Qube

Neon, 30:30 und Friedrich Ebert: Wir schauen anderen über die Schulter

2-SchulterblickWir haben uns von Vorbildern aus aller Welt inspirieren lassen. Eine große Hilfe und ein Beleg, dass wir auf dem richtigen Weg waren, war unter anderem die „30/30“ – eine innovative Tageszeitung, die beim European Newspaper Congress 2009 vorgestellt wurde. Auch die Preisträger des „European Newspaper Award“ , der auf dem Congress alljährlich vergeben wird, weckten unser  Interesse.  Das „Svenska Dagbadet“ beispielsweise, die drittgrößte schwedische Tageszeitung und Preisträger des Jahres 2008 in der Kategorie überregionale Zeitung, überzeugte uns davon, für das Cover ein sehr großes, aussagekräftiges Titelfoto zu wählen und nur drei kleinere Beiträge anzuteasern, auf ganze Artikel jedoch zu verzichten. Die mallorcinische Lokalzeitung „Diari de Balears”, die 2008 in der Kategorie Lokalzeitung den Award gewann, inspirierte uns dazu, unseren Ressorts keine übergeordneten Begriffe wie „Politik“, „Wirtschaft“ oder „Panorama“ zu geben, sondern sie schlicht durchzunummerieren, was wunderbar in unser Konzept der Themenzeitung passte (mehr dazu unter „Weg mit den Rubriken: Qube ist eine Zeitung der Themen“).

Außerdem gefiel uns Onlinern bei der „Diari de Balears“, dass sie in der oberen Leiste jeder Seite Stichworte nutzt, an denen der Leser ähnlich einer Breadcrumbnavigation entlang gleiten kann und so einen schnellen Überblick über den Inhalt der Seite gewinnt. Die niederländische Zeitung „nrc.next“, ein Ableger der überregionalen Tageszeitung NRC Handelsblad aus Rotterdam, die 2006 gegründet wurde, erhielt 2008 den Sonderpreis der European Newspaper Award-Jury. Ihre Zielgruppe ist die jüngere Generation, die nicht mehr wie selbstverständlich zu einer Tageszeitung greift. Sie bietet eine andere Herangehensweise an Nachrichten: Da die Redaktion davon ausgeht, dass die Leser zum großen Teil die Nachrichten schon aus anderen Medien, vor allem dem Internet, bezogen haben, setzt sie auf Analyse, Kommentare und Kolumnen. Einige für jüngere Menschen relevante Themen wie Karriere und Lifestyle werden stärker in den Vordergrund gestellt. Das entsprach auch unserer Denkweise, dass die junge Zielgruppe sich von einer Zeitung eher in die Tiefe gehende Informationen, und nicht den schnellen Nachrichtenüberblick wünscht. Zudem spart sich auch die „nrc.next“ eine Tagesausgabe und ist am Wochenende nicht präsent.

Innerhalb des Projekts hatte jeder Teilnehmer die Aufgabe, sich ständig nach stilistisch herausragenden und besonders emotionalen oder innovativen Artikeln und Praktiken Ausschau zu halten. Einige Magazine und Zeitungen blieben im Dauerfokus, da sie die Zielgruppe der jungen Menschen bis circa 35 unserer Meinung nach am besten bedienen. Dazu gehörte „NEON“, das Jugendmagazin des „Stern“, die Wochenzeitung „Die ZEIT“, die Sonntagszeitung der FAZ und das Online-Portal  des „Spiegel“. Gleichzeitig konnte jeder Projektteilnehmer auf einzelne, besonders gelungene Stücke aufmerksam machen. All diese „Best Practice“-Beispiele wurden gesammelt und konnten von der Gruppe jederzeit eingesehen werden, um sich Anregungen für die eigene Arbeit zu holen.

Ein anderes Augenmerk legte die Projektgruppe auch auf Medienpreise wie den Egon-Erwin-Kisch- oder den Grimme-Preis und aktuelle Studien zum Thema Zeitungssterben, wie zum Beispiel die Ausarbeitung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Das Verschwinden der Zeitung? – Internationale Trends und medienpolitische Problemfelder“.  Die Studie beschäftigt sich eingehend mit den Problemen von Verlegern und  bildet die Meinung und das persönliche Vorgehen von 43 der einflussreichsten Personen in der Medienbranche ab. Auf den ersten Blick scheint der Tenor der beiden Autoren, den Medienwissenschaftlern Stephan Weichert und Leif Kramp, eindeutig zu sein: Die Zeitung liegt auf dem Sterbebett. Das Internet jedoch kann ihren Platz als Medium für Qualitätsjournalismus auch nicht einnehmen. Denn es sei, so wörtlich,nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert deren Ausdrucksformen und publizistische Wirkung neu.“ Deshalb kommen sie zu dem überraschenden Schluss: „Das Ende der Zeitung ist dennoch keine ausgemachte Sache: Der journalistische Geist der gedruckten Presse kann – und muss – weiterleben, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil er identisch ist mit der Idee einer lebendigen Demokratie.“

Übersicht

01. Leserschwund: Schwere Zeiten für Zeitungsmacher
02. Schulterblick: Wir schauen anderen über die Schulter
03. Erscheinungsweise: Dreimal Tageszeitung pro Woche reicht
04. Themenzeitung: Weg mit den Rubriken
_04_I Meta-Ressort “1”: Ausland
_04_II Meta-Ressort “2”: Ressort „2“ : Inland
_04_III Meta-Ressort “3”: Gesellschaft
_04_+ Meta-Ressort “+”: verschiedenen Themenschwerpunkte
05. Der Name: kompakt, eckig, unbequem
06. Layout: Format und Layout machen Platz
07. Visualisierung: Wir setzen auf starke und provokante Bildsprache
08. Stil: Unser Stil ist frisch, frech und Web 2.0
09. Online und Print ergänzen sich
10. Fremdcontent: Blogger, Leser, Literaten
11. Lesermeinung: Der Leser hat sein eigenes Hirn
12. Transparenz: Wir stehen zu unseren Quellen und Fehlern
13. Redaktionsorganisation: mit einem Hauch Innovation

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