auf jeden Fall ein Mann, sonst wird’s ja langweilig.

Link:tipp

weitere Fragen und Antworten von Kerstin Jäckel siehe

www.mediummagazin.de,

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Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 82 bis 82. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.