Hintergrund

Reporter national 2014: die Laudatio

Der Mitbegründer und Leiter der Zeitenspiegel-Reportageschule, Philipp Maußhardt, laudatiert den Reportern des Jahres 2014 – Annette Ramelsberger von der „Süddeutschen Zeitung“, Christoph Reuter vom „Spiegel“ und dem freien Autoren Navid Kermani:

Philipp Maußhardt

Mit der Auszeichnung „Reporter des Jahres“ werden in diesem Jahr drei Autoren ausgezeichnet, dafür, dass sie hingingen, wo andere nicht hingehen oder sitzen blieben, wo andere schon wieder gingen. Es überrascht nicht, dass zwei der drei Ausgezeichneten Islamwissenschaften studierten.

Narvid Kermani, dritter Preisträger, Reporter, Schriftsteller und Orientalist, hat mit seiner dreiteiligen Serie im Spiegel über den Irak entlang von ethnischen und religiösen Trennlinien ein erschütterndes Bild über ein ausgeblutetes Land gezeichnet und gleichzeitig durch seine fundierten Kenntnisse von Religion und Gesellschaft die Vielschichtigkeit des Konflikts erklärt.

Christoph Reuter, zweiter Preisträger und ebenfalls für den Spiegel unterwegs, geht seit vielen Jahren ein hohes persönliches Risiko ein. Seine Reportagen aus den Krisengebieten dieser Welt schockieren nicht, sie berühren uns, weil sie die Auswirkungen von Gewalt auf die Zivilbevölkerung, auf einzelne Menschen zeigen. In Aleppo, wo sich Reuter mehrfach aufhielt, ist der Tod von Nachbarn und Freunden fast schon zu einem beiläufigen Ereignis geworden.

Reuter, Ramelsberger

Den ersten Preis jedoch erhält Annette Ramelsberger, nicht für eine einzelne Reportage, sondern für eine ganze Serie von Gerichtsreportagen aus dem NSU-Prozess in München. Zusammen mit ihren Kollegen Tanjev Schultz und Rainer Stadler von der Süddeutschen Zeitung hat sie seit Beginn des Prozesses am 6. Mai 2013 den Gerichtssaal 101 des Münchner Oberlandesgerichts zu ihrem zweiten Wohnsitz erklärt. Mehr als 180 Prozesstage sind bis heute vergangen, zwei Dokumentarfilme mit den Protokollen von Ramelsberger und Co. inzwischen erschienen. Das Versagen auch der deutschen Medien über die Jahre der Mordserie der NSU ist damit nicht wettgemacht. Aber Annette Ramelsberger hat den Opfern dieser Mörder zumindest ein Stück Würde zurückgegeben. Mit dem Preis ist die Hoffnung verbunden, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für diesen Prozess wieder den Stellenwert bekommt, der ihm gebührt.

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