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Medium Magazin 06/2020

EDITORIAL / Annette Milz, Chefredakteurin

 

Lasst uns die Chancen nutzen

Zeit für eine Bilanz –und Zeit für Veränderungen. Auch in eigener Sache.

  Wie wir wohl in ein paar Jahren auf dieses 2020 zurückschauen werden? „Die Pandemie verändert alles“ – diesen Spruch haben wir ja oft genug gehört im zurückliegenden Jahr. Wirklich alles? Sicher nicht. Aber wenn sich ein paar Dinge im Journalismus dauerhaft ändern würden, wäre das sogar ein Gewinn: > Mehr Nachhaltigkeit. In der Hektik der Alltagsroutine geht zu oft unter, wie sehr die Menschen an Fortsetzungen unserer Geschichten interessiert sind. Das gilt erst recht im Lokalen. Dort hat die Pandemie nun erzwungen, was Vordenker der Branche schon lange fordern: eine Wende vom Termin- zum Themenjournalismus. Es entpuppt sich als Fortschritt. Weiter so!  

> Weniger Aufgeregtheit und Skandalisierung, mehr Grautöne – ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber der Erfolg unserer Journalistin des Jahres, Mai Thi Nguyen-Kim, ist der beste Beweis, dass Substanz und gute Erklärungen gefragt sind beim Publikum. Ihr 22-minütiges Video „Corona geht gerade erst los“, in dem sie wissenschaftlich komplexe Zusammenhänge erklärt, ist in Deutschland zum meistgeklickten Youtube-Clip des Jahres geworden – und das liegt nicht nur an der Aktualität des Themas (siehe Seite 10 und 30).

> Mehr Mut. Seien wir doch ehrlich: Viele andere Branchen mussten sich viel früher als die Medien harten Herausforderungen durch die Digitalisierung und die Globalisierung stellen. Wer das nicht tat, hat es in den seltensten Fällen überlebt. Mit Abwehrhaltung kommt jedenfalls niemand durch diese Zeiten. Das gilt auch, erst recht, für den Umgang mit Google und Co. Statt eine Feindeshaltung zu kultivieren, gilt doch: Nur wer eigene überzeugende Konzepte anzubieten hat, wird bestehen beim Publikum. Dafür braucht es Ressourcen in den Redaktionen, Mut für Experimente, die eben auch mal scheitern. „Vorwärtsirren“ nennt man das in der Wissenschaft.

„Die Zeit der Gatekeeper ist vorbei“ – auch so ein Spruch, der uns nun aber schon seit 30 Jahren begleitet. Was das wirklich für den journalistischen Beruf bedeutet, besser gesagt bedeuten sollte – damit tun sich nicht wenige bis heute schwer. Natürlich birgt die Digitalisierung Gefahren, aber sie hat doch gerade uns Journalistinnen und Journalisten so viele neue, noch lange nicht ausgeschöpfte Ausspiel-Möglichkeiten eröffnet. Lasst uns die Chancen nutzen, die Veränderungen bieten!

Das gilt auch für das medium magazin: Ab der kommenden Ausgabe trägt Alexander Graf die redaktionelle Verantwortung. Der 34-Jährige hat in Heidelberg Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie studiert, weitere Stationen waren Rom und London. Journalismus hat er von der Pike auf gelernt und weiß genau, was es heißt, nah an seinen Leserinnen und Lesern zu sein: Graf hat bei der Rheinpfalz in Ludwigshafen volontiert und anschließend dort als Lokalredakteur gearbeitet – bevor er sich 2019 für die Selbstständigkeit entschied. Als freier Journalist hat er sich rasch mit Themen aus Medien, Wissenschaft und Gesellschaft einen Namen gemacht. Als er Anfang 2020 mein Angebot, Mitglied der medium-magazin-Redaktion zu werden, annahm, hat er sich ebenso schnell als Bereicherung unseres Teams erwiesen.

Zum 1. Januar 2021 übernimmt er die Chefredaktion – und sagt selbst dazu: „Ich freue mich sehr auf diese spannende Aufgabe. Dank Annette Milz ist das medium magazin in den vergangenen 30 Jahren zu einem unverzichtbaren Branchenmedium geworden. Wir wollen auch künftig die wichtigste Plattform für alle Themen sein, die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland bewegen.“ Mit dem Wechsel wird nicht nur der Redaktionssitz von Frankfurt nach Mannheim umziehen. Auch redaktionell wird sich sicher einiges ändern. Alexander wird mit seiner eigenen Handschrift das medium magazin weiterentwickeln. Dazu gehört auch die Kooperation seit diesem Jahr mit dem Österreichischen Journalisten und Schweizer Journalisten, den beiden Schwesterzeitschriften im Oberauer-Verlag.

Lassen Sie sich überraschen! Ich bin überzeugt, dass er unser „Baby“ – das wir 1986 mit viel Leidenschaft für guten Journalismus auf die Welt gebracht haben – weiter als starke Persönlichkeit wachsen lässt.

Nun freue ich mich auf Neues und möchte Dinge ausprobieren und weiterentwickeln, für die bisher zu wenig Zeit blieb. Ihnen wünsche ich von Herzen ein gutes neues Jahr! Bleiben Sie uns gewogen!

 

Die Ausgabe medium magazin Nr. 06/2020 mit unserer Titelgeschichte über neue Regionalmedien ist ab sofort digital oder als Printausgabe hier erhältlich oder im ikiosk.
 
 
 

 

 
 
 
 
 
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