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Umfrage: Was sagen die journalistischen Verbände zu Presserabatten?

Die Bahn schafft zum 15. April den Presserabatt für die Bahncard ab – mit dem Argument, das sei nicht mehr “zeitgemäß”. Rabatte wie diesen bekommen Journalisten gegen Vorlage des offiziellen Presseausweises – der deshalb auch gerne als “Rabattheftchen” tituliert wird. Was sagen also diejenigen dazu, die den Presseausweis ausstellen? Wir haben nachfragt (weitere Infos und Meinungen -u.a. auch von Unternehmen wie Airberlin, Otto oder Thomas Cook  – finden Sie im mediummagazin 3 Seite 28f):

Umfrage: Senta Krasser

Hendrik Zörner DJV

Hendrik Zörner DJV, Foto: Michael Ebner

DJV, Hendrik Zörner, Pressesprecher

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Das ist das gute Recht der Bahn, es gibt keinen Anspruch der Journalisten auf Vergünstigungen.

Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Für die Rabatte spricht aus Sicht der Journalisten natürlich die Ersparnis. Doch die Nachteile überwiegen. Egal ob die gesellschaftliche Diskussion über Presserabatte seriös oder unter dem Neidaspekt geführt wird: Journalisten sollten den Anschein der Abhängigkeit oder Voreingenommenheit gegenüber bestimmten Unternehmen vermeiden. Das größte Kapital des Journalismus ist seine Glaubwürdigkeit. Und die darf nicht für 10 oder 15 Prozent Rabatt aufs Spiel gesetzt werden.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Der Presseausweis ist eine Rechercheinstrument und keine Rabattmarke. Darauf hat der DJV schon mehrfach hingewiesen. Er soll Journalisten bei der Arbeit helfen, zum Beispiel bei der Berichterstattung über Unglücke und Katastrophen. Er war zu keinem Zeitpunkt als Türöffner in die bunte Rabattwelt gedacht.

Ulrich Janßen, dju in ver.di

Ulrich Janßen, dju in ver.di

dju in ver.di, Ulrich Janßen, Bundesvorsitzender

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Plausibel. Die Debatte um die Schnäppchenjagd von Altbundespräsident Wulff hat das öffentliche Bewusstsein für den Wert der Unabhängigkeit von Verantwortungsträgern geschärft.

Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Gegen Presserabatte spricht, dass sie auf die Unabhängigkeit von Journalistinnen und Journalisten abzielen. Ob dies Ziel damit erreicht wird, ist dabei nicht entscheidend. Schon das Geschmäckle, das ein unbeteiligter Dritter spürt, ist schädlich. Journalisten sollten allein schon den Anschein von Vorteilsannahmen vermeiden.
Nun sind Journalistinnen und Journalisten nicht auf Rosen gebettet, jedenfalls die meisten nicht. Viele Freiberufler/innen und zunehmend auch fest angestellte Kolleginnen und Kollegen leiden unter rückläufigen Einkünften, etliche unter Dumpinglöhnen/-honoraren. Vor diesem Hintergrund mögen Presserabatte vorteilhaft erscheinen. Die dju in ver.di kämpft um faire Honorare und Gehälter auch deshalb, weil diese zur Wahrung der journalistischen Unabhängigkeit beitragen. An dieser Stelle verzahnen sich Berufspolitik und Tarifpolitik zu unserem Kerngeschäft als Journalisten-Gewerkschaft.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Achtung, Scherzfrage. So mein erster Gedanke. Oder pointierte Provokation? Wie auch immer. Der Presseausweis ist ein Dokument, dass uns professionelle Journalistinnen und Journalisten nicht zuletzt gegenüber der Staatsgewalt ausweist als das, was wir sind: Unabhängige Berichterstatter/innen, die eine öffentliche Aufgabe erfüllen. Der Presseausweis dokumentiert den Anspruch des Inhabers auf die dafür erforderlichen Rechte. Dabei handelt es sich durchaus auch um (berufsbedingte!) Sonderrechte, nicht aber um Vergünstigungen. Der Presseausweis ist kein Rabattbuch, sondern ein Arbeitsmittel.

Rene Stüwe, DFJV

Rene Stüwe, DFJV

DFJV (Deutscher Fachjournalisten-Verband), René Stüwe, Vorstandsmitglied

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Die Entscheidung der Deutschen Bahn können wir im Zuge der Wulff-Affäre nachvollziehen. Letztlich ist es auch eine unternehmerische Entscheidung, die ein Journalistenverband nicht bewerten sollte.

Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Ein Journalistenrabatt ist ein Gruppenrabatt, wie er auch Beamten oder anderen Berufsgruppen gewährt wird. Alle Mitglieder einer bestimmten Gruppe erhalten ohne Gegenleistung eine Vergünstigung. Auf diese Vergünstigungen besteht kein Anspruch. Unternehmen entscheiden also in Eigenverantwortung, ob Sie Rabatte gewähren oder nicht. Problematisch und unzulässig sind jedoch Presserabatte, die an Gegenleistungen gebunden sind oder nur bestimmten Journalisten gewährt werden. Um solchem Missbrauch vorzubeugen, haben wir klare Regeln vereinbart: Presserabatte dürfen nicht im Zusammenhang mit einer journalistischen Berichterstattung genutzt werden.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Der Presseausweis ist und bleibt das Rechercheinstrument von Journalisten mit Blick auf Akkreditierungen oder Auskunftsersuchen. Als „Rabattmarke“ – so wie es aktuell medial vermittelt wird – hat der Presseausweis jedenfalls zu keiner Zeit gedient und hätte, wenn dem tatsächlich so wäre, wohl bis heute kaum überlebt.

(Der DFJV selbst bietet vergünstigte Versicherungen und eine “JournalistenCard”/Visakarte an. Dazu Stüwe: Die „JournalistenCard (Visa)“ ist keine Vergünstigung oder gar ein Rabatt. Über dieses Angebot erhalten DFJV-Mitglieder lediglich eine speziell gebrandete Kreditkarte. Bestimmte Vorteile sind mit der Karte jedoch nicht verbunden. Daher kann dieses Angebot auch nicht mit Presserabatten verglichen werden.)

Erich Laaser, VDS

Erich Laaser, VDS

vds (Verband Deutscher Sportjournalisten), Erich Laaser, Präsident

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Persönlich bedaure ich das. Ich bin beruflich viel mit der Bahn unterwegs und möchte natürlich so günstig wie möglich ans Ziel kommen. Die Begründung „nicht mehr zeitgemäß” leuchtet mir nicht ein. Da hätte ich gerne mehr von der Bahn gehört.

Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Solange ich Journalist bin, gibt es diese Rabatte. Warum? Keine Ahnung. Ich finde, die Vertreter der vierten Gewalt im Staate sollten nicht anders behandelt werden als die der drei anderen. Wer sich über Vergünstigungen für Herrn Wulff echauffiert, sollte nicht im Glashaus sitzend mit Steinen werfen. Ergo brauchen wir keine Rabatte.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Der Presseausweis dient als Nachweis der hauptberuflichen Tätigkeit gegenüber Polizei und Behörden. Er dient als Grundlage der journalistischen Tätigkeit. Wer ihn ausschließlich als Mittel für Rabatte sieht, hat den Sinn des Ausweises nicht verstanden.

Bertram Solcher, Freelens

Bertram Solcher, Freelens

FREELENS, Bertram Solcher, Vorsitzender

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Zuerst einmal ist dies die freie Entscheidung der Bahn. Dass diese Entscheidung der Bahn auch einige reisende Fotojournalisten betreffen wird, ist klar. Dass dies in Zeiten schmaler werdender Honorare nicht schön ist, ist auch klar. Dennoch denke ich, werden die Kollegen diese zukünftigen Mehrkosten verschmerzen können. Vielleicht noch einmal der Hinweis, wir haben 50 Prozent Rabatt ausschließlich auf den Preis der Bahncard 50 bekommen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Ich kann mit dem Begriff Presserabatt nicht viel anfangen. Es gibt oder gab von einigen Firmen Nachlässe für Journalisten, das ist richtig. Diese Nachlässe beziehen sich meist auf Sachen oder Leistungen, die im direkten Zusammenhang mit der Berufsausübung stehen. Dass es auch bei Journalisten Auswüchse gegeben hat, dass Nachlässe für den privaten Gebrauch in Anspruch genommen worden sind, ist bereits seit langem ein offenes Geheimnis. Mit Verlaub, die Bahn ist nicht die erste Firma, die den Presserabatt einstellt, die Vorgänger haben nur nicht ganz so laut getrommelt.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Der Presseausweis ist als Legitimation für arbeitende Journalisten gedacht. Er ist nicht für den privaten Museumsbesuch gedacht. Er ist nicht für den privaten Zoobesuch gedacht. Er ist nicht für den privaten Kinobesuch gedacht. Hätte es all diese Vergünstigungen nicht gegeben, hätten auch nicht so viele unseriöse Geschäftemacher das Modell Presseausweis für sich entdeckt. Wenn wir wieder dahin kommen, dass richtige Presseausweise nur an arbeitende Journalisten ausgegeben werden, was wir bei Freelens übrigens sehr hart kontrollieren, und sich das Geschäftsmodell Presseausweis nicht mehr lohnt, dann haben wir Journalisten wieder ein wertvolles Arbeitsmittel in der Hand. Der derzeitige Zustand, sich immer und überall zusätzlich akkreditieren zu müssen, ist unwürdig.

Anja Pasquay, BDZV

Anja Pasquay, BDZV

BDZV, Anja Pasquay, Pressesprecherin

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Das ist das gute Recht der Bahn.
Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Presserabatte sind – wie Rabatte etwa für Beamte, Ärzte oder Rechtsanwälte – Gruppenrabatte. Unternehmen gewähren sie, weil sie damit eine beispielsweise nach Beruf, Einkommen oder Interessen vergleichsweise homogene Gruppe von Menschen gezielt ansprechen können. Nochmal: Es liegt ganz und gar im Benehmen eines jeden Anbieters, ob überhaupt Presse- oder andere Rabatte gewährt werden.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Der Presseausweis war nie und ist auch heute nicht ein Instrument zur Erlangung von Rabatten! Zunächst einmal dokumentiert er – soweit er von BDZV, VDZ, DJV, dju, freelens und vds ausgestellt wurde – schlicht, dass der Inhaber/die Inhaberin im Hauptberuf journalistisch arbeitet und beispielsweise gegenüber Behörden und Institutionen einen Anspruch auf Auskunft und Unterstützung bei Recherchen hat. Der Presseausweis legitimiert also das journalistische Anliegen und ermöglicht den Zugang. Früher wurde dies obendrein durch die Unterschrift des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz offiziell beglaubigt. Leider ist diese Praxis von den Innenministern aufgegeben worden, so dass inzwischen auch immer mehr Presseausweis-ähnliche Dokumente im Umlauf sind.

Benno Stieber, Freischreiber

Benno Stieber, Freischreiber

Freischreiber, Benno Stüber, Vorsitzender

Frage 1: Die Bahn schafft ihren Presserabatt ab – wie finden Sie das?
Es ist natürlich völlig legitim, einen Rabatt, den man eingeräumt hat, wieder zu beenden. Es gibt kein Menschenrecht auf Journalistenrabatte. Das war schon immer ein erklärungsbedürftiges Privileg von Journalisten. Natürlich steckt dahinter die Absicht von Unternehmen, sich durch Rabatte vielleicht eine bessere Presse zu garantieren. Mein Eindruck ist aber, die Bahn nutzt die Gelegenheit, um diese Sparmaßnahme nach außen hin auch als ethische Maßnahme erscheinen zu lassen.

Frage 2: Was spricht für, was gegen Presserabatte?
Allgemein setzt sich Freischreiber nicht für das Alimentieren von freien Journalisten ein, sondern für eine angemessene Bezahlung ihrer Arbeit. Dann sind “finanzielle Erleichterungen” durch Journalisten-Rabatte, mit denen Konzerne wie die Bahn ja durchaus eine Absicht verfolgen, nicht notwendig.
Die Bahncard ist ein untypisches Beispiel. Sie kommt ja weniger dem Journalisten selbst zugute, sondern ist in erster Linie eine Subvention für Verlage. Denn die Bahncard eines freien Journalisten halbiert die Fahrtkosten, für die der Auftraggeber aufkommen muss.
Eine Medienwelt ohne Presserabatte wäre sicher ein bisschen ehrlicher. Freischreiber unterliegen aber Zwängen. Wir haben seit Jahren mit stagnierenden oder sinkenden Honoraren zu kämpfen. Daher ist jeder, der sein eigener Unternehmer ist, um Kostenbegrenzung bemüht. Deshalb tue ich mich mit dem moralischen Zeigefinger etwas schwer.
Für Festangestellte finde ich Rabatte völlig indiskutabel.

Frage 3: Wozu braucht man noch einen Presseausweis, wenn man damit keine Vergünstigungen mehr bekommt?
Den Zusammenhang zwischen Presseausweis und Presserabatten finde ich unnatürlich. Ein Grund, weshalb die Freischreiber keinen Presseausweis anbieten, ist, dass wir es bedauerlich finden, dass dieser Ausweis eine Art Rabattheftchen geworden ist.

7 Kommentare

  1. Die Freischreiber sind mir sehr sympathisch. Denn offenbar schaffen sie es, journalistisch zu arbeiten ohne Presseausweis.

    Wie machen sie das nur, wenn fast alle anderen Verbände durchgängig sagen, sie bräuchten den Presseausweis unbedingt, damit sie sich als hauptberufliche Journalisten ausweisen können und dann erst einen Anspruch auf Auskunft haben? Habe ich da was falsch verstanden?

    Abgesehen davon ist es bemerkenswert, wenn einerseits die finanziell schwierige Situation vieler Journalisten beschrieben wird und dann sofort folgt, dass der Presseausweis bei den Verbänden hier nur an hauptberufliche Journalisten ausgegeben wird.

    Also kann ein ein Journalist, der von seiner Arbeit nicht leben kann und Geld mehrheitlich anders verdient nie einen Presseausweis erhalten? Das ist eine seltsame Logik.

    Gut dass der Presseausweis auch von anderen Organisationen ausgestellt werden kann, die mehr Realitätssinn haben.

    Oder es sogar Journalisten gibt, die auch ohne Presseausweis journalistisch arbeiten können ….

    Wie sagt der wohl allseits bekannte Herr Nobel? “Von daher ist man gut aufgestellt, wenn man die Arbeit auf viele verschiedene Säulen aufbaut. Dazu gehört neben dem journalistischen Arbeiten auch die Fotografie für Unternehmen im PR-Bereich, um Webreportagen machen zu können.”
    http://mmm.verdi.de/titel/auf-dem-weg-zur-webreportage

    Wenn aber ein Journalist oder Fotoreporter auch PR macht und dies mehrheitlich, dann müsste ihm ja nach dieser Logik der Ausweis wieder abgenommen werden?

    Vielleicht geht es doch um etwas anderes als die Zugangsberechtigung.

  2. […] Bei mediummagazin.de ist ein Artikel erschienen mit Stellungnahmen der meisten relevanten Organisationen, der eine fast ideale rgänzung zu diesem […]

  3. Wenn anständig kalkuliert wird, sind Rabatte tatsächlich überflüssig. Es gibt keinen Grund, warum die nicht Rabattberechtigten die Rabattberechtigten subventionieren sollten. Aber bitte alle gleich behandeln: Keine Beamtentarife bei Versicherungen! Keine Sonderkonditionen für Beamte und Politiker bei Krediten! Keine Altersversorgung ohne eingezahlte Beiträge! etc. pp.

  4. Nach dem Gerangel um Altbundespräsident Wulff und die öffentliche Debatte um Vergünstigungen für Politiker und anderer in der Öffentlichkeit stehender Personen macht die Umfrage von medium:online Sinn.

    Schon seit langem gibt es von verschiedenen Anbietern diverse Rabatte für unterschiedliche Berufsgruppen ob mit oder ohne Presseausweis.

    Doch genau wie viele meiner KollegenInnen betrachte ich den Presseausweis als Rechercheinstrument und nicht alsTüröffner für Preisnachlässe bei Einkäufen.

  5. Natürlich hat die Bahn das Recht, das zu tun.
    Die Begründung klingt fadenscheinig – nicht mehr zeitgemäß……ich vermute, dass sie im Sinne der Aktionäre noch mehr Gewinn machen müssen. Ganz sicher haben Sie überprüft, in welchem Verhältnis die gewährten Rabatte zur Zahl der Veröffentlichungen steht und festgestellt, eine bessere Presse hatten sie dadurch wohl nicht.
    Für uns freie Kollegen ist es natürlich ein Unterschied, ob wir 230 oder 118 Euro dafür ausgeben muss. Zumal sich die Bahncard nur bedingt steuerlich absetzen lässt. Zumindest nicht ohne Nachweise der überwiegend beruflichen Nutzung.

    Das Thema Rabatte generell ist ein Dauerbrenner und wird es bleiben, weil die Redaktionen ihre Etats deutlich kürzen. Wer kann schon so ohne weiteres eine Irak-Reise vorfinanzieren? Oder für Recherchen mal eben von Nord nach Süd und weiter nach Westen reisen.

  6. Ich möchte hier noch auf die im Text vorhandene Frage kommen, wer denn einen Presseausweis erhalten darf. Die Berufsverbände wie Freelens und Co verlangen den Nachweis, dass man von seiner journalistischen Tätigkeit lebt.

    Das würde dazu führen, dass die Menschen, die im verlinkten NDR Beitrag zu Wort kommen, wohl kaum noch darunter fallen.

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/zeitungen_zeitschriften/journalist104.html

    Da sollte man bei Verdi, DJV, Freelens und Co mal drüber nachdenken. Auch wer Hartz 4 erhält kann heute online Journalismus machen, er kann nur nicht davon leben.

  7. Ich kann die Antworten der Kollegen teilweise nicht verstehen.

    Als freie Journalistin, die trotz guter Auftragslage einen Verdienst hat, von dem es sich mehr schlecht als recht leben lässt, leide ich wie viele andere meiner Kolleginnen und Kollegen unter der Aufkündigung der Deutschen Bahn.

    Warum?
    Weil wir – oft ohne bereits abgesegneten Auftrag, von dem wir wissen, dass er auf jeden Fall vom Verlag abgenommen wird – herumreisen MÜSSEN, um Themen zu recherchieren. Falls diese Artikel, die dabei herauskommen, genommen werden, bekommen wir KEINE Fahrtkostenerstattung vmn Abnehmer (Der Zeitung oder Zeitschrift etc.)
    Soweit ich weiß, sind Fahrtkostenerstattungen in den meisten Unternehmen Gang und Gäbe – warum für uns nicht? Natürlich richtet sich diese Kritik primär an die Verlage, nicht an die Bahn.

    Was wir Journalistin tun, ist meiner Ansicht nach im Auftrag der Öffentlichkeit.
    Wir tragen zur Transparenz bei, Transparenz in Politik, Wirtschaft, Verbänden, dem Weltgeschehen usw.
    Eine Transparenz, auf die die Öffentlichkeit ein RECHT hat.

    Es ist KEIN Hobby, herumzufahren und zu recherchieren. Es ist Teil des Berufs, der NICHT bezahlt wird. Einige Freie haben sich schon die Erfahrung gemacht, gerade zu Anfängerzeiten, dass der Obolus, der mit einem Artikel verdient wurde, GERADE so Fahrtkosten und Spesen deckte.
    Die uns – wie bereits erwähnt – kein Schwein ersetzt.

    Wenn die Öffentlichkeit so über unseren Beitrag, den wir leisten denkt, und uns dafür nicht einmal zugesteht, dass wir Dienstfahrten ersetzt bekommen (oder zumindest vergünstigt)
    dann frage ich mich, warum ich überhaupt Journalistin bin.

    Die ganze Debatte ist verletzend. Ein Wulff verdient wahrlich genug, um nicht auf Rabatte angewiesen zu sein.

    Die Mehrheit von uns leider nicht….

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