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Warum Jan Spielhagen künftig „Beef“ und Corporate Publishing macht

Von Interview: Mareike Fuchs

Die Kritiken zu „BEEF!“ waren sehr unterschiedlich, an welche erinnern Sie sich noch?

Jan Spielhagen: Die Zeile „Frischfleisch für Besserverdiener“ aus der „taz“ fand ich sehr gelungen, denn „BEEF!“ richtet sich mit einem Preis von 9,80 natürlich eher an Besserverdiener. Außerdem klingt im Wort Frischfleisch ein leicht despektierlicher Umgang mit Frauen durch – was auf den machohaften Ton von „BEEF!“ durchaus zutrifft.

Sie waren früher bei „Mens Health“, nun haben Sie „BEEF!“ erfunden. Warum landen Sie immer wieder bei solchen Macho-Männermagazinen?

Erstens bin ich selbst ein Mann und zweitens unterhalte ich gerne Männer. Männer können stundenlang über den Wasserdruck in einer Espressomaschine fachsimpeln – das liegt mir. Und so machohaft ist „BEEF!“ gar nicht. Auf dem Titel steht exakt eine machohafte Zeile, nämlich: „Kann man eine Frau ins Bett kochen?“ – sogar mit Fragezeichen versehen! Dahinter verbirgt sich ein Interview mit einem älteren Professor, der seit 20 Jahren die Zusammenhänge zwischen Kulinarik und Erotik untersucht. Das Interview könnte ebenso in der „Zeit“ stehen.

„BEEF!“ hat die erste Hürde geschafft: Es liegt am Kiosk, der Markttest läuft. Trotzdem haben Sie gerade den Posten als Chefredakteur für „DB mobil“ und das „VW-Magazin“ angenommen. Zweifeln Sie etwa selbst an Ihrer Erfindung?

Beides hat nichts miteinander zu tun. Die Signale aus dem Handel für „BEEF!“ sind sehr positiv und daher hoffe ich natürlich, dass es regelmäßig erscheinen wird. Aber das Heft soll nur vier Mal im Jahr angeboten werden, zudem handelt es sich um ein Autorenheft – bis auf das Editorial wurde keine Geschichte von der Redaktion geschrieben. Diese Arbeit füllt keinen Chefredakteursposten bei Gruner+Jahr aus.

Inwieweit stehen Ihre unterschiedlichen Rollen – mal als Chef für ein journalistisches Heft und gleichzeitig für Kundenmagazine – im Konflikt zueinander?

Ich sehe da überhaupt kein Problem. Journalisten arbeiten doch wie Schnapsbrenner: Wir destillieren Themen, von denen wir denken, dass sie den Leser interessieren. Im Falle von „DB mobil“ und dem „VW-Magazin“ destilliere ich die Themen ein weiteres Mal: Nicht nur nach den Interessen der Leser, sondern auch nach denen des Kunden. Für mich sind Journalisten Dienstleister am Leser – diese Dienstleistungsmentalität kann ich ebenso auf Kunden wie Volkswagen oder die Bahn anwenden.

Von Gruner+Jahr hörte man in letzter Zeit oft Negativnachrichten. Auch „Healthy living“, das Sie bis vor Kurzem leiteten, wurde ausgelagert. Haben Sie sich in die Sicherheit der Kundenmagazine gerettet?

Kundenzeitschriften müssen sich spätestens nach drei Jahren in Neuausschreibungen, sogenannten „Pitches“ behaupten – sicher ist da gar nichts.

Wie wird es mit „DB mobil“ und dem „VW-Magazin“ weitergehen?

Bevor ich mich dazu äußere, möchte ich erst mal die Redaktion kennenlernen und mich einarbeiten – alles weitere sehen wir Anfang des nächsten Jahres.

Erschienen in Ausgabe 12/2009 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 63 bis 63 Autor/en: Interview: Mareike Fuchs. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.