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Praxis

Abschiede, Neuanfänge & Schweigegebot

Keine Zeit oder kein Kommentar?

Nikolaus Albrecht tauschte zum 1. März seinen New Yorker Korrespondentenstuhl bei Conde Nast mit einem Chefsessel bei Willy Bogner. Der 41-jährige – früher u. a. „Vanity Fair“- „Glamour“- und „Lucky“-Chef sowie „Vogue“-Vize-Chefredakteur als neuer Director of Communications beim Münchner Modeunternehmen? Zweifellos eine interessante Personalie. Wie gerne hätten wir daher einiges direkt von ihm erfahren, z. B. was der Wechsel vom Journalismus in die PR für ihn bedeutet, welche Qualifikationen ihm seiner Meinung nach den neuen Job eingebracht haben. Aber der neue Kommunikations-Chef ist zu beschäftigt für solche Kommunikation. Er sei vollauf mit der Planung des nächsten Bogner-Magazins beschäftigt, wie eine PR-Dame des Modeunternehmens freundlich erklärt, auch in den nächsten Wochen sei für ein Interview keine Zeit. Und schließlich sei Albrecht ja auch erst ziemlich frisch dabei – was unserer Neugier und den Fragen aber keinerlei Abbruch getan hätte. Klingt nach Ausrede, finden Sie nicht auch?

Vom Chefkommunikator zum Chef-Berater?

Sein Abschied als Chef der Unternehmenskommunikation von Flughafenbertreiber Fraport ist gerade erst gefeiert worden – und sein Mitarbeiterteam hat ihm (und den Gästen) das mit einem höchst kurzweiligen Filmportrait versüßt. Aber schon macht Dieter Weirich (65), der nach eigenem Bekunden bereits in der Jugend ein Zappelphilipp war, neue Pläne: „Ich schwanke im Moment zwischen einer Tätigkeit als Kolumnist, freier Journalist und Medienberater und einer erneuten Festanstellung. Die Entscheidung, was gut für mich ist, wird bald fallen.“ Auf jeden Fall aber werde sein Hauptwohnsitz künftig Berlin sein. Es geht das Gerücht, er werde bereits in naher Zukunft als Senior Political Adviser für eine große deutsche Agentur arbeiten. Das bestätigt er nicht, sagt aber: „Es gibt entsprechende Angebote von mehreren großen Agenturen.“ Viel mehr Freizeitunternehmungen als seine tägliche Stunde Fitness, ein gelegentliches Tennismatch, ein paar Schwimmbahnen oder Kurzreisen wird sich der frühere Intendant der Deutschen Welle also auch nach seiner Fraport-Zeit nicht gönnen. Was sollte auch kommen nach einem A380-Flug nach New York, an den sich Dieter Weirich die letzten sechs Jahre am Frankfurter Flughafen im Blick, besonders gern erinnert? Genauso wie an die Herausforderung, den Ausbau zu kommunizieren, „was ja letztlich auch immer ein Stück Risikokommunikation ist, oder Dauerkrisenkommunikation“. Blöd, dass die Vulkanasche erst nach seinem Abschied den Flugbetrieb in Frankfurt lahmlegte. Weirich hätte sicher für den nötigen Wind gesorgt.

„Klaus Kocks sagt nichts mehr“

Schreck lass nach! Gerhard A.Pfeffer vom „PR-Journal“ tat kürzlich ganz entsetzt diesen Verlust kund: „Die PR-Branche wird ärmer.“ Klaus Kocks habe ihm auf Nachfrage geschrieben, dass er zum Thema PR „gar nichts mehr sagen“ wolle. „Mein ZAPP-Interview war wirklich das letzte zu diesen Selbstbespiegelungen der Branche. Es ist alles gesagt. Entsprechend habe ich auch meine Kolumne im „prmagazin“ aufgegeben.“ Ein Nachruf hätte nicht schöner sein können als diese Formulierung, die Gerhard Peffer dafür fand: „Es wird ein sezierender Lichtstrahl fehlen.“

Nun ja, ganz so schlimm kommt es nun doch nicht. Der ehemalige Vorstands-Kommunikator von VW und heutige Publizist, Kolumnist, Professor und Geschäftsführender Gesellschafter der CATO Sozietät für Kommunikationsberatung GmbH will zwar tatsächlich „an den Debatten um PR-Ethik und PR für PR oder PR über PR“ nicht mehr teilnehmen und auch nicht mehr für das „prmagazin“ schreiben. „Ich war einfach leergeschrieben, und die Realität der PR hat einen Grad der Groteske und der Niedertracht erreicht, der Satire eigentlich nicht mehr zulässt.“ Aber keine Bange: Er will auch weiterhin „als Publizist oder Meinungsforscher“ von sich hören lassen, in der „FR“, bei starke-meinungen.de und in den Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen. Letzteres zeugt von einem gewissen Mut, seinen Kritikern zu trotzen, den man ihm allerdings nie absprechen konnte. So schrieb Ulrike Posche im „stern“ kürzlich über seinen Auftritt bei „Anne Will“: „Klaus Kocks könnte rein optisch durchaus als Double des Volksschauspielers Willy Millowitsch durchgehen. (…) Und der Herr Kocks sagte Sätze, so klar und rein wie ein Herrengedeck“– das Bild vom Double ist, nun ja, ein bisschen gemein.

Derzeit arbeitet Herr Professor übrigens an einem „neuen, eher kunstgeschichtlichen Buch zum Stifterbild in der Renaissance der Medici“. Die waren der Lebenslust bekanntlich auch nicht ganz abgeneigt. PS: Klaus Kocks lässt wissen: „Ich ahne, dass Sie bangten, mich missen zu müssen: müssen Sie nicht.“ Hach. Erleichterung!

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik “Praxis” auf Seite 74 bis 74. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.