Test: „Handelsblatt“ iPad-App

Vor kurzem startete das „Handelsblatt“ eine iPad-App mit dem Namen „Handelsblatt Live“. Die Themen der gedruckten Zeitung finden sich in der App.

Es gibt Aktualisierungen um 6 Uhr aus New York und um

12 Uhr aus Düsseldorf.

Um 20 Uhr erscheint bereits die Ausgabe vom nächsten Tag.

Die App kann hoch- oder querformatig benutzt werden. Das Layout ist in beiden Formaten identisch angelegt.

Navigation: Man kann links ein Navigationsfeld herausklappen. Irritierend ist dabei, dass alle Artikel gleich aussehen. Ein Zweispalter sieht genauso aus wie ein Aufmacher.

Insgesamt: Im Vergleich von Print und App stellt man fest: Print ist verdammt übersichtlich. Gerade große Themen werden sehr gut über viele Seiten gegliedert und präsentiert. Da hat diese App noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Titelseite und Navigation

Zeitungskopf: Der Zeitungskopf ist kleiner als in der Print-Version. Dort ist er seitenbreit.

Aufmacherbild: Sehr innovativ: Am Freitag ist das gedruckte „Handelsblatt“ immer mit einem Zeitschriften-Cover versehen, das einen Themenschwerpunkt präsentiert. So ist es auch in der App gelöst.

Überschrift: In der App wird die gleiche Schrift benutzt wie in der Print-Version. Die Typografie ist medienkonvergent.

Navigation: Auf jeder Seite ist links oben ein kleines Icon, mit dem man den Navigationsbalken öffnen kann. Er steht immer links und hat eine definierte Breite. Durch die dunkelgraue Gestaltung und die graue Schrift darauf ist das Ganze schlecht lesbar und wirkt deprimierend. Durch weißen oder hellgrauen Hintergrund könnte man einen positiven Eindruck erzeugen.

Ressort-Angaben: Die Ressorts – Tagesthema, Wirtschaft & Politik, Unternehmen & Märkte usw. – stehen hellgrau auf dunkelgrauem Grund. Wenn man ein Ressort anklickt, wird die Typografie weiß.

Überschriften in der Navigationsleiste: Hier stehen Stichworte in Versalien und darunter die Überschrift. Es wird typografisch nicht zwischen Aufmacher und ergänzendem Artikel unterschieden. Der Leser kann nicht erkennen, was Aufmacher und was Nebenthema ist. Hier fehlt die Hierarchie.

Innenseite

Aufmacher: Mit dieser Seite startet der Artikel, der auf der Titelseite als Aufmacher der Zeitung angekündigt wurde. In der Print-Version und in der App ist er am Ende, nämlich im Wochenendteil versteckt.

Bild, Bildtext: Die Visualisierung des Themas ist nicht spannend – also eher langweilig. Der Bildtext steht seitlich unter dem Bild und ist grau – also nicht gut lesbar.

Überschrift: „Immobilien“ ist das Stichwort, „Kaufen oder verkaufen?“ die Überschrift. Erst aus dem Vorspann kann man entnehmen, dass hier nun die 15 Fragen und Antworten sind, die auf der Titelseite angekündigt wurden. Man sieht: Die Überleitung vom Cover zur Topstory ist noch nicht so gut gelungen.

Spitzmarke: Autorenzeile und Datum bilden die Spitzmarke. Das Datum würde dem Leser verraten, ob der Artikel neu oder aktualisiert ist.

Start des Artikels: „Erleben wir am Markt für Wohnraum eine Spekulationsblase?“ In der Print-Version sind die Fragen durchnummeriert, auf dem iPad funktioniert die Nummerierung erst ab Frage drei und vier.

Grundschrift: Sie ist groß genug, aber die Buch-

staben stehen zu nah beieinander. Die Seiten sind statisch angelegt, man kann nicht heranzoomen. Man kann die Schrift nicht vergrößern oder verkleinern. Damit lässt man eine Chance für einen guten Leserservice ungenutzt.

Norbert Küpper ist Zeitungsdesigner ( www.zeitungsdesign.de) und Veranstalter des European Newspaper Award.

nkuepper@layouttipp.de

Erschienen in Ausgabe 04/202013 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 77 bis 77 Autor/en: Norbert Küpper. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.