Medium Magazin 06/25
EDITORIAL / Frederik von Castell, Chefredakteur
Ausdauer wird früher
oder später belohnt …
Jahrelang am selben Thema dranzubleiben – das ist verdammt schwer. Erst recht, wenn sich Recherchen nicht nur als technisch und juristisch kompliziert erweisen, sondern auch psychisch herausfordernd werden – weil sie in tiefe Abgründe blicken lassen. Wer solche Hürden in bester investigativer Manier nimmt, dient als Vorbild für eine Branche, die sich im KI-Zeitalter mehr denn je beweisen muss. Journalismus kann sich von AI Slop und Influencer-Marionetten schließlich am deutlichsten in der öffentlichen Wahrnehmung absetzen, wenn er Unbekanntes zutage fördert, statt Bekanntes zu reproduzieren. Gerade auf einer seiner Ur-Tugenden – dem Aufdecken von Missständen – ruht deshalb die Hoffnung vieler für die Zukunft des Berufsstandes.
Das diesjährige Votum unserer „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“-Jury könnte deshalb kaum wegweisender sein. Mit Isabell Beer und Isabel Ströh wählte sie zwei junge Investigativreporterinnen als Siegerinnen. Das Votum für Beer und Ströh, mit denen wir im Titel-Interview über ihre Strg-F-Dokus zu Vergewaltiger-Netzwerken sprechen, belegt die enorme Bedeutung von beharrlicher Recherche. Die zeigt sich auch in weiteren Top-Platzierungen unserer Rankings: Der lange Atem vieler Kolleginnen und Kollegen bei der Recherche machte sich in diesem Jahr besonders bezahlt – für den Journalismus, vor allem aber für die Gesellschaft.
Solche Langzeit-Recherchen erfordern akribische Planung, Ressourcen und Ehrlichkeit zu sich selbst: Habe ich wirklich die Ausdauer, ein anspruchsvolles Thema womöglich jahrelang zu verfolgen? Was es alles braucht, um Menschen lange zu begleiten und daraus gute Geschichten zu machen, lesen Sie in der neuen „Journalisten-Werkstatt“ von Marius Elfering.
Tipps, Prognosen und Wünsche für 2026
2025 sei „ein schreckliches Jahr“ für den Journalismus gewesen, „gezeichnet von einem merkwürdigen Widerspruch“: Aufklärerischer Journalismus werde wichtiger denn je – und sei doch in seiner Existenz so bedroht, dass es „naiv wäre zu glauben, der Journalismus könnte sich aus eigener Kraft retten“. Zugegeben: Das Gespräch mit Bernhard Pörksen zu dem, was Medienschaffenden 2026 bevorsteht, hatten wir uns ein wenig, na ja, optimistischer erhofft. Immerhin sagt der Medienforscher aber auch: „Pessimismus ist reine Zeitverschwendung“ – und spricht mit Wolfgang Scheidt über konkrete Stellschrauben, mit denen sich Redaktionen im kommenden Jahr beschäftigen sollten.
Einen anderen Zugang zum Blick in die Zukunft haben wir erstmals Ende 2024 gewagt – und für unseren „Jahresvorausblick“ viel Zuspruch erhalten. Mit großer Vorfreude sind wir deshalb in Runde 2 gegangen: Senta Krasser hat wieder zwölf Kolleginnen und Kollegen, darunter Anja Rützel, Nicole Diekmann, Lorenz Meyer oder Anne Will, um ihre nicht ganz ernst gemeinten Prognosen für das neue Jahr gebeten – und sie haben geliefert!
Auch ohne Blick in die Glaskugel weiß ich: Unser beliebtes „Medien Camp“ wird am 23. und 24. April 2026 zum dritten Mal stattfinden. Wir bereiten derzeit das Programm, das für Studis und Volos kostenfrei in der Kulturbrauerei Berlin stattfinden wird, vor. Wer bei den Sessions, Ask-Me-Anythings und Workshops von und mit Medienprofis dabei sein will, kann sich jetzt Tickets sichern: medien-camp.com.
Wir werden 40 – und Ihre Mithilfe ist gefragt
Worauf wir mindestens genauso begeistert hinarbeiten: Das „medium magazin“ wird 40! In der ersten Ausgabe des neuen Jahres Mitte März werden wir das kräftig feiern. Schicken Sie uns, wenn Sie mögen, gerne Fotos und Erinnerungen an frühere Ausgaben und Veranstaltungen, Ihre Gedanken zum „medium magazin“ im Lauf der Zeit – und vielleicht ja auch Glückwünsche! Gerne per Mail an recherche[at]mediummagazin.de. Zum Geburtstag werden wir Sie, Euch und uns übrigens groß beschenken. Aber dazu mehr 2026!
Und nun noch zwei bescheidene Wünsche zum Ende des Jahres: Wenn Sie unsere Arbeit schätzen und noch ein Weihnachtsgeschenk für sich oder andere suchen – wir freuen uns wirklich über jede neue Abonnentin und jeden Abonnenten.
Und genauso sehr freuen wir uns über Feedback zu unserer Arbeit – melden Sie sich gerne in den Socials oder per Mail an redaktion[at]mediummagazin.de. Denn auch 2026 gilt: Lob tut gut, Kritik bringt uns weiter. Kommen Sie gut ins neue Jahr!
Herzlich
Ihr Frederik von Castell

Lesen Sie jetzt im medium magazin 06/25:
JdJ 2025: Die Journalistinnen des Jahres. Isabell Beer und Isabel Ströh berichten im Interview von ihren Recherchen in Vergewaltiger-Netzwerken. Alle Journalistinnen & Journalisten des Jahres 2025. Die Ausgezeichneten in sämtlichen Kategorien. Die Unbestechliche. Cathrin Kahlweit erhält den Preis für ihr Lebenswerk.
Medien und Beruf: Top 30 bis 30. So war die Konferenz in München. Meinen die das ernst? Medienschaffende prognostizieren das Jahr 2026 Monat für Monat. „Ein schreckliches Jahr“ für den Journalismus – das sagt Bernhard Pörksen über 2025. Warum sich der Journalismus nicht selbst retten kann, erklärt der Medienforscher im Zukunfts-Interview.
Rubriken: Kurz & bündig und Köpfe & Karrieren. Was sich in der Branche tut. Im Gedenken. Wer 2025 von uns ging. Kiosk. Diese Medien suchen Freie. Presserecht. Wie Medien von Demos berichten und rechtliche Risiken vermeiden können. Innovationscheck. Was und wer hinter „Gerda“ aus Gera steckt. Kurznachrichtendienst. Gavin Karlmeier kommentiert, was sich bei X und Co tut. Einerseits … andererseits. Geht’s bei True Crime überhaupt noch um Journalismus? Tanjev Schultz kontert Pascal Biedenweg. Der reagiert. Fragebogen. Friederike Hofmann: „Keine Entscheidung gegen die ARD …“
Praxis: Sie fanden Jan Marsalek. Weltweit per Haftbefehl gesucht, spürten ihn Journalisten in Moskau auf. Werkstatt-Gespräch mit Jörg Diehl aus dem „Team des Jahres“. 8 Hacks für Telegram. Im „Darknet für die Hosentasche“ finden sich starke Geschichten und Quellen – wenn man weiß, wie. Toolbox. Schick mal schnell: Dateien und Texte auf kurze Distanz von Gerät zu Gerät senden – ganz ohne Kabel und Plattformen.
Um Praxis geht es auch in der neuen „Journalisten-Werkstatt“ von Marius Elfering: Die Langzeit-Recherche. Die „Werkstatt“ liegt im „medium magazin“-Abonnement gratis bei. Einzeln ist sie zudem im Shop erhältlich.

