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Medien und Beruf

„Jeder kann mitmachen“

Das Billig-Image haben Microstockagenturen abgestreift. Sie stehen für eine Demokratisierung des Bilderflusses, findet Murat Erimel, Marketingchef bei Fotolia. Er erklärt, warum Amateure und Fotografen von den Portalen profitieren.

Das Angebot der Microstockagenturen wächst und wird zunehmend von professionellen Fotografen bestückt. Wie ist das zu erklären?

Murat Erimel: Unser Bilderpool wächst schnell, da Fotolia mittlerweile sehr bekannt ist und die Bedenken der Fotografen, Verlage und Webdesigner kaum noch bestehen. Anfangs sahen viele ihre Preise gefährdet und wir wurden als amateurhaft dargestellt. Heute wissen sie, dass es sich lohnt, stellen entsprechendes Material bereit und nutzen unsere Bilder. Das Angebot ist professioneller geworden, aber es sind nicht unbedingt mehr ausgebildete Fotografen dabei. Es gibt mittlerweile viele Anbieter, die von ihrem Verdienst über Fotolia leben können, weil sie sich auf diese Art der Bilder spezialisiert haben. Je passender das Angebot dann ist, umso mehr wird es auch genutzt und so findet man Fotolia-Bilder heute fast überall – ob Online oder Print, Redaktion oder Werbung.

Was ist das wirklich andere an Microstockbildern?

Es geht hier um eine Demokratisierung der Zugangswege. Jeder kann mitmachen, kann anbieten und konsumieren. Natürlich kommt dem auch die technische Entwicklung zugute. Die Kameras werden immer besser und sind auch für Amateure bezahlbar. Wir als Anbieter der Plattform für diesen Zugang müssen jetzt nur noch den Traffic besorgen und es ergibt sich eine alternative Verwertungskette zu den großen Bildagenturen.

Wem macht Fotolia Konkurrenz? Mit Pressefotografie hat das doch nichts zu tun.

Unsere Konkurrenten sind die anderen Stockagenturen, die ihre Bilder viel teurer, exklusiv und nach bestimmten Lizenzen verkaufen. Pressefotografie funktioniert anders, ist aktuell und an bestimmte Ereignisse gebunden. Dort haben die abgebildeten Menschen einen Namen und eine Geschichte und stehen nicht symbolisch für ein Thema. Zunehmend bedienen manche Fotografen heute aber auch beides. Sie nehmen tagesaktuelle Aufträge für Zeitungen und Zeitschriften an und machen Fotos für uns. Viele Fotografen haben ein großes Archiv von zeitlosen Fotos, die sie irgendwann mal geknipst haben. Diese Bilder können sie jetzt zu Geld machen. Eine Zweitverwertung ist bei uns kein Problem.

Wo liegt der Unterschied zu anderen Stockagenturen?

Bei uns macht man mit der Menge der Downloads Geld und nicht alleine mit der Qualität und der Exklusivität. Unsere niedrigen Preise sind für die meisten Nutzer das wichtigste Argument. Wir sind eine reine Internetfirma, die keine Kataloge druckt und keine Außendienstmitarbeiter hat. Aber auch weil die Fotografen Aufgaben wie die Verschlagwortung selbst übernehmen, können wir die Bilder günstiger anbieten. Grundsätzlich verkaufen sich gute Bilder natürlich am besten. Wer Microstockfotos nutzt, kennt aber die Bedingungen und weiß, dass die Bilder theoretisch auch bei den direkten Mitbewerbern erscheinen könnten. Gerade für diejenigen, die schnell Bilder benötigen, wie im Onlinejournalismus, überwiegen aber die Vorteile der einfachen Handhabung und dass sich keiner einen Kopf um Verträge und Lizenzen machen muss.

Bei Fotolia zählt aber doch die Masse, wenn man Geld verdienen will?

Ja, aber viele Fotografen verdienen so viel mehr, als wenn sie ein Bild einmal exklusiv verkaufen. Sie stellen das Bild ein und können, wenn es gut läuft, jahrelang daran verdienen. Gleichzeitig schränken wir ja niemanden in seiner Vermarktungsstrategie ein. Man kann bei uns Bilder exklusiv verkaufen oder nicht exklusiv. Man kann Fotos, Grafiken, Videos oder ganze Bilderreihen einstellen und diese können auch schon irgendwo anders erschienen sein. Ob sie gut verkauft werden, entscheidet der Nutzer, und der Anbieter muss den Markt beobachten.

Fotolia hat eine eigene Qualitätskontrolle. Warum?

Jeden Tag werden bei uns rund 30.000 Bilder hochgeladen und viele sind sehr ähnlich. Wenn wir hier nicht gut die Hälfte rausfiltern würden, wäre die Bildermasse zu schnell zu groß und die Auswahl würde für den Nutzer immer aufwendiger. Rein technisch gesehen, müssen die Fotos immer eine bestimmte Größe und Farbtiefe haben, damit wir sie annehmen. Das erledigt aber meistens schon die Kamera selbst und wir können dann verschiedene Auflösungen eines Bildes anbieten.

Wie halten Sie es mit dem Urheberrecht?

Es gelten die gesetzlichen Bestimmungen, dass der Name des Fotografen als Quelle angegeben werden muss. Wer Bilder über uns bezieht, sollte als Copyright immer den Namen plus „fotolia.com“ nennen. Das geben wir vor und die Verlage, die daran gewöhnt sind, halten sich auch daran. In der Werbung ist es schwieriger, hier ist es nicht Usus, dass Fotografennamen direkt beim Bild genannt werden. Bestimmte Rechte müssen aber auch die Fotografen beachten, sie benötigen für eine Veröffentlichung die Erlaubnis von jeder abgebildeten Person. Dafür haften sie selbstständig.

Jana Tashina Wörrle ist freie Journalistin in Berlin.

kontakt@jana-tashina-woerrle.de

Erschienen in Ausgabe 04/202013 in der Rubrik „Medien und Beruf“ auf Seite 63 bis 63. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.