„Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2025“: Die Erstplatzierten aller Kategorien

Das „medium magazin“ zeichnet Isabell Beer und Isabel Ströh als „Journalistinnen des Jahres“ aus. Mit den Strg_F-Dokumentationen „Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram“ und „Wir finden die Täter“ haben sie der Jury zufolge das Thema des Jahres gesetzt. Die Jury wählt die „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“ (JdJ) in Fach-Kategorien. An der Spitze der jeweiligen Top 10 stehen 2025…
Redaktion: Frederik von Castell, Annette Milz, Antonia Dicke & Olivia Samnick
Lebenswerk
Cathrin Kahlweit

Foto: Friedrich Bungert/SZ
Begründung: Sie ist als Reporterin und Korrespondentin, Blattmacherin und Redakteurin, Zeitzeugin und Publizistin für viele jüngere wie ältere Journalistinnen und Journalisten bis heute Vorbild und Inspiration. Von 1989 bis 2025 hat die Absolventin der Henri-Nannen-Schule in verschiedenen Positionen und Orten für die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – 2007/2008 unterbrochen von einem Exkurs als Leiterin der Talkshow-Redaktion „Anne Will“ (ARD). Sowohl als innenpolitische Redakteurin wie als Korrespondentin und Reporterin im In- und Ausland hat sie sich mit herausragender Kompetenz und eigenem, unverwechselbarem Stil hohe Anerkennung verdient. Das zeigt nicht zuletzt ihr SZ-Beitrag aus dem Ukrainekrieg „Einmal Hölle und zurück“, der hier genannt sein soll stellvertretend für ihre zahllosen eindrucksvollen Reportagen.
Kahlweit, die Politik und Russisch unter anderem am Puschkin-Institut in Moskau studiert hat, vereint auf beispielhafte Weise die Fähigkeit, ihre Kenntnisse aus mehr als 35 Jahren Beschäftigung mit den politischen Systemen Europas und Osteuropas prägnant und zugleich analytisch beeindruckend einer breiten Leser- und Hörerschaft zu vermitteln. Ihre publizistische Tätigkeit ist dabei keineswegs nur auf Politik beschränkt: Als Mutter von drei Kindern hat sie mit ihrem Mann George Deffner unter anderem den unterhaltsamen Ratgeber „Pubertäter: Wenn Kinder schwierig und Eltern unerträglich werden“ geschrieben. Dass sie es wie wenige in ihrer Generation geschafft hat, ihre beruflich herausfordernde Arbeit mit einer großen Familie zu vereinbaren, ist zwar eigentlich Privatsache, soll hier aber nicht unerwähnt bleiben, weil auch das sie zum Rolemodel für die jüngeren Generationen macht.
Chefredaktion national
Gregor Peter Schmitz
Stern

Foto: RTL/Patrick Slesiona
Begründung: Unter ihm hat der „Stern“ an Relevanz, Haltung und Tiefgang gewonnen. Mit großen Gesprächen, Essays und starken investigativen Recherchen sorgte er sogar international für Aufmerksamkeit. Zudem gelang es, den „Stern“ 2025 mit Stern+ auch digital stark zu positionieren. Sein Newsletter „GPS“ sticht mit wichtigen Akzenten und oft erfrischend selbstironischem Stil hervor. Schmitz belegt, dass Qualitätsjournalismus auch in polarisierten Zeiten wirkt und trägt.
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Chefredaktion regional
Anna Hunger
Kontext Wochenzeitung

Foto: Joachim E. Röttgers
Begründung: Seit zwei Jahren leitet Anna Hunger die rund zehnköpfige „Kontext“-Redaktion, die 2011 aus dem Geist des Stuttgart-21-Widerstands entstand. Sie schafft es, den Labor- und Projekt-Charakter, Streitlust, Neugier und Transparenzgebot mit professionellen Ansprüchen und einer vorbildlichen Talentförderung zu verbinden. Ihr unermüdlicher Kampf für journalistischen Quellenschutz ist beispielhaft – weit über die Landesgrenzen hinaus.
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Politik
Robert Pausch
Die Zeit

Foto: Marcus Glahn
Begründung: Mit der „Operation D-Day“-Recherche Ende 2024 hat er einen der wichtigsten politischen Momente der vergangenen zwölf Monate aufgedeckt und die öffentliche Wahrnehmung des Koalitionsbruchs maßgeblich geprägt. Zudem gelingt es ihm immer wieder, mit klugen Essays und Analysen – wie 2025 zu Entwicklungen in der Linken oder in der SPD – parteipolitische Strömungen und strategische Linien besonders gut herauszuarbeiten.
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Wirtschaft
Michael Freitag
Manager Magazin

Foto: Alexander Hagmann
Begründung: Die wichtigste Säule der deutschen Wirtschaft, die Automobilbranche, wankt – umso gefragter sind analytische Chronisten und Szene-Kenner wie er. Mit seinen tief recherchierten und präzisen Artikeln zeichnet der stellvertretende Chefredakteur ein Gesamtbild der Geschehnisse und trägt wesentlich zum Profil des „Manager Magazins“ bei.
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Kultur
Salwa Houmsi
frei

Foto: ZDF/Andreas Pein
Begründung: Sie hat dem Kulturjournalismus 2025 wichtige Impulse gegeben. Als Moderatorin von „Aspekte“ verknüpft sie gesellschaftliche Debatten eindrucksvoll mit Kunst, Pop und Medien und glänzt mit differenzierter Analyse – etwa in der Ausgabe „Wut auf Woke“ zu Identitätsdiskurs, Kulturkampf und Vibe Shift. Mit dem Podcast „House of Houmsi“ etabliert sie eine prägende, persönliche, zugängliche Monologform für ein junges Publikum.
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Wissenschaft
Dennis Ballwieser
Apotheken Umschau

Foto: Philipp Nemenz
Begründung: Der promovierte Arzt wurde 2025 zur Stimme für zwölf Millionen Menschen in Deutschland – mit einer herausragenden Ausgabe zum Thema Adipositas und in seltener Offenheit zur eigenen Betroffenheit, die er auch in seinen Podcasts zeigt. Außerdem setzt er kluge Weichen zur Modernisierung der „Apotheken Umschau“, stärkt evidenzbasierten, verständlichen Gesundheitsjournalismus und fördert verantwortungsvolle KI-Nutzung. Vorbildlich!
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Sport
Andrea Schültke
Frei

Foto: Annika Fußwinkel/WDR
Begründung: Sie hat schon hingesehen, als es für die meisten noch ein Tabu war: physische, psychische und sexualisierte Gewalt im Sport. In zwei Jahrzehnten beharrlichem Dranbleiben, so auch 2025 mit ihren TV-Dokus und Radiobeiträgen zu Missbrauchsfällen im Fußball, Fünfkampf und Springreiten, ist sie zur Topexpertin avanciert, die es nicht bei Kritik belässt: Sie sensibilisiert für Strukturen des Machtmissbrauchs und zeigt Wege zur Veränderung.
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Unterhaltung
Fabian Köster & Lutz van der Horst
Frei/ZDF/Prime Production

Foto: ZDF/Thomas Wolfschläger
Begründung: Das Duo hat besonders mit seinen „Heute-Show“-Specials das an Bad News wahrlich nicht arme Jahr 2025 erhellt. Mit ihrem unverwechselbaren Mix aus pointiertem Witz, kluger Analyse und entwaffnender Schlagfertigkeit thematisieren sie gesellschaftliche und politische Probleme – wie die Umstände der Bundestagswahl oder die deutsche Infrastruktur. Und machen vor, wie frisch und tiefgründig politischer Unterhaltungsjournalismus sein kann.
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Reportage national
Vassili Golod
ARD

Foto: WDR/Annika Fußwinkel
Begründung: Er vereint die Rollen von Kriegsreporter und Studioleiter in Kiew beeindruckend und prägt die deutsche Wahrnehmung des russischen Angriffskriegs nachhaltig. Mit berührenden Reportagen, tiefgehenden Analysen und unmittelbaren Berichten macht Golod 2025 das Drama dieses Kriegs immer wieder greifbar. Zugleich ist er als Gesprächspartner in Talks und auf Podien eine zentrale Stimme in der Debatte über deutsche Außenpolitik.
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Reportage regional
Jana Merkel
MDR

Foto: MDR/Tim Schulz
Begründung: Jana Merkel macht investigativen Journalismus mit hoher Brisanz und Professionalität: Die Reporterin beim Mitteldeutschen Rundfunk widmet sich überwiegend Recherchen zur AfD in einer Region, in der die Partei breiten Boden gewonnen hat. Trotz Angriffen gelingt es ihr, ihren sachlichen Ton beizubehalten und ergebnisoffen zu recherchieren, wie zum engsten Kreis von AfD-Politiker Björn Höcke.
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Team
Marsalek-Rechercheteam

Der Spiegel: Jörg Diehl (Lead), Christoph Giesen, Christo Grozev, Roman Höfner, Roman Lehberger, Fidelius Schmid, Thomas Schulz, Anika Zeller; ZDF Frontal: Joachim Bartz, Ulrich Stoll, Christian Rohde, Johannes Bauer, Katja Belousova. International // Der Standard: Jan Marchart,Laurin Lorenz, Fabian Schmid; Insider: Roman Dobrokhotov (Lead), Michael Weiss
Begründung: Ihnen gelang, woran Behörden und Nachrichtendienste offenbar scheiterten: Jan Marsaleks Leben in Moskau zu enthüllen. Vernetzt, verdeckt und unter realem Risiko vor Ort recherchierten sie, wie der Ex-Wirecard-Manager heute eingebettet ist in russische Schutzstrukturen.
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Sonderpreis
Ellen Heinrichs, Bonn Institute

Begründung:
Alle reden von der journalistischen Notwendigkeit, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. „User Needs“ ist das Schlagwort des Jahres. Das Bonn Institute macht unter Leitung von Gründerin Ellen Heinrichs vor, wie das tatsächlich gelingen kann: innovativ, spielerisch, kreativ – und konstruktiv.
Den Beweis dafür lieferte 2025 das Journalismus-Festival B° future in Bonn: drei Tage im Herbst mit diversen Podien, Workshops, Live-Podcasts und einem Stadtfest zum Thema „Welchen Journalismus braucht unsere Gesellschaft heute und in Zukunft?“. Ein Programm, das Lust macht auf Journalismus – für Medienschaffende wie Nutzer. Keine Kleinigkeit in Zeiten, in denen Newsmüdigkeit und Medienmisstrauen grassieren.
Die Idee zu diesem Format hatte Ellen Heinrichs. Konzept und Umsetzung des Projekts in der zweijährigen Startphase unterstützte Re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl, der Festivalleiterin Ellen Heinrichs berät und mit ihr das aufwendige Programm kuratiert.
Dazu kommen die weiteren Initiativen des Bonn Institute wie das Format „Eine Stunde reden“, das als Dialogspiel unterschiedliche Perspektiven und aktives Zuhören fördern soll. Und seit 2025 das Innovationsprogramm B° local als zehnmonatiges Schulungs- und Coaching-Format für neue, nachhaltige und dialogische Ansätze im Lokalen.
Getragen wird das Bonn Institute durch die vier Gesellschafter Deutsche Welle, Rheinische Post, RTL Deutschland und das dänische Constructive Institute.
In den nur drei Jahren seit der Gründung des Bonn Institute 2022 hat Ellen Heinrichs es mit ihrem Team geschafft, dem Journalismus wichtige, zukunftsorientierte Impulse zu geben.
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Lesen Sie jetzt im medium magazin 06/25:
JdJ 2025: Die Journalistinnen des Jahres. Isabell Beer und Isabel Ströh berichten im Interview von ihren Recherchen in Vergewaltiger-Netzwerken. Alle Journalistinnen & Journalisten des Jahres 2025. Die Ausgezeichneten in sämtlichen Kategorien. Die Unbestechliche. Cathrin Kahlweit erhält den Preis für ihr Lebenswerk.
Medien und Beruf: Top 30 bis 30. So war die Konferenz in München. Meinen die das ernst? Medienschaffende prognostizieren das Jahr 2026 Monat für Monat. „Ein schreckliches Jahr“ für den Journalismus – das sagt Bernhard Pörksen über 2025. Warum sich der Journalismus nicht selbst retten kann, erklärt der Medienforscher im Zukunfts-Interview.
Rubriken: Kurz & bündig und Köpfe & Karrieren. Was sich in der Branche tut. Im Gedenken. Wer 2025 von uns ging. Kiosk. Diese Medien suchen Freie. Presserecht. Wie Medien von Demos berichten und rechtliche Risiken vermeiden können. Innovationscheck. Was und wer hinter „Gerda“ aus Gera steckt. Kurznachrichtendienst. Gavin Karlmeier kommentiert, was sich bei X und Co tut. Einerseits … andererseits. Geht’s bei True Crime überhaupt noch um Journalismus? Tanjev Schultz kontert Pascal Biedenweg. Der reagiert. Fragebogen. Friederike Hofmann: „Keine Entscheidung gegen die ARD …“
Praxis: Sie fanden Jan Marsalek. Weltweit per Haftbefehl gesucht, spürten ihn Journalisten in Moskau auf. Werkstatt-Gespräch mit Jörg Diehl aus dem „Team des Jahres“. 8 Hacks für Telegram. Im „Darknet für die Hosentasche“ finden sich starke Geschichten und Quellen – wenn man weiß, wie. Toolbox. Schick mal schnell: Dateien und Texte auf kurze Distanz von Gerät zu Gerät senden – ganz ohne Kabel und Plattformen.
Um Praxis geht es auch in der neuen „Journalisten-Werkstatt“ von Marius Elfering: Die Langzeit-Recherche. Die „Werkstatt“ liegt im „medium magazin“-Abonnement gratis bei. Einzeln ist sie zudem im Shop erhältlich.
