Ein besonderes Jubiläum

münchen. Vor genau zwanzig Jahren, Ende März 1993, wurde in München der Verein „Journalisten helfen Journalisten“ gegründet. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten zu unterstützen, die infolge ihrer professionellen Arbeit in Not geraten sind.

Tag für Tag erfahren wir unentwegt, auch über die diversen „Newsletter“ verschiedener Human-Rights-Organisationen, von verfolgten, bedrohten, verwundeten, untergetauchten, geflüchteten, verhafteten oder getöteten Journalisten. Viele Nachrichten können wir nur zur Kenntnis nehmen, weil wir als kleiner Verein personell wie finanziell an Grenzen stoßen. Und wo man vielleicht helfen kann, spürt man auch eine große Verantwortung – zum Beispiel, wenn man jungen Iranern hilft, die Flucht aus dem Iran über die Türkei nach Deutschland zu organisieren, oder einen ägyptischen Blogger finanziell bei einer schweren Augenoperation unterstützt.

Weil die Bedrohungslage von Journalisten in den mittelamerikanischen Staaten derzeit so dramatisch ist, sei einmal ein Hilfe-Beispiel aus Honduras vorgestellt. Ein Mitglied des weltweiten Netzwerks ‚„Journalists in Distress“ erfährt von Todesdrohungen gegen eine Journalistin, die über das Wirken eines lokalen Drogenkartells in Tegucigalpa recherchiert. Die Information wird an die Koordinationsstelle von JiD in Toronto weitergeleitet und von dort unter alle Mitglieder des weltweiten Hilfsnetzes für Journalisten gestreut. Welche Hilfe kann für die Journalistin organisiert werden, einschließlich eines möglicherweise notwendigen Untertauchens in einem anderen Land? Sind finanzielle Hilfen für sie und ihre Angehörigen notwendig, wer ist der Adressat für Appelle für einen Sicherheitsschutz der Journalistin? Wer könnte sie etwa in Deutschland für einen begrenzten Zeitraum aufnehmen? Besteht die Möglichkeit eines politischen Asyls der bedrohten Kollegin in Deutschland? Wie kann man eine schnelle und kompetente Öffentlichkeitskampagne in deutschen Medien starten?

Da JhJ inzwischen mit den großen deutschen Medien und Nachrichtenagenturen in Kontakt steht, kann auch schnell eine Öffentlichkeit für Einzelfälle mobilisiert werden.

Dass man mit diesen großen und kleinen Hilfsaktionen für in Not geratene oppositionelle Einzelne oder Gruppen keine Strukturen ändert, keine Diktatoren stürzt, keine Waffenindustrien abschafft, keine Drogenkartelle zerstört, hören wir immer wieder als Einwand gegen diese humanitäre Hilfe. Aber wäre ein zynische und sarkastische Passivität eine Alternative zu dem Eingeständnis, nur wenig mit diesen Hilfsprojekten bewirken zu können?

Joel Simon vom amerikanischen ‚Comittee to protect Journalists’, mit dem JhJ seit Jahren eng zusammenarbeitet, hat jüngst sehr gut formuliert, warum der Journalismus so wichtig und faszinierend sein kann, aber auch so gefährdet ist: „Diese Welt braucht aber uns Journalisten mehr als jemals zuvor. Wir Journalisten haben eine unverzichtbare Rolle. Ich glaube allerdings auch, dass die dunklen Kräfte wie repressive Regime, kriminelle Banden und militante Gruppen alles daran setzen werden, die Arbeit von Journalisten zu verhindern.“ Deshalb sind unabhängig und hartnäckig recherchierende Journalisten so wichtig. Und deshalb ist es auch so wichtig, daß sie sich auf den ‚solidarischen Schutzschirm’ von ‚Journalisten helfen Journalisten’ verlassen können.

Medium:Online

Mehr Infos über „Journalisten helfen Journalisten“ siehe Rubrik „Hilfe“ auf: www.mediummagazin.de

Erschienen in Ausgabe 03/202013 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 6 bis 6 Autor/en: Carl-Wilhelm Macke. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.