Gott und die Welt

Indien

Unter Druck des Generals

Britta Petersen, Neu-Delhi

Pakistans Präsident, General Pervez Musharraf, erhält Unterstützung von überraschender Seite. Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate hilft ihm dabei, gegen aufmüpfige Medien im eigenen Land vorzugehen. Die beiden wichtigsten unabhängigen Fernsehsender Pakistans, Geo Television und ARY Digital, operieren beide aus Dubai – und wurden nach Verhängung des Ausnahmezustands Anfang November in Pakistan abgeschaltet. Beide Kanäle sendeten zunächst noch per Satellit und Internet, nachdem die Kabelbetreiber in Pakistan von Islamabad aufgefordert worden waren, die Übertragung einzustellen. Schließlich gab auch die Regierung in Dubai dem Druck des pakistanischen Diktators nach und ließ die Sender schließen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Dubai deshalb vor, seinen internationalen Ruf als unabhängiges Wirtschaftszentrum zu gefährden. „Dieser abstoßende Vorfall stellt Dubais Verlässlichkeit als regionales Medienzentrum in Frage“, so Brad Adams von Human Rights Watch. „Die Welt darf nicht zuschauen, wie Musharraf die Meinungsfreiheit im eigenen Land zerstört – und nun auch noch außerhalb.“

Internet: www.app.com.pk

USA

Free Bilal

Matthias B. Krause, New York

Bilal Hussein musste als Fotojournalist im Irak vielen Gefahren trotzen – aber mit dieser hatte er nicht gerechnet: Am 12. April 2006 nahmen US-Truppen den für die Nachrichtenagentur AP arbeitenden Journalisten in Ramadi fest. Heute, 20 Monate später, befindet er sich immer noch in amerikanischer Gefangenschaft. AP-Anwälte hatten versucht herauszubekommen, was dem Fotografen vorgeworfen wird und wann er angeklagt werden soll. Doch das US-Militär hüllte sich erst in Schweigen, dann verbreitete es widersprüchliche Erklärungen. Im Wesentlichen wirft es ihm offenbar vor, mit Widerstandskämpfern im Irak zusammengearbeitet zu haben. Eine Untersuchungskommission der AP fand dafür keinerlei Anhaltspunkte – und geht inzwischen davon aus, dass die amerikanische Militärführung in erster Linie einen Unbequemen verschwinden lassen will, weil dessen Bilder von der „anderen Seite“ eine Geschichte zeigte, die niemand sehen sollte. Zögerlich nehmen sich nun Journalistenverbände in den USA des Falles an. In deren Diskussionsforen im Internet erheben sich allerdings auch andere Stimmen. Sie glauben, das US-Militär habe schon seine Gründe, so zu handeln. Und es sei unpatriotisch, die Handlungsweise zu kritisieren – eine Message, die die Bush-Regierung seit über sechs Jahren in die Köpfe ihrer Landsleute einhämmert. Offensichtlich mit erschreckendem Erfolg.

Internet: www.freebilal.org

Spanien

Spaniens Selbstkontrolle

Merten Worthmann, Barcelona

Mehr als zwei Millionen Zuschauer hörten und sahen am Nachmittag des 14. November im spanischen Privatsender Antena 3 den Heiratsantrag von Ricardo Navarro. Er kniete sich dafür auf der Bühne der Nachmittagstalkshow „El diario de Patricia“ (Patricias Tagebuch) vor seiner Ex-Freundin Svetlana Orlova nieder. Diese hatte sich eineinhalb Monate zuvor von Navarro getrennt und war über den Überraschungsauftritt ihres ehemaligen Partners vom Sender nicht informiert worden. Die Show-Verantwortlichen hatten außerdem zu recherchieren versäumt, dass Navarro bereits wegen tätlicher Misshandlung seiner Ex-Freundin verurteilt worden war. Orlova lehnte den Heiratsantrag vor laufender Kamera peinlich berührt, aber entschieden ab. Fünf Tage später schnitt Navarro ihr, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die Kehle durch. Der Fall wühlte nicht nur das ganze Land auf, sondern erinnerte die spanische Regierung auch daran, dass die Fernsehanstalten sich erst 2004 zu einer freiwilligen Selbstkontrolle der Sendeinhalte durchgerungen hatten – vor allem der zuschauenden Kinder wegen. Über den laxen Umgang der TV-Kanäle mit den betreffenden Richtlinien war bisher hinweggesehen worden. Die stellvertretende Regierungschefin María Teresa Fernández de la Vega rief umgehend die Sendechefs zusammen und verpflichtete sie zur entschiedeneren Mitarbeit gegen machistische Gewalt. Orlova war 2007 das 70. Todesopfer, das durch den (Ex-)Partner ums Leben kam. In Zukunft werden nun alle Kanäle bei Berichten zu Misshandlungsfällen eine Notrufnummer einblenden, an die sich ebenfalls Betroffene wenden können. „El diario de Patricia“ bleibt inzwischen weiter auf Sendung. Die Produzenten wollen ihre Studiogäste nur künftig genauer nach Vorstrafen befragen.

Internet: http://www.tvinfancia.es/Textos/CodigoAutorregulacion/Codigo.htm

Serbien

Reise einer E-Mail

Danja Antonovic, Belgrad

Manchmal müssen die Nachrichten um die ganze Welt reisen, bis sie den richtigen Empfänger erreichen. Die Reise einer Nachricht, die mich über meinen Laptop erreichte, brauchte rund 6.000 Kilometer, um an ihr Ziel zu kommen. Die Reise begann in Gütersloh, wo der große Bertelsmann sitzt. Das ursprüngliche Ziel war ein Weltreporter in Kopenhagen, der manchmal auch in Berlin ist. An ihn ging die Pressemail, die die bevorstehende Ankunft des kroatischen Präsidenten in Berlin samt einer Konferenz mit diesem ankündigte. Der Weltreporter aus Kopenhagen tat das, was alle Weltreporter tun: Er dachte zuerst an seine Kollegen, insbesondere an die, die von Belgrad aus über Serbien und Kroatien berichtet. Nun, die Kollegin, die ich bin, berichtet zwar aus den Balkanländern, kommt aber selten nach Berlin. Was tun? Sie denkt an ihre WDR-Kollegen in Köln und schickt die Presseeinladung auf den Weg. In Köln ist man froh, denn, obwohl Gütersloh ganz nah und ein Korrespondent in Berlin sitzt – niemand hat von der Ankunft des Präsidenten gewusst. Die Mail wird sofort nach Berlin weitergeleitet. Und, oh Wunder, Dragan erscheint rechtzeitig zur Pressekonferenz, drückt die Hand seines Präsidenten, den er sonst in der deutschen Hauptstadt nicht gesehen hätte. Am Abend wird das Gespräch gesendet, die Weltreporter in Kopenhagen und Belgrad klopfen sich per E-Mail auf die Schulter, mit dem guten Gewissen, schon wieder eine gute Tat vollbracht zu haben. Internet: http:// www.funkhauseuropa.de/sendungen/sprache.phtml?lang=bohrvsrp

Russland

Grenzenlose Bewegungs- freiheit ade

Stefan Scholl, Moskau

Russland engt die Bewegungsfreiheit für Korrespondenten ein. Seit einiger Zeit gelten für sie wie auch für andere Ausländer verschärfte Meldevorschriften: Nichtrussen müssen sich nicht nur binnen drei Tagen nach ihrem Eintreffen an ihrem Aufenthaltsort anmelden, sondern auch jedes Mal abmelden, wenn sie Russland verlassen, oder innerhalb des Landes mehr als 10 Tage auf Reisen sind. Nach ihrer Rückkehr haben sie sich erneut zu melden. Und bei jeder Registrierung muss ihr Gast- oder Wohnungsgeber persönlich anwesend sein. Obwohl der Leiter der staatlichen Migrationsbehörde bei einem Treffen mit ausländischen Korrespondenten Ausnahmen für sie in Aussicht stellte, sind Journalisten als Vielreisende besonders von den Regeln und ihrer oft zweifelhaften Auslegung in der Praxis betroffen. So lehnen es viele Hotels in der Provinz einfach ab, ausländische Gäste nach den aufwendigen neuen Vorschriften anzumelden – ein klarer Regelverstoß. Und an den Inlandsflughäfen kontrollieren jetzt Milizstreifen vermehrt Ausländer: Die Strafe von seinerzeit 50 Rubel (ca. 1,50 Euro) für eine versäumte Anmeldung wurde auf 2000 Rubel (umgerechnet knapp 60 Euro) aufgestockt. Und die Milizionäre kassieren diese Strafe mit Vergnügen ein, auch wenn sie laut Gesetz gar nicht dazu befugt sind.

Internet: http://www.fms.gov.ru/

Tschechien

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott

Kilian Kirchgeßner, Prag

Am Telefon ist seine Stimme kaum zu erkennen. „Dobrý den, tady Karel Gott“, sagt er auf Tschechisch, die Leitung rauscht dazu. Am Abend trete er live im Fernsehen auf, wir könnten uns ja davor auf ei
nen Kaffee am Wenzelsplatz treffen. Ich möchte die Geschichte schreiben von Karel Gott, dem Superstar – und nicht die von Karel Gott, dem Schlagersänger, der auf ewig mit der Biene Maja auf der Bühne steht. In Tschechien ist der Mann, der stark auf die 70 zugeht, so etwas wie ein Nationalheld. Er war es, der im Kommunismus die Hits von Elvis, den Beatles und Frank Sinatra nach Prag brachte – und dafür wird er bis heute verehrt. „Bozsky Karel“ nennen ihn die Tschechen, den „göttlichen Karel“. Während unseres Gesprächs im ansonsten schwach frequentierten Kaffeehaus füllen sich diesmal die umstehenden Tische im Rekordtempo, verstohlen schauen die anderen Gäste herüber. Und sobald ich das Band abgeschaltet habe, stürmen sie los an unseren Tisch, um ein Wort mit ihrem Helden zu wechseln. Und die Rechnung übernimmt am Schluss der Oberkellner höchstselbst – „wenn Sie mir dafür ein Autogramm schreiben könnten, Meister!“ Meister nennen ihn hier alle. Es ist der höchste inoffizielle Ehrentitel, den die Tschechen kennen. In der Geschichte des Landes haben sie ihn exakt zwei Mal vergeben: Neben Karel Gott trägt ihn nur Jan Hus, der böhmische Reformator aus dem Mittelalter.

Internet: www.karelgott.com

Weltreporter

Serie: Die Nachrichten rund um den Globus aus verschiedenen Ländern werden regelmäßig im „medium magazin“ veröffentlicht. Die Autoren sind Mitglieder von Weltreporter.net. Homepage: www.weltreporter.net, eMail: cvd@weltreporter.net.

Erschienen in Ausgabe 1/2008 in der Rubrik „Weltreport“ auf Seite 46 bis 73. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.