Die Redaktion empfiehlt: 17 Hör- und Lesetipps

John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt
Der dritte Teil aus Streleckis Café-Serie. Kein klassisches Medienbuch, aber hilfreich für jeden, der sich fragt, wo es hingehen soll im Leben – und auch jene, die diese Frage bislang (un)bewusst gescheut haben. Kurzweilige Lektüre mit meist anhaltenden Folgen. (dtv 2019, 9,90 Euro)
Florian Sturm

 

 

 

 

 

Franzi von Kempis. Anleitung zum Widerspruch 
Falls Sie sich für kontroverse politische Gespräche in der Familie in den Weihnachtsferien und darüber hinaus wappnen wollen, sei Ihnen dieses Buch dringend ans Herz gelegt. Franzi von Kempis – auch bekannt als „Besorgte Bürgerin“ (so ihr Social-Video-Blog) und im Hauptberuf CvD bei t-online.de – hat ihre gebündelten Streiterfahrungen und Tipps zu Papier gebracht. Vermutlich werden Ihnen einige Szenen bekannt vorkommen. Aber hätten Sie die passende Antwort parat gehabt? (Mosaik 2019, 15 Euro)
Annette Milz

 

 

 

Seymour M. Hersh: Reporter. Der Aufdecker der amerikanischen Nation
Seine Reportage über die Kriegsverbrechen der US-Armee in My Lai machte ihn weltbekannt. Ein halbes Jahrhundert später legt Seymour M. Hersh, mit 82!, seine Memoiren vor. Blickt darin zurück auf das „goldene Zeitalter des Journalismus“, spart Selbstzweifel und manches Scheitern nicht aus. Ein besessener Rechercheur. Ein großartiger Erzähler. Lange lebe er! (Ecowin 2019, 28 Euro)
Senta Krasser

 

 

 

Clemens Schwender, Cornelia Brantner, Camilla Graubner, Joachim von Gottberg (Hrsg.): Zeigen. Andeuten. Verstecken. Bilder zwischen Verantwortung und Provokation
„Bild schlägt Wort“, heißt es. Doch was für eine Verantwortung erwächst daraus? Was zeigt man und wie? Was ist beim Fotografieren erlaubt, damit die Würde des Fotografierten keinen Schaden nimmt? Schon vor Ibiza-Gate wurde über die ethischen, moralischen und rechtlichen Grenzen diskutiert. Hier ist der aktuelle Forschungsstand (auch Forschungslücken!) sehr gut, wenn auch sprachlich anspruchsvoll zusammengefasst. (Halem Verlag 2019, 34 Euro)
Senta Krasser

 

 

Ferda Ataman: Hört auf zu fragen. Ich bin von hier!
Mit „Smalltalk und Blutwurst“ beginnt das Buch. Damit ist der heitere Ton für ein gar nicht so heiteres Thema gesetzt: Mit einer gehörigen Portion Selbstironie und fränkischer Heimatverbundenheit erklärt Ferda Ataman, wie das so ist, wenn man ständig aufgrund seines Namens oder Aussehens gefragt wird: Woher kommst du denn? Die Mitgründerin der Neuen deutschen Medienmacher kommt, ganz klar, von hier. Und spätestens nach dieser Lek- türe weiß man, warum Redaktionen mehr Diversität gut täte. (S. Fischer 2019, 13 Euro)
Annette Milz

 

 

 

 

Sven Preger: Geschichten erzählen. Storytelling für Radio und Podcast
Sven Preger ist Diplom-Journalist und systemischer Coach. Sein Spezialgebiet: komplexe Geschichten erzählen. Wer bisher keine Gelegenheit hatte, ihn als Trainer persönlich zu erleben, sollte sein Buch lesen. Dort findet er kompetente Antworten auf wichtige Fragen zum Storytelling: Welche Stoffe taugen für lange Geschichten? Wie halte ich die Spannung von Anfang bis Ende aufrecht? Wie finde ich meine Erzählstimme? Pregers eigene Geschichten (beispielsweise „Der Anhalter“) wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem CNN Award und dem Axel Springer Preis. (Springer VS 2019, 24,99) Inge Seibel

 

 

Robert Gernhardt: Reim und Zeit. Gedichte
Sein „Blick für den alltäglichen Schwachsinn“ ist einfach großartig. Gernhardt, einst Mitglied der Frankfurter Schule, ist 2006 viel zu früh gestorben. Aber seine Texte leben – und wie! (Reclam 2009, 5 Euro; auch als Hörbuch)
Annette Milz

 

 

 

 

 

West Wing Weekly
Die perfekte Verbindung aus aktueller US-Politik und TV-Serien-Nerderei – seit 2016 besprechen Joshua Malina und Hrishikesh Hirway jede Woche eine Folge der legendären Aaron Sorkin-Serie „The West Wing“. Chronologisch von der ersten Staffel. Im Januar wird das Mammut-Projekt mit Ende von Staffel sieben vorbei sein. Sie schauen auf die Themen der hochpolitischen Serie immer im Spiegel aktueller Ereignisse, reden mit Regisseur:innen, Schauspieler:innen und Politiker:innen. Und das jedes Mal so informativ, komisch, analytisch, dass man im Februar am besten wieder bei Folge 1 anfängt. Anne Haeming

 

Imagined Life
Wie fühlt es sich an, das Leben berühmter Personen zu leben? Virginia Madsen und Robbie Daymond nehmen ihr Publikum mit auf eine immersive Reise durch die Biografien von Elon Musk, J.K. Rowling oder Pablo Escobar. Mit permamenter direkter Höreransprache, großartigem Storytelling und szenischen Nacherzählungen entsteht so tatsächlich das Gefühl, in den Schuhen des Protagonisten zu stecken. Da die Identität der jeweiligen Person erst am Ende der Folge aufgeklärt wird, ist Imagined Life gleichzeitig noch eine inhaltliche Schnitzeljagd. Florian Sturm

 

Cosmo Tech. Der Podcast für die digitale Welt
Man kann es Podcast nennen oder einfach nur professionelles Radio vom Feinsten. Jörg Schieb und Dennis Horn, Radio- und TV-Profis bei der ARD und seit vielen Jahren aktiv in der Tech-Welt unterwegs, legen alle zwei Wochen bei WDR Cosmo den Finger auf das Gefahrenpotential unserer vernetzten Welt. Mit journalistischem Anspruch und in bester Tonqualität, dabei weder rechthaberisch noch ‚missionierend’.
Inge Seibel

 

 

Pod Save America
PSA ist das Flagschiff des Podcast-Produzenten Crooked Media. Seit Januar 2017 diskutieren die ehemaligen Obama-Mitarbeiter Jon Favreau, Tommy Vietor, Jon Lovett und Dan Pfeiffer im Wechsel zweimal wöchentlich mit Gästen aus der Politik. Momentan dreht sich alles um das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und die demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Spannend, unterhaltend, hintergründig und lehrreich für jeden, der tiefer in die Materie der US-Politik einsteigen will.
Ulrike Langer

 

 

Mensch Mutta
In der siebenteiligen Podcastserie erzählt die Radio- und TV-Journalistin Katharina Thoms sehr persönlich und authentisch über das Leben ihrer Mutter in der DDR bis zum Fall der Mauer. Ein Blick auf das „normale“ Leben in der DDR, abseits von Flucht, Mauer und Stasi. Absolut hörenswert. „Mensch Mutta“ erhielt den Grimme Online Award 2019 in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“.
Inge Seibel

 

 

Dr. Death
In zehn spannenden Folgen präsentiert die Wissenschaftsjournalistin Laura Beil die Geschichte des amerikanischen Chirurgen Christopher Duntsch, einem narzistischen und drogenabhängigen Arzt, der sich einen groben Behandlungsfehler nach dem anderen erlaubt, seinen besten Freund dadurch in den Rollstuhl bringt und sogar zwei Todesfälle zu verantworten hat. Trotz klarer Beweise ist es fast unmöglich, Duntsch vom OP-Tisch zu entfernen. Der Podcast ist auch auf Deutsch erhältlich.
Florian Sturm

 

The Daily
Seit Februar 2017 präsentiert Host Michael Barbaro jeden Wochentag Hintergrundgeschichten zu den aktuellsten Beiträgen und Recherchen der New York Times – meist im Zwiegespräch mit den Reportern. Pro Folge 20 bis 25 Minuten. Absolut hörenswert.
Florian Sturm

 

 

 

Role Models
„Offene, weitreichende und oft ganz persönliche Gespräche mit inspirierenden und erfolg- reichen Frauen“ war das Ziel der beiden Hosts Isa Sonnenfeld und David Noël beim Start- und es ist gelungen: Zu den Role Models der Gesprächsparterinnen gehören auch diverse Journalistinnen, wie Anne Will („Wie gehst du mit Pannen um?“). 
Annette Milz

 

 

Hotel Matze (Mit Vergnügen)
Matze Hielscher, einst Bassist der Band Virginia Jetzt!, trifft sich wöchentlich mit spannenden Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik und Entertainment. Die Interviewführung ist nicht immer strikt journalistisch, aber auch deshalb oft interessant. Highlights sind u.a. die Gespräche mit Giovanni di Lorenzo, Thees Uhlmann und Sabine Rückert.
Florian Sturm

 

 

Geheimakte Peggy
Ein neunjähriges Mädchen verschwindet in der bayerischen Provinz, die Leiche wird Wochen später gefunden. Doch der Mörder ist bis heute nicht identifiziert. Ein wahrer Kriminalfall, an dem Antenne-Bayern-Reporter Christoph Lemmer Jahre dran war. Wer seinen Podcast „Geheimakte Peggy“ hört, kann nicht mehr abschalten. True Crime nach bester „Serial“-Art!
Senta Krasser