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Der Fragebogen: Jörg Eigendorf

24 Fragen an: Jörg Eigendorf,

Jörg Eigendorf, der neue Chef des Investigativ-Teams der "Welt"-Gruppe. Foto: Axel Springer AG

seit 1. September Chefreporter des Investigativteams und gleichzeitig Mitglied der Chefredaktion der WELT-Gruppe.

Zur Person:
Jörg Eigendorf, 42, hat nach der Ausbildung an der Kölner Journalistenschule in der Domstadt Volkswirtschaftslehre studiert und dort 1996 seinen Abschluss als Diplom-Volkswirt gemacht. Zeitweise parallel dazu arbeitete er von 1994 bis 1999 als Wirtschaftskorrespondent der „Zeit“ in Moskau.
Zur WELT wechselte der Vater zweier Kinder im September 1999. Als Korrespondent in Frankfurt berichtete Eigendorf vor allem über den Euro und die Europäischen Zentralbank sowie die Bankenbranche. Kurz darauf übernahm Eigendorf die Leitung des Frankfurter Büros.
Seit Februar 2003 leitet er das Wirtschaft- und Finanzenressort der WELT und der Berliner Morgenpost – zunächst gemeinsam mit Marcus Heithecker, dann mit Thomas Exner. 2006 übernahm das Duo auch die Leitung der Wirtschaft-, Finanzen- und Immobilienredaktion der Welt am Sonntag. Im Februar 2009 folgte die Fusion der Print- und Onlineressorts. Im gleichen Jahr wurde er gemeinsam mit Exner und ihrem Stellvertreter Olaf Gersemann mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis für ihr „Kinderleicht“-Projekt ausgezeichnet.

1. Warum sind Sie Journalist geworden?
Weil ich neugierig bin, die ständige Veränderung liebe und irgendwann einmal Schriftsteller werden wollte.

2. Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag, und was war das Thema?
Das war ein Bericht über ein Teckelrennen in meiner Heimatstadt Ratingen für die Westdeutsche Zeitung, 1987. Über eine Bekannte hatte ich den Kontakt zur Redaktion bekommen.

3. Ihre Vorbilder im Journalismus ?
Michael Holzach, der einst die Hutterer in Kanada portraitierte, und 1982 „Deutschland umsonst“ schrieb.

4. Wann ist ein Journalist ein guter Journalist? (Nennen Sie bitte drei Eigenschaften)
Wenn sie/er neugierig und gründlich ist, über gute Menschenkenntnis verfügt und gut logisch denken kann.

5. Wie würden Sie in 140 Zeichen die Herausforderungen für den Journalismus charakterisieren?
Die größte Herausforderung ist es, qualitativ hochwertige Inhalte zu schaffen, für die Menschen auch im Zeitalter der Informationsflut noch bereit sind zu bezahlen.

6. Wie wichtig ist Klatsch?
Ich finde Klatsch meist nervig. Klatsch kann aber ein Themenanstoß sein, wenn ein Kern Wahrheit drinsteckt.

7. Mit welchem Ihrer Merkmale würde man Sie am treffendsten karikieren oder parodieren?
Mit meinem innigen Verhältnis zu Blackberry und Handy.

8. Wo haben es Frauen im Journalismus schwerer und was sollte man dagegen tun?
Frauen haben es vor allem in der Unternehmensberichterstattung schwerer, einen engen Draht zu den immer noch meist männlichen Vorständen aufzubauen. Noch ein Grund also, warum die Wirtschaft weiblicher werden sollte.

9. Was sind Ihre persönlichen (handwerklichen) Stärken und Schwächen?
Integrität, Wahrheitsliebe und Disziplin sind meine Stärken. Schwächen: Manchmal bin ich zu perfektionistisch.

10. Was macht Sie wütend oder ungeduldig?
Ungerechtigkeit macht mich wütend. Und ungeduldig macht mich, wenn eine sinnvolle Entscheidung auf sich warten lässt.

11. Welche sozialen Medien und/oder Netzwerke nutzen Sie und wofür, wo sind Sie selbst Mitglied?
Ich nutze Facebook vor allem für private Kontakte. Bei Twitter bin ich ebenfalls Mitglied, nutze es aber bisher kaum.

12. Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen, und wie würden Sie es titeln?
Eine Frage der Gerechtigkeit: Wie Afrika endlich eine Erfolgsgeschichte werden kann

13. Mit wem würden Sie gerne mal einen Tag die Rolle tauschen?
Mit dem Jazz-Pianisten Keith Jarrett oder dem U2-Leadsänger Bono, am Premiere-Tag der nächsten Tournee

14. Auf welchen Beitrag sind Sie besonders stolz?
Dass ich trotz heftiger Dementis 2001/2002 wiederholt über die Stellenabbaupläne der Deutschen Bank geschrieben habe und am Ende sich alles bestätigt hat.

15. Ihr größter Flop?
Es gibt einen. Aber ich möchte die Erinnerung daran nicht nähren. Zu kompliziert, zu viele Beteiligte, dafür aber sehr lehrreich.

16. Welche Medieninnovation schätzen Sie besonders?
MP3-Player, die Flip-Kamera

17. Was lesen/ hören / schauen Sie morgens als erstes?
Wenn ich joggen gehe: HR-info und Deutschlandfunk. Oder auch Morgenmagazin auf ARD und ZDF oder Märkte am Morgen auf n-tv. Ansonsten die üblichen überregionalen Tageszeitungen. Und natürlich meine Emails

18. Generell: Ihre drei Lieblinge unter den Zeitungen, Sendungen und websites?
Economist, die Sportschau am Samstag, wenn Fußball-Bundesliga ist, www.getabstract.com

19. Ihr liebstes Hobby ?
Musik machen mit meiner Tochter Alexandra und unserer Band „mainkind“.

20. Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?
keine

21. Sind Sie Mitglied einer Partei .- und wenn ja warum, bzw. wenn nein, warum nicht?
Nein, ein politischer oder wirtschaftspolitischer Journalist sollte aus meiner Sicht nicht Mitglied einer Partei sein, weil das die Glaubwürdigkeit in Frage stellen kann.

22. Im nächsten Leben werden Sie …?
Arzt

23. Welcher Rat (und von wem) hat Ihnen auf Ihrem beruflichem Weg besonders geholfen?
Dass ich auf vor allem auf meine Intuition, mein Bauchgefühl hören soll. Das hat mir meine Mutter auf den Weg mitgegeben.

24. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Dass ich ehrlich und integer und für meine Mitmenschen da war

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