Test: „Landlust“

„Landlust“ hat eine verkaufte Auflage von 1.010.873 Exemplaren (IVW 1/2012). Die Zeitschrift erschien im November 2005 zum ersten Mal. Sie erscheint beim Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup. Der Verlag gibt eine große Anzahl von Fachzeitschriften für die Landwirtschaft heraus. Der bekannteste Titel ist „Top Agrar“.

Dem Verlag und der Chefredakteurin Ute Frieling-Huchzermeyer ist mit dieser Zeitschrift ein fantastischer Coup gelungen. Die redaktionelle Mischung ist offenbar so genial, dass die Auflage weiter und weiter steigt.Zudem sind eine Reihe anderer Verlage auf den Zug aufgesprungen und bringen sehr ähnlich klingende Titel heraus: „Land & Berge“, „Land Genuss“, „Land Idee“, „Liebes Land“, „Mein Schönes Land“.

Titelseite

Schiftzug: Der erste Teil ist serifenlos und sachlich, nüchtern. Der zweite Teil ist handschriftlich und emotional, verspielt. Eine schwarze Schattenkante setzt ihn vom Untergrund ab. Einfach, aber perfekt.

Aufmacherbild: Es werden Aurikeln in Töpfen als Blickfang eingesetzt. Das Coverfoto wirkt insgesamt mittelgrün bis bräunlich, nicht bunt. Für die Frühlingsausgabe hätte man sich auch knalligere Farben vorstellen können. So wie es sich jetzt darstellt, wirkt das Cover sehr wertig und verweist auf die Arbeit, die im Garten wartet. Es hätte nicht geschadet, etwas näher an die Blüten heranzuzoomen.

Headlines: Über eine Million Exemplare verkaufen sich nahezu ohne Überschrift. „Topf & Kiste“ ist der größte Text. Kein wirklicher Kaufanreiz. Durch die minimalistische Gestaltung strahlt das Cover Ruhe und Entspannung aus. Umgekehrt: Je mehr Headlines auf dem Cover stehen, desto hektischer wirkt eine Titelseite.

Eingeklinkte Bilder: Die beiden kleinen Bilder links haben überhaupt keinen Text. Auf dem oberen sind Kinder, darunter eine Bärlauch-tarte. Wenn schon Bilder, dann auch mit einem kurzen Text, der klarstellt, was es Tolles im Innern zu lesen gibt.

Doppelseite

Bilderleiste: Rechts ist das größte Bild und links sind kleinere Detailbilder zu einem Block arrangiert. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass der Vogel aus Holz geschnitzt ist. Die Überschrift unter dem Bild erklärt es dann. Gute Kombination aus Bild und Überschrift.

Überschrift: Mal sind sie in Groß- und Kleinschreibung, mal in Versalien. Hier ist kein System erkennbar. Die Headline-Schrift ist handschriftlich beeinflusst, was dem Inhalt entspricht: Es werden schließlich viele Tipps und Anleitungen zum Selbermachen gegeben.

Textbeginn: Der Artikel beginnt auf der linken Seite. Dieses Layout ist nicht so genial, denn auf diese Idee muss der Leser erst mal kommen. Der Initial-Buchstabe hilft da auch nicht. Besser: Man hätte den Artikel komplett drehen, also links mit dem großen Foto und der Überschrift beginnen können. Der Text hätte dann einfach unter der Überschrift starten können.

Bildtexte: Nach Lehrbuch hat jedes Bild einen eigenen Bildtext. Hier fehlen also drei Bildtexte. Der Leser wird nie erfahren, welche Vogelarten auf dem Aufmacherbild und in der Leiste unten rechts geschnitzt wurden.

Grundschrift: Es ist eine Schrift mit Serifen, die relativ breit läuft. Die Spaltenbreite von 85 mm sorgt in Kombination mit dem Flattersatz für entschleunigten Lesespaß.

Der Schnitzer: Schade, dass der Vogelschnitzer

so klein abgebildet wird. Bei diesem Bild hätte man auch näher heranzoomen können.

Norbert Küpper ist Zeitungsdesigner ( www.zeitungs-design.de) und Veranstalter des European Newspaper Award.

nkuepper@layouttipp.de

Erschienen in Ausgabe 04+05/202012 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 61 bis 61 Autor/en: Norbert Küpper. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.