JUNGE FOTOGRAFIE

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Gute Aussichten für Henning Rogge

Henning Rogge hat in seiner Diplomarbeit „Schauinsland“ Touristen beim „Naturerlebnis“ fotografiert und zeigt den Tourismus damit aus einer ungewohnten Perspektive. Für seine Arbeit wurde der 32jährige 2005 von der Jury des unabhängigen Fotografie-Wettbewerbs „Gute Aussichten“  ausgezeichnet.

Die Sächsische Schweiz aus "Schauinsland" von Henning Rogge

Die Sächsische Schweiz aus "Schauinsland" von Henning Rogge

„Ohh wie schön, das muss es sein!“ So stehen Touristen auf Gipfeln und Türmen, am Rande von Schluchten und Seen und schauen ins Land. Sie nehmen mitunter beachtliche Strapazen auf sich, um an die Orte zu gelangen, die Freunde, Verwandte oder Reiseführer empfohlen haben, weil es dort angeblich am schönsten ist.

Henning Rogge hat diese Momente an bekannten deutschen Aussichtspunkten in seiner Serie „Schauinsland“ festgehalten. Dazu reiste er im Laufe eines halben Jahres quer durch Deutschland: Von der Nordsee bis in die Alpen, vom Deutschen Eck

bis in die Sächsische Schweiz. Er fotografierte mit einer analogen Mittelformatkamera auf teure Fotoplatten und machte deshalb nur selten mehr als zwei Aufnahmen an einem Ort.

Die Aussichtsplattform dieses Gasometers versperrt die freie Sicht

Die Aussichtsplattform dieses Gasometers versperrt die freie Sicht

So verbrachte der Fotograf ganze Tage an den Sehenswürdigkeiten und wartete auf den richtigen Moment. Die Personen im Bild spielten dabei, so Rogge, eine große Rolle: „Es war mir besonders wichtig keinen Einfluss auf die Situation zu nehmen und offen zu sein für das was passiert.“ Bis heute fügt er der offenen Serie neue Bilder hinzu.

Mit gutem Auge für Skurriles, Schönes und Ungewöhnliches vermittelt Rogge in „Schauinsland“ einen neuen Blick auf den Tourismus. Wie Caspar David Friedrich zeigt Rogge sehenswürdige Landschaften und wie sie bewundert werden. Mal rückt er die sperrige Architektur der Aussichtsplattformen ins Bild, mal die Touristen die mit ihren bunten Jacken aus der Landschaft hervorstechen.

Die Hamburger Villa hat eine bewegte Vergangenheit. Jetzt wird sie grundsaniert.

Die Hamburger Villa hat eine bewegte Vergangenheit. Jetzt wird sie grundsaniert.

Was wir schön finden und wo wir Aussichtspunkte errichten, wird, so Rogge, „durch den Stand der gesellschaftlich-technologischen Entwicklung“   bestimmt und ändert sich von Zeit zu Zeit. Ziel seiner Arbeit sei es, dass der Betrachter seine eigenen „Naturerlebnisse“ reflektiert – Daher der appellierende Name der Serie: „Schauinsland“.

Der Hamburger Henning Rogge hat sich auf langfristig angelegte Projekte spezialisiert. So hat er die letzten 15 Monate im Auftrag der Hamburgischen Kulturstiftung die Grundsanierung einer denkmalgeschützten Villa dokumentiert. Das Gebäude diente den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs als Verwaltungssitz und wurde nach Kriegsende von der britischen Regierung übernommen. Zurzeit fotografiert er für die Hamburger Deichtorhallen Ausstellungen.

Henning rogge fotografierte im Auftrag der Hamburgischen Kulturstiftung diese denkmalgeschütze Villa

Henning Rogge fotografierte im Auftrag der Hamburgischen Kulturstiftung diese denkmalgeschütze Villa

Zum Projekt “Gute Aussichten”: Erklärtes Ziel von  Josefine Raab und Stefan Becht, den Initiatoren des Projekts “Gute Aussichten”,  ist es, noch weitgehend unbekannten jungen Fotografen ein öffentliches Forum und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, Profis und Fotokunst-interessierte auf sich aufmerksam zu machen.

Auf unserer Website werden wir in den kommenden Monaten regelmäßig Fotografen vorstellen, die von „Gute Aussichten“ seit 2004 ausgezeichnet wurden.

Bisher erschienen: Kathrin Trautner, Morgenliebe; Reza Nadji, “Teheran”; Heiko Schäfer „Maritime Incidents“

Die sanierung dauerte ca. 15 Monate.

Die Sanierung dauerte ca. 15 Monate.

Links: Henning Rogge bei „Gute Aussichten

Fotos: Henning Rogge, Gute Aussichten
Text: Thomas Strothjohann

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