Fotoreportagen in Zeitungen: Wo sind die Bilder?

Kaum eine Darstellungsform ist derzeit angesagter als die Fotoreportage. Fast jedes Magazin setzt auf ausgeprägten visuellen Journalismus und Fotoreportagen. Warum aber sind opulente Bildgeschichten in so wenigen deutschen Regionalzeitungen zu finden?

Sind Worte im Journalismus mehr wert als Fotos? Wer sich in der deutschen Zeitungslandschaft umschaut, kommt schnell zu einer eindeutigen Vermutung: Ja! Dabei will heute beinahe jedes Medium so „magazinig“ wie möglich daherkommen. Und das bedeutet häufig: bildstark und mit entsprechendem Layout. Während überregionale Zeitungen, allen voran Zeit und Süddeutsche, regelmäßig auf große Fotoreportagen setzen, sind Bedeutung und Potenzial dieses Genres kaum auf regionaler Ebene durchgesickert. Bis auf wenige Ausnahmen veröffentlicht keine deutsche Regionalzeitung regelmäßig ausführliche Fotoessays. Warum ist das so? Wer macht es besser? Was wird gezeigt und welche Chance verpassen jene, die bewusst auf Bildreportagen verzichten?

Eine Spurensuche von Florian Sturm – im aktuellen Heft das Hintergrundstück, hier die Layoutbeispiele dazu:

 
„Emder Zeitung“

Am 28. Juli 2018 veröffentlichte die Emder Zeitung erstmals „eine Fotoreportage nach skandinavischem Vorbild“, so Chefredakteur Stefan Bergmann. Was als Idee für einen Einseiter begann, wurde letztlich auf vier Seiten ausgedehnt.

 

„Weser Kurier“ 1

Reportage über die letzten Fischer an der Mittelweser.

Fotos: Weser-Kurier, Bremen/Jonas Kako

 

 

„Weser Kurier“ 2

Wo finden die Bremer ihr Glück?


Fotos: Weser-Kurier, Bremen/Rafael Heygster

 

 
„Weser Kurier“ 3

„Ein Leben in zwei Welten“ widmet sich dem Alltag von einigen der hunderttausenden Saisonarbeiter, die fernab der Heimat einem Job nachgehen.

Foto: Weser-Kurier, Bremen/Jonas Kako

 

„Darmstädter Echo“

Das Darmstädter Echo widmete dem (noch immer andauernden) Rückbau des Atomkraftwerks in Biblis in der gedruckten Version des Darmstädter Echos ein eigenes, achtseitiges Buch. Zusätzlich entstand eine ausführliche multimediale Reportage im Pageflow-Format, die nach wie vor aktualisiert wird.

 

„Hamburger Abendblatt“

Mit der Serie „Wir Hamburger“ porträtiert das „Hamburger Abendblatt“ regelmäßig die Bewohner seiner Stadt. Reportagigen Charakter hat dieses Format jedoch kaum. Es gleicht mehr einer Bilderseite.

aus: „Jahrbuch Zeitungsdesign 19. Die Ergebnisse des 19. European Newspaper Award“

 

„Main-Post“ 1

In „Ankommen in der Fremde“ zeichnet die „Main-Post“ das Leben eines syrischen Flüchtlings in einer Flüchtlingsunterkunft nach. Text und Bild gehen hier gut Hand in Hand. 

aus: „Jahrbuch Zeitungsdesign 19. Die Ergebnisse des 19. European Newspaper Award“

 

„Main-Post“ 2

Thematisch nicht so stark wie die die Reportage zum Thema Syrien, aber vor allem in puncto „Lokalbezug“ sehr gelungen.

aus: „Jahrbuch Zeitungsdesign 19. Die Ergebnisse des 19. European Newspaper Award“

 

„Politiken“

Die dänischen Tageszeitungen, allen voran „Politiken“ und „Berlingske“, zählen seit Jahren zu den visuell stärksten Blättern weltweit. Ein Drittel des Redaktionsteams ist für die Grafik verantwortlich. Von solchen Verhältnissen sind deutsche Zeitungen vergleichbarer Größe weit entfernt. Von der Qualität der Fotoreportagen meist auch. Themen werden sowohl von festen Mitarbeitern produziert – die dafür weltweit unterwegs sind -, oder von Freien eingekauft. Dieses Beispiel erklärt die Vertreibung der Rohingya in Myanmar.

aus: „Jahrbuch Zeitungsdesign 19. Die Ergebnisse des 19. European Newspaper Award“
 
„Berlingske“ 1

Auch „Berlingske“, die älteste noch erscheinende Tageszeitung Dänemarks, legt großen Wert auf opulente, gut erzählte Fotoreportagen. Das Genre hat, vor allem durch die Journalismusschule in Aarhus, ein weit höheres Standing in der Presselandschaft als in den meisten anderen europäischen Nationen. Hier ein Beispiel zum Thema „Islamischer Staat“.

 
Berlingske“ 2

Es muss nicht immer die große Kriegsreportage sein, sondern kann auch aus ganz anderen thematischen Sphären kommen, wie diese Reportage über Trump-Supporter in Ohio zeigt.

 
 
Die gesamte Analyse von Florian Sturm finden Sie in „Medium Magazin“ 05/2018 – mehr zum Heft hier.