Das sind die Journalisten des Jahres 2016

Bastian Obermayer, Frederik Obermaier und Vanessa Wormer – sie sind die „Journalisten des Jahres 2016“.
Das Investigativ-Team der „Süddeutschen Zeitung“ überzeugte eine mehr als 80-köpfige unabhängige Fachjury . Deren Mitglieder wählten weitere „Journalisten des Jahres“ in zehn Fach-Kategorien. Den Ehrenpreis für das Lebenswerk erhielt der Filmemacher und Autor Alexander Kluge.

In der Jurybegründung für die „Journalisten des Jahres“ heißt es:
„Es war der Scoop des Jahres: 2,6 Terabyte Datenmaterial hatte das Investigativ-Team der ,Süddeutschen Zeitung‘ in Kooperation mit dem ICIJ und weltweit 400 Journalisten rund ein Jahr lang durchforstet und schließlich crossmedial aufbereitet. Mit den ,Panama Papers‘ deckten sie im Frühjahr 2016 die Machenschaften dubioser Briefkastenfirmen und ihrer Kunden auf. Weltweit war die Wirkung der Aufdeckungen enorm – und ein Ende ist nicht in Sicht. Diese Arbeit ist ein Musterbeispiel für kollaborativen Journalismus, der über Medien-und Ländergrenzen hinweg komplexe Themen bearbeitet, Dunkelzonen aufhellt und Erkenntnisprozesse anstoßen kann. Das SZ-Team ließ sich nicht von der komplizierten Datenfülle schrecken und bewies eindrucksvoll, was beharrliche, akribische journalistische Recherchen leisten können – Aufklärung im besten Sinne.“

 

In den Fachkategorien siegten:

Chefredaktion:
national: Jochen Wegner, „Zeit Online“
„Jochen Wegner ist zum Vordenker für digitalen Qualitätsjournalismus in Deutschland avanciert und der Erfolg gibt ihm 2016 nicht nur mit schwarzen Zahlen recht: Eine ausgeruhte, analytische Berichterstattung (vor allem bei großen Lagen wie Nizza, München, Brexit, Türkei, Trump), mobil optimierte Formate (,Live-Dossiers‘, ,Kartengeschichten‘) bescherten Zeit Online größere Marktanteile als SZ und FAZ. Er überlässt die Leserdebatte nicht Facebook, sondern betreibt eine offene, klug moderierte Kommentar-Community mit rasant wachsendem Zuspruch. Und mit Z2X, dem jungen Festival ,zur Verbesserung der Welt‘, kreierte er ein neues, erfolgreiches Veranstaltungsformat.“

regional: Lorenz Maroldt, „Tagesspiegel“ (Berlin)
„Maroldt hat sich im Berliner Wahljahr als der politische Agenda-Setter der Stadt etabliert: Sein ,Checkpoint‘-Newsletter war die maßgebliche Kritikerstimme der Lokalpolitik. Als der im Chefredakteurs- Duo (mit Stephan-Andreas Casdorff) Verantwortliche für das Lokale in Berlin hat er im Juni mit ,Tagesspiegel Leute‘ ein innovatives hyperlokales Projekt für alle zwölf Stadtbezirke auf die Beine gestellt mit wöchentlichem Newsletter nach dem Erfolgsmodell seines ,Checkpoints‘.“

Politik: Dunja Hayali, ZDF
„Herz, Hirn, Haltung – diese Trias passt auf die bekannteste Frühaufsteherin. Im Sommer-,Donnerstalk‘ zeigte sie bemerkenswerte Qualitäten als politische Debattenführerin, ihre klugen Interviews im ,MoMa‘ zeugen von Unerschrockenheit und Unvoreingenommheit: Dunja Hayali will die Mechanismen der Fremdenfeindlichkeit verstehen und sucht souverän den Dialog mit Andersdenkenden. Es braucht mehr Journalistinnen wie sie.“

Wirtschaft: Gabriele Fischer, „brand eins“
„Die Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins findet immer wieder Antworten auf Fragen, die sich noch niemand gestellt hat. ,Es denkt nicht für dich!‘, lautete eine davon in diesem Jahr. Das Schwerpunktheft im Juli brachte die technische und ethische Debatte zur Digitalisierung klug auf den Punkt. Mit ,Achtung Fakten‘ setzte ,Brand eins‘ einen wichtigen Akzent in der Debatte zur Objektivität im postfaktischen Zeitalter: Auf welcher Grundlage bewerten wir eigentlich Aktienkurse, Unternehmen, Mitarbeiter? Gabriele Fischer gelang es auch 2016 immer wieder, Themen originellen Tiefgang zu verleihen. Als Agenda-Setterin ist sie unentbehrlich.“

Kultur: Johanna Adorján, „Süddeutsche Zeitung“
„Eine kluge, gebildete Kulturkennerin mit exzellenter Beobachtungsgabe (die sie auch in ihrem dritten Roman ,Geteiltes Vergnügen‘ 2016 erneut bewies): Wenn die FAZ meint, nach 15 Jahren auf eine Frau mit diesen schreiberischen Qualitäten verzichten zu können: Bitte schön. Johanna Adorján glänzt nun bei der ,Süddeutschen Zeitung‘. Gleich ihr erstes Stück auf der Seite Drei, über den Schriftsteller Sebastian Fitzek, war ein kleines Meisterwerk. Bitte weiter so.“

Unterhaltung: Jan Böhmermann, ZDF neo
„Er polarisiert – und das ist gut so: Man muss ihn nicht mögen, man muss sein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan nicht für ein satirisches Meisterwerk halten – man kommt trotzdem nicht an ihm vorbei. Jan Böhmermann ist es wie keinem anderen seines Genres gelungen, im Jahr 2016 wichtige Diskussionsprozesse anzustoßen: über die Türkei, über die Grenzen der Satire, über Opportunismus und Liebedienerei mancher Politiker und Journalisten.“

Sport: Rafael Buschmann,  „Der Spiegel“
„Im Frühjahr diskutierte die gesamte Fußballwelt darüber, wer genau hinter der anonymen Enthüllungsplattform Football Leaks steckt, die all die Dokumente über die Superstars des Sports veröffentlichte. Und ihm ist es als erstem Journalisten weltweit gelungen, einen der Whistleblower aufzuspüren. ,Jagd auf Little John‘ von Rafael Buschmann ist eine der unglaublichsten und spannendsten Reportagen des Jahres.“

Wissenschaft: Christina Elmer, „Spiegel Online“
„Datenjournalismus und Wissenschaft sind für sie eine natürliche Verbindung. Die Art, wie Christina Elmer Daten visualisiert, setzt Maßstäbe. So setzte sie 2016 zwei interaktive Deutschlandkarten zu Rentenprognosen für 2040 um. Ein andermal entwickelte sie (gemeinsam mit dem Recherchebüro Correctiv) eine durchsuchbare Ärzte-Datenbank über Zahlungen der Pharma- Lobby an Mediziner.“

Reporter:
national: Jaafar Abdul Karim, Deutsche Welle, „Spiegel Online“
„Seine Sendung ,Shababtalk‘ oder sein Vlog („Spiegel Online“) sind Entdeckungsreisen: Abdul Karim ist wie kein anderer Reporter immer unterwegs, um ganz nah bei den Menschen zu sein. Allein 2016 war er zu Recherchen in der Türkei, im Libanon, im Irak, in Jordanien und in Qatar. Jaafar Abdul Karim serviert keine vorgefertigte Meinung, er lässt Menschen diskutieren. Er ist eine Bereicherung für die Medienlandschaft in Deutschland.“

regional: Marc Rath, „Volksstimme“, Magdeburg
„Marc Rath wühlt sich seit 2014 durch die Briefwahlaffäre in Stendal. Sie erwies sich als bis dato größter Fall von Wahlfälschung in der Geschichte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Landtagspräsident Hardy-Peter Güssau musste am 15. August zurücktreten. Die Wahlleiter von Stadt und Landkreis wurden abberufen. Aber der Autor wurde von der nicht aufklärwilligen CDU im Kreis Stendal angefeindet.“

Entrepreneur: Martin Hoffmann, Resi Media
„Mit Mut zum Risiko hat er seinen festen Job bei Springer gekündigt, sich einen Traum erfüllt und ein journalistisches Startup gegründet. Mit seinem Messenger-Bot Resi zeigt er, dass journalistisch-technische Innovationen auch aus Deutschland kommen können. Mit seinen Freunden hat Hoffmann eine App gebaut, die mindestens deutschlandweit einzigartig ist und vielen Medien den richtigen Weg zeigt.“

Team des Jahres: Correctiv
„Das Team von correctiv.org hat durch seine Arbeit die Recherche in Deutschland neu befruchtet. 2016 arbeitete das Recherchebüro mit rund 60 Medienpartnern an gesellschaftlich relevanten Themen zusammen, veröffentlichte mehrere Bücher und die ,Bibliothek der verborgenen Dokumente‘, inspirierte ein Theaterstück, gab Workshops zum Auskunftsrecht, gründete eine neue Lokalredaktion (correctiv.ruhr) und ein Fellowship-Programm für Datenjournalismus. Correctiv ist eine Bereicherung und nicht mehr wegzudenken.“

Lebenswerk: Alexander Kluge
„Alexander Kluge, geboren am 14. Februar 1932 in Halberstadt, hat die deutsche Film- und Fernsehentwicklung seit gut 50 Jahren maßgeblich mitgestaltet – als einer der klügsten und intellektuellsten Köpfe des Journalismus. Er machte mit seiner Firma dctp, gegründet 1987, das Privatfernsehen klug. Wie wenig er sich stets mit Erreichtem zufriedengibt, zeigt sich an der unaufhörlichen Weiterentwicklung seiner Formate: So agiert seine Produktionsgesellschaft dctp heute auch erfolgreich im Internet. Seine Aktivitäten als Medienschaffender sind von seltener Vielfalt – als lehrender und gestaltender Filmemacher, als Unternehmer, als Interviewer und Autor. Alexander Kluge ist ein ewig Rastloser auf der Suche nach weiterführenden Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit. Das zeichnet einen Journalisten im besten Sinne aus. “

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Die Liste mit den Top 10 der „Journalisten des Jahres“ aller Kategorien mitsamt den Begründungen erscheint in „medium magazin“ 1/2017 und ist ab 23.12. digital und im iKiosk verfügbar, gedruckt ab 29. Dezember 2016; alles online frei verfügbar nach der Verleihung am 7.2.2017.

Der undotierte „medium magazin“-Preis „Journalisten des Jahres“ wird seit 2004 von der Branchenzeitschrift „medium magazin“ verliehen. (Dies hier waren die Vorjahressieger „Journalisten des Jahres“ 2015). Die unabhängige rund 80-köpfige Jury der „Journalisten des Jahres“ 2016 besteht aus renommierten Journalisten und Medienexperten sowie aus den jeweiligen Vorjahres-Preisträgern und Nachwuchs-Talenten der „Top30 bis 30“ des Jahres 2016. Bei der Wahl des „Wirtschaftsjournalist des Jahres“ kooperiert „medium magazin“ mit der Fachzeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ (ebenfalls Oberauer Verlag).

Die Preisverleihung an die „Journalisten des Jahres“ 2016 findet am 7. Februar 2017 im Deutschen Historischen Museum in Berlin statt, mit freundlicher Unterstützung der Daimler AG, Otto Group und Total.