Archiv » 2010 » Ausgabe 7+8/2010 »

Praxis

Nicht nur Helmut Markwort geht

Dem Tod soll er menschliche Züge verleihen, damit kündigt das Volks-theater Frankfurt den „Hessischen Jedermann“ an. In dem Stück wird Noch-„Focus“-Chef Helmut Markwort (73) den Tod geben, Premiere: 17. Juli (s. a. Seite 6). Markwort wird also auf der Bühne stehen, während seine Redakteure noch bis Ende Juli über ein Abfindungsangebot nachdenken, dass an 280 Mitarbeiter verschickt wurde: 15.000 Euro Sockelbetrag für 40- bis 60-Jährige (wer jünger ist, bekommt die Hälfte) plus eine Brutto-Abfindung, für die das Monatsgehalt mit 0,75 und der Betriebszugehörigkeit multipliziert wird. Einen „Entscheiderbonus“ bekommt, wer bis 30. Juni das Angebot angenommen hatte – 3,5 Monatsgehälter obendrauf. 50 Mitarbeiter sollen so verabschiedet werden – das Ziel scheint schon erreicht. Aber wie wird Neu-Chefredakteur Wolfram Weimer (45) die Redaktion jetzt aufstellen? Werden Ressorts zusammengelegt? In- und Ausland etwa zu „Deutschland und die Welt“? Wird es ein neues Ressort „Investigative Recherche“ geben? Alles interessante Ideen, aber noch nichts spruchreif, heißt es aus dem Verlag. Neueinstellungen werde es jedenfalls erst mal nicht geben. Von „Cicero“ bereits mitgebracht hat Weimer die neue „Focus“-Kulturchefin Christine Eichel (50), die am 1. Mai ihren Posten antrat. Bei „Cicero“ hat sie gezeigt, wie ein kleines Heft mit steilen Thesen für Aufmerksamkeit sorgen kann: Eichel räumte Eva Herman im Frühling 2006 (damals noch „Tagesschau“-Gesicht) ein paar Seiten im Ressort „Salon“ frei, die sie zur Abrechnung mit berufstätigen Müttern nutzte – „Die Emanzipation – Ein Irrtum?“. Eichel half Herman auch, die Polemik zum Buch „Das Eva-Prinzip“ auszubauen. Als sich dann alle aufgeregt hatten, ließ Eichel ein Interview mit der „unerschrockenen Streiterin“ Herman („Cicero“) drucken: „Bedauern Sie, dass Sie sich so weit vorgewagt haben?“ Ob es das war, was Weimer meinte, als er das neue „Focus“-Motto ausgab? Es lautet: „Relevanz, Relevanz, Relevanz.“

Erschienen in Ausgabe 07+08/2010 in der Rubrik “Praxis” auf Seite 58 bis 58. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.