Die aktuellen Lesetipps

Lokal-Matadoren

Sonja Kretzschmar / Wiebke Möhring / Lutz Timmermann, Lokaljournalismus, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, 188 S., 19,90 Euro

kretzschmar_lokaljournalismus_jpgDer klassische Berufseinstieg gelingt nach wie vor über den Lokaljournalismus, in dem in Deutschland auch heute noch die Mehrheit der Journalisten tätig ist. Der Band „Lokaljournalismus“ hält ein Plädoyer für ein Arbeitsfeld, das häufig als eher lästige vermeintliche Durchgangsstation in Kauf genommen wird. Dabei wartet das Lokale nach Ansicht der Autoren mit einer Reihe von Vorteilen auf, wie Möglichkeiten zum Ausprobieren und der medialen Alleinstellung zahlreicher Lokalzeitungen. Aus letzterer folge ein oft erheblicher Einfluss auf die Meinungsbildung vor Ort. Überhaupt schreibe und redigiere der Lokaljournalist viel – in Zeiten des Multi-Taskings längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Standortbestimmung des Lokaljournalismus richtet sich sowohl an alte Hasen als auch an Anfänger, die schnell eines feststellen werden: Im Lokalen wird lange gearbeitet. Da Volontären in der Regel heute keine Festanstellung mehr winkt, weisen die Verfasser auf das Defizit hin, dass die Ausbildung nichts oder wenig über den erfolgreichen Schritt in die Selbständigkeit vermittle.

Freie unter der Lupe

Michael Meyen und Nina Springer in Kooperation mit dem DFJV. Freie Journalisten in Deutschland, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2009, 185 S., 29 Euro

Die Frage „Was Sie schon immer über freie Journalisten wissen wollten“, beantwortet jetzt ein Report, der auf einer Online-Befragung von 1600 freien Journalisten basiert. Initiator war im Frühjahr 2008 der Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV). Der Freie, das bislang unbekannte Wesen, ist in seinem Status zwar nicht eindeutig zu definieren. Im Lichtkegel der Untersuchung aber kommt zum Vorschein: Freie Journalisten sind gut ausgebildet und schlecht bezahlt, aber trotzdem ganz zufrieden mit Beruf und Auftragslage. Als Kontrapunkt zum klassischen Einzelkämpfertum hat sich im November 2008 die Interessenvertretung „Freischreiber“ gebildet – die Studie belegt einen großen Bedarf an Netzwerken. Freie werden mit Interesse lesen, wie es „den anderen“ so ergeht. Das betrifft zum Beispiel die Frage „freiwillig frei?“ oder die – nur annähernd zu ermittelnde – Arbeitszeit. Während Alleinerziehende oder entlassene Redakteure oft quasi in die Freiberuflichkeit gedrängt werden, gibt es auf der anderen Seite die Individualisten. Bezeichnend die Antwort eines freien Journalisten: eine Festanstellung müsse man sich „gut überlegen“, sei sie doch auch mit „Unkreativität“ und „bürokratischem Kram“ verbunden.

Polit-Brille

Moritz Ballensiefen, Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder. Die Funktion von Pressefotos im Bundestagswahlkampf 2005, , VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, 458 S., 29,90 Euro

BoD_B2-Ballensiefen_16488-5-28Die Kommentierung des politischen Geschehens ist eine der wichtigsten Aufgaben von Zeitungen. Dass aber auch die Bildauswahl den Charakter eines Kommentars annehmen kann, hat der freie Journalist und PR-Berater Moritz Ballensiefen am Beispiel des Bundestagswahlkampfes 2005 untersucht. Während die „Financial Times Deutschland“ eine explizite Wahlempfehlung aussprach, ließ sie insofern Gerechtigkeit walten, als sowohl Angela Merkel als auch Gerhard Schröder stark überdurchschnittlich negativ dargestellt wurden. Zwar werde das Bild häufig und intensiv dazu genutzt, um eine politische Tendenz zu transportieren. Hieraus folgten aber keineswegs durchgängige Darstellungsmuster eines Kandidaten, sondern die Darstellung verändere sich abhängig von verschiedenen Phasen. Inwieweit Medienbilder die Wahlentscheidung beeinflussen, bleibe noch zu erforschen. Fest steht für den Autoren aber die Wichtigkeit der „Macht über die Bilder“ – denn Bildverlust komme in einer Mediendemokratie einem Machtverlust gleich.

Der Autor: Bernd Stößel ist freier Journalist in Frankfurt.