JUNGE FOTOGRAFIE

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Gute Aussichten für Heiko Schäfer

Der junge Fotograf Heiko Schäfer (26) wurde für seine Arbeit über Afrikaner, die ihr Leben aufs Spiel setzen um nach Europa zu gelangen, von der Jury des unabhängigen Fotografie-Wettbewerbs „Gute Aussichten“  ausgezeichnet. Er versteht sich nicht als Moralapostel, sondern als ein Beobachter, der seine Umgebung analysiert und bedeutende Fragen künstlerisch bearbeitet:Im einen Fall ist es die europäisch-afrikanische Migrationsproblematik, im anderen die Nutzung von Kernenergie mit ihren Sicherheits- und Endlagerfragen.

Innenansichten aus der Unterwelt in Gorleben. Fotos: Heiko Schäfer

Innenansichten aus der Unterwelt in Gorleben. Fotos: Heiko Schäfer

Heiko Schäfer interessiert sich dabei vor allem dafür, wie die Gesellschaft mit diesen Fragen umgeht.

Jeder Deutsche denkt an gefährlichen Atommüll wenn er Gorleben hört. Aber nur wenige kennen die genauen Umstände. Zum Beispiel, dass bis heute kein radioaktiver Abfall in den Gorlebener Salzstock eingelagert wurde, sondern nur ins oberirdische Zwischenlager. Die abstrakte Vorstellung, die Menschen von Gorleben haben, versuchte er in seinen Bildern festzuhalten: „gegenständliche Bilder, die Gorleben zeigen, aber doch nicht ganz zeigen“, sagt Schäfer über seine Fotos aus der Unterwelt des Gorlebener Salzstocks wie die beiden Fotos oben und links.

Maritime Incidents - Boot Nr. 11Ähnlich ist sein Ansatz in der Arbeit „Maritime Incidents“, die von der Jury des „Gute Aussichten“ Wettbewerbs ausgezeichnet wurde. Der Umgang europäischer Staaten mit Einwanderern aus Afrika ist umstritten. Anstatt die Problematik aber am Beispiel eines Migranten zu zeigen, schlich sich Heiko Schäfer in Südsizilien in ein Lager, in dem die Boote der Flüchtlinge aufbewahrt werden und fotografierte diese. Weil er von den Behörden keine Genehmigung für sein Projekt bekam, musste er heimlich arbeiten. Er fotografierte die Boote Schritt für Schritt in bis zu 400 Teilansichten, die er später so genau zusammenfügte, dass es aussieht, als habe er die Boote auf einmal von oben fotografiert. Die Einwanderungsbehörden dokumentieren nur die Anzahl der BootsinsassenMaritime Incidents Boot Nr. 49 und ihr Herkunftsland. Diese „ironische und verachtende Anonymität“ habe er in seine Arbeit übernehmen wollen.

Zur Person: Heiko Schäfer, geboren 1983 in Krichheim/Teck, hat zwischen 2005 und 2008 beim Lette-Verein in Berlin Fotografie gelernt und die Ausbildung zum staatlich geprüften Fotodesigner mit seiner Diplomarbeit „Maritime Incidents“ bei Professorin Sabine Schründer 2008 abgeschlossen. Für seine Diplomarbeit wurde er von der Jury des Fotografie-Wettbewerbs „Gute Aussichten“ ausgezeichnet. Seit 2007 assistiert er bei Frank Thiel. Heiko Schäfer lebt und arbeitet in Berlin.

Zum Projekt „Gute Aussichten“: Erklärtes Ziel von  Josefine Raab und Stefan Becht, den Initiatoren des Projekts “Gute Aussichten”,  ist es, noch weitgehend unbekannten jungen Fotografen ein öffentliches Forum und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, Profis und Fotokunst-interessierte auf sich aufmerksam zu machen.

Auf unserer Website werden wir in den kommenden Monaten regelmäßig Fotografen vorstellen, die von „Gute Aussichten“ seit 2004 ausgezeichnet wurden.

Maritime Incidents Boot Nr. 02

Bisher erschienen: Kathrin Trautner, Morgenliebe; Reza Nadji, „Teheran“

Links: Heiko Schäfer bei Gute Aussichten; Heiko Schäfers Website

Fotos: Heiko Schäfer, Gute Aussichten
Text: Thomas Strothjohann

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